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Exterieurbewertung nach dem 2. Kalb

Seit 2007 werden im Zuchtprogramm Fleckvieh Austria auch Exterieurbewertungen bei Kühen nach dem 2. Kalb durchgeführt. Bei der Zweitbewertung werden möglichst viele Kühe, die bereits nach dem 1. Kalb bewertet wurden, noch einmal bewertet. Dabei liegen den Bewertern die Ergebnisse der Erstbewertung nicht vor, um unvoreingenommen urteilen zu können. Die Ergebnisse der Zweitbewertungen können dem interessierten Züchter eine wichtige Zusatzinformation bei der Stierauswahl über die Exterieurentwicklung seiner Töchter sein. In Deutschland erfolgt die Zweitbewertung bisher erst nach dem 3. Kalb. Das hat den Vorteil, dass die Exterieurentwicklung noch genauer zu sehen ist, allerdings ist die Kuhanzahl dann schon recht eingeschränkt und die Ergebnisse kommen für züchterische Entscheidungen oft zu spät.

Interpretation der Ergebnisse

Bei der Zweitbewertung werden zwei verschiedene Auswertungen („Ab.2.B" und „1./2.B") zur Verfügung gestellt, die unterschiedlich zu interpretieren sind. Die Interpretation erfolgt anhand eines Beispiels aus der Auswertung vom August 2009.

Ergebnisse der Zweitbewertungen von RÖMER- und HADES-Töchtern vom August 2009

 NameTö2.BRahBemFundEuter
 V: Romor, MV: GS Malf
48

ZW137117112115
 GS RÖMERAb.2.B+0,55+0,26+0,01-0,12
 AT 526.779.6471./2.B-0,09+0,08-0,02-0,18
 V: Hippo, MV: Repuls
62

ZW11292101128
 HADESAb.2.B+0,21-0,08+0,07+0,55
 AT 754.776.6471./2.B-0,06+0,16+0,28+0,20


Tö2.B:  Anzahl der Töchter mit Zweitbewertung, ZW: Zuchtwerte für Rahmen, Bemuskelung, Fundament und Euter (basierend auf Bewertungen der Erstlingskühe)

Ab.2.B:
Niveau der zweitbewerteten Töchter des jeweiligen Stieres im Vergleich zu allen zweitbewerteten Kühen (korrigiert auf Bewerter und Jahr). Beim Stier HADES bedeutet das z.B., dass seine Töchter nach dem 2. Kalb im Schnitt um 0,55 Punkte bei der Euternote (Skala 1 bis 9) über dem Durchschnitt aller Stiere mit Zweitbewertung liegen. Dieser Wert bestätigt also in diesem Fall die deutliche Überlegenheit im Euter (Euter-ZW 128), obwohl das Niveau aller Stiere mit Zweitbewertung mit einem Euter-ZW von 116 (das entspricht fast einer halben Euternote über dem Mittel) bereits deutlich überdurchschnittlich ist. Andererseits bedeutet der Wert von -0,12 bei den RÖMER-Eutern nicht, dass dieser Stier unterdurchschnittliche Euter bringt. Im Vergleich zum sehr hohen Euterniveau aller zweitbewerteten Stiere liegt er leicht unter dem Schnitt, insgesamt ist er trotzdem überdurchschnittlich einzuschätzen!

1./2.B.:
Abweichung (korrigiert auf Bewerter und Jahr) der Ergebnisse der Bewertung nach dem 2. Kalb im Vergleich zu den Ergebnissen nach dem 1. Kalb. Beim Stier HADES bedeutet das Ergebnis, dass sich die Euternote seiner Töchter vom bereits sehr hohen Niveau bei der Erstbewertung im Schnitt noch um 0,2 Punkte verbessert hat. Der Wert von -0,18 bei RÖMER zeigt, dass die Euter nicht mehr so deutlich positiv eingeschätzt werden wie nach dem 1. Kalb (Euter-ZW 115), trotzdem kann man davon ausgehen, dass sie immer noch über dem Durchschnitt liegen. Das bedeutet, dass diese Werte nur im Zusammenhang mit den Zuchtwerten basierend auf den Erstbewertungen sinnvoll zu interpretieren sind!

Was ist zu beachten?

Bei den Ergebnissen aus der Zweitbewertung handelt es sich um keine Zuchtwerte. Die dargestellten Abweichungen basieren auf meist wenigen Töchtern und sind nur auf das Bewerter-Jahr korrigierte Leistungsdaten, wobei sonstige Management- und Umwelteinflüsse unberücksichtigt bleiben. Zur groben Orientierung entspricht in der Zuchtwertschätzung eine halbe Note ungefähr 20 ZW-Punkten Über- oder Unterlegenheit. Die Ergebnisse werden nur als Zusatzinformation veröffentlicht, gehen aber nicht in die offiziellen Exterieurzuchtwerte ein. Eine Einbeziehung in die ZWS ist mit der derzeitigen Datengrundlage von Töchtern aus stark vorselektierten Stieren nicht sinnvoll. Außerdem würde dadurch der wesentliche Nutzen, die Exterieurentwicklung abschätzen zu können, verloren gehen.Wichtig ist auch zu beachten, dass nicht von allen Stieren Töchter nach dem 2. Kalb bewertet werden, sondern meist nur von den interessanteren, also besseren Stieren. Das bedeutet letztendlich, dass die offiziellen Zuchtwerte weiterhin das wichtigste Kriterium im Exterieurbereich darstellen, die Zweitbewertungen aber eine interessante Zusatzinformation bieten. Sie stellen einen von vielen Mosaiksteinen in der Zucht auf leistungsstarke, funktionale und langlebige Kühe dar!

Autor: Dr. Christian Fürst, ZuchtData