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Zuchtprogramm Fleckvieh Austria

Aufgrund der neuen Möglichkeiten, die sich durch die Einführung der genomischen Selektion und der Zuchtwertschätzung von Gesundheitsmerkmalen eröffneten, startete die AGÖF gemeinsam mit Wissenschaftern der ZuchtData und der Universität für Bodenkultur, unterstützt vom Lebensministerium, im November 2011 das Projekt OptiGene zur Optimierung des Zuchtzieles und des Zuchtprogrammes, um für künftige Rahmenbedingungen bestmöglich gerüstet zu sein.

Nach einem Jahr intensiver Arbeit war das neue genomische Zuchtprogramm Fleckvieh AUSTRIA 2012 erstellt, das das alte Zuchtprogramm aus dem Jahr 2000 ersetzt. Dennoch: Das genomische Zuchtprogramm 2012 ist ein wichtiger Meilenstein, aber keine endgültige Festlegung auf Jahre oder Jahrzehnte. Die Entwicklung des neuen Zuchtprogrammes Fleckvieh AUSTRIA 2012 ist ein laufender Prozess.

Zuchtprogramm Fleckvieh AUSTRIA 2012

Das neue genomischen Zuchtprogramm Fleckvieh AUSTRIA sieht vor, dass jährlich 60 Jungstiere aus 1.200 Kandidaten selektiert werden (Remontierung 1:20). Zum Vergleich: Im Zuchtprogramm Fleckvieh AUSTRIA 2000 waren 140 Teststiere das Ziel. Aus den 60 Jungstieren werden jährlich die besten 10 Stiere aufgrund der Nachkommenleistung als NKP-Stiere selektiert. Die besten 4 daraus werden als Stierväter für die Anpaarung mit den genetisch interessantesten Kühen herangezogen. Von den Jungstieren werden die interessantesten 12 Jungstiere als Stierväter eingesetzt werden. Bezogen auf den Besamungsanteil wurde als Ziel formuliert, dass die Herdebuchkühe österreichweit zu 50 % mit Jungstieren besamt werden. Bei den Stiermüttern ist ein Anteil von 75 % das Ziel. Bei konsequenter Umsetzung lässt das neue genomische Zuchtprogramm Fleckvieh AUSTRIA 2012 im Vergleich zum Nachkommen-Zuchtprogramm Fleckvieh AUSTRIA 2000 ca. 40 % mehr Zuchtfortschritt pro Jahr erwarten.

Genomisches Zuchtprogramm Fleckvieh AUSTRIA 2012
Zuchtprogramm Fleckvieh AUSTRIA 2012 (JS=Jungstiere; NKP=nachkommengeprüfte Stiere; SV=Stierväter

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Zuchtziel

Das Zuchtziel ist auf eine nachhaltige Verbesserung der Wirtschaftlichkeit in der Milchproduktion unter ausgewogener Berücksichtigung der Fleischleistungs- und vor allem der Fitnessmerkmale ausgerichtet. Diese Zielsetzung wird am effizientesten durch Selektion auf der Basis des Ökonomischen Gesamtzuchtwertes (GZW) erreicht.

Im Rahmen des Projektes OptiGene wurde im Dezember 2015 ein neuer Gesamtzuchtwert, also die Gewichtung der Merkmale, koordiniert mit den Partnern der gemeinsamen Zuchtwertschätzung vorgestellt. Der neue Gesamtzuchtwert wurde im April 2016 eingeführt und stellt ein klares gemeinsames Signal hin zu einer fitnessstarken Doppelnutzungskuh dar.

Die neue Gewichtung verschiebt sich von 38 : 16 : 46 für Milch : Fleisch : Fitness geringfügig auf 38 : 18 : 44%. Mit der etwas höheren Gewichtung des Fleischkomplexes und der gleichzeitigen Verschiebung der Gewichtung innerhalb des Fleischblocks auf die Schlachtqualitätsmerkmale wird der großen Bedeutung der Doppelnutzung Rechnung getragen.

Innerhalb des Milchblocks verschiebt sich die Gewichtung von Fett-kg zu Eiweiß-kg von 1 : 10 auf 1 : 1,4 und entspricht damit der wirtschaftlichen Realität nach dem Wegfall der Milchquote.

Innerhalb des Fitnessblocks sind die wichtigsten Änderungen die Verdoppelung des Gewichts für den Fruchtbarkeitswert und die Einbeziehung des neuen Merkmals Vitalitätswert (VIW). Der VIW setzt sich aus der (paternalen) Totgeburtenrate und den Aufzuchtverlusten zusammen. Die Aufzuchtverluste umfassen dabei Verendungen von männlichen Kälbern bis zum 10. Monat und von weiblichen Kälbern bzw. Jungrindern bis zum Alter von 15 Monaten. Die Erblichkeit des Merkmals beträgt zwischen 1,1 und 2,2%, die Sicherheiten sind jedoch recht hoch, weil eine hohe Datenmenge für die Zuchtwertschätzung zur Verfügung steht, da sozusagen jedes Kalb zählt. Der Kalbeverlauf paternal wird nicht mehr im Gesamtzuchtwert berücksichtigt, da bei diesem Merkmal von den Besamungsorganisationen bzw. den Züchtern ohnehin strenge eigene Selektionsgrenzen gelten.

Tabelle: Gesamtzuchtwert Fleckvieh - Gewichtung und theoretischer Selektionserfolg in kg (Milch, Fett, Eiweiß) bzw. ZW-Punkten (Fleisch und Fitness) pro Generation bei Selektion nach GZW.
Neuer Gesamtzuchtwert Fleckvieh: Gewichtung und theoretischer Selektionserfolg in kg (Milch, Fett, Eiweiß) bzw. ZW-Punkten (Fleisch und Fitness) pro Generation bei Selektion nach GZW.