April-ZWS 2018: Enormes Niveau im Topsegment

Für einen echten Qualitätsgewinn an der Spitze sorgen diesmal zahlreiche Vererber des 2012er Jahrgangs, die teils kräftige Anstiege im Gesamtzuchtwert verzeichnen. Das ist letztendlich ein glänzender Beweis, dass die Genomselektion voll greift, der Zuchtfortschritt und damit auch die Klasse der nachkommengeprüften Vererber steigt.

WABAN, klarer Gewinner der Dezemberschätzung, korrigiert beim Gesamtzuchtwert (GZW), kann aber seine Spitzenstellung verteidigen. HULKOR-Sohn HURLY auf Rang 2 verdoppelt die Anzahl seiner Töchter in Milch auf knapp 600 und gewinnt dabei nicht weniger als sieben Punkte im GZW. Seine Nachkommen übertreffen die genomische Vorschätzung bei Töchterfruchtbarkeit, Persistenz und Eutergesundheit recht deutlich. Genau gegenläufig verhält sich die Situation bei der Melkbarkeit, eine Tatsache, die man bei der Anpaarung berücksichtigen sollte. VILLEROY bleibt trotz zahlreicher neuer Töchter stabil in seinem Vererbungsbild; auffallend ist die deutliche Verbesserung bei der Persistenz.

Zwei Einsteiger
Neu in der Topliste sind die nächsten beiden Bullen. VESTEL zeigt, was man von einer Kombination VANADIN x WINNIPEG erwartet, nämlich Fleischwert, Bemuskelung und Rahmen, kann aber zugleich auch mit der zweithöchsten Milchmengenvererbung aller gelisteten Stiere aufwarten. DAX brilliert, wie bei Vater DELL nicht anders zu erwarten, mit einer hervorragenden Euterqualität. Der Euterboden von 120 bei mittlerer Länge in Kombination mit einer hohen Milchleistung lassen den Schluss zu, dass hier beste Funktionalität durch ein effektives Drüsengewebe und eine gute Haltbarkeit gegeben sind. Der Vererber ist sehr stark bei Persistenz und maternaler Fruchtbarkeit; die Schwäche in der Fessel sollte bei der Anpaarung unbedingt berücksichtigt werden.

Der fitness- und fundamentstarke WILLE-Sohn WENDLINGER verbessert sich weiter bei der Milchmenge. Auch WOBBLER, der mit einem sehr ausgeglichenen Vererbungsbild überzeugt, bleibt im Vorderfeld platziert. Mit einem satten Plus von 4 Punkten im Gesamtzuchtwert und im Milchwert überrascht ROMARIO-Sohn ROYAL, bei dem die Zweitlaktation seiner Töchter jetzt voll wirken. Auf Rang 9 folgt der typ- und euterstarke REMMEL mit einem leichten Plus bei Milch und GZW. Das Topsegment komplettiert der überragende Fundament- und Eutervererber MINT. MINT kann mit Eintritt in die Kalibrierung seinen Gesamtzuchtwert um nicht weniger als 9 Punkte verbessern.

Die kräftigsten Zugewinne im Gesamtzuchtwert der von 11 bis 51 gelisteten Stiere verzeichnen der jetzt wieder interessant gewordene GS ZUERICH und GS OKTAN mit je +7, WILDGAST, GS WESER und HAVANNA mit je +5 sowie GS VIVA mit +4.

Genomische Jungvererber
Sehr erfreulich ist die Entwicklung bei den genomischen Jungstieren, wo inzwischen nicht weniger als 184 Stiere inklusive der Hornlosgenetik mit einem GZW von mindestens 125 gelistet sind. Auch die gezielte Paarung läuft überwiegend mit Jungstieren, was nicht nur die Chance auf absolute Spitzenkälber erhöht, sondern bei richtiger Handhabung auch eine gewisse Breite in der Blutführung sicherstellen kann. Weniger Sinn macht jedoch der Einsatz geprüfter Vererber in gezielter Paarung und Hochzucht, wenn die betreffenden Stiere bereits krass überproportional verwendet wurden und/oder zahlreiche Söhne im Besamungseinsatz sind.

Die Topliste der genomischen Jungstiere wird weiterhin von WALK angeführt, vor den beiden HURLY-Söhnen HANS und HERO.

Hornlos-Genetik im Kommen
Spannend bleibt das Etablieren der Hornlos-Genetik, wobei immer mehr interessante Jungvererber zur Verfügung stehen, bedingt nicht zuletzt durch den Umstand, dass der extrem stark verwendete MAHANGO Pp* seine hohe Vorschätzung voll bestätigen dürfte.
Wir empfehlen, aussichtsreiche genomische Jungvererber, die das P-Gen führen, fallweise beim Embryotransfer „mitzunehmen“ bzw. auf beste weibliche Tiere zu verwenden, wo es dann über die weibliche Linie (mit etwas Glück) weiterlaufen kann. Dies scheint wesentlich interessanter zu sein, als Hornlos-Genetik zu kombinieren. Denn die interessantesten Tiere sind definitiv jene, bei denen man aus dem Pedigree nicht mehr erkennen kann, woher das P-Allel eigentlich stammt.

Autor: Ing. Johann Tanzler, AGÖF
11.4.2018