Aufzuchtverluste - das vergessene Merkmal

Fitnessmerkmale haben in der Rinderzucht zu Recht konstant an Bedeutung gewonnen. Dies betrifft - abgesehen von der Totgeburtenrate - allerdings praktisch ausschließlich Kühe. Im Folgenden soll am Beispiel der Aufzuchtverluste gezeigt werden, dass auch die Fitness von Jungvieh Wert wäre, stärker beachtet zu werden.

Es besteht international kein Zweifel daran, dass Fitnessmerkmale in modernen Zuchtziel- definitionen berücksichtigt werden müssen. Während die ökonomische Bedeutung der klassischen Produktionsmerkmale oftmals stärker von Preisschwankungen abhängen, ist es sehr wahrscheinlich, dass z.B. Fruchtbar- keitsmerkmale oder die Nutzungsdauer unter allen zukünftigen Bedingungen eine große Bedeutung haben dürften. Daher hat sich auch hinsichtlich dieser Merkmale in der Rinderzucht der letzten Jahrzehnte viel getan. Es gibt kaum mehr Länder, die nicht zumindest für Frucht- barkeit, Zellzahl oder Nutzungsdauer eine Zucht- wertschätzung durchführen. In den skandina- vischen Ländern sowie neuerdings auch in Österreich im Rahmen des Projektes GESUND- heitsmonitoring.Rind kommen auch noch Ge- sundheitszuchtwerte hinzu. Der überwiegende Großteil dieser Merkmale richtet sich auf Kühe, während Kälber und Kalbinnen nur einen „Nebenschauplatz“ darstellen. Zu den wenigen Merkmalen, die es für diese Tiergruppe gibt, gehören die Fruchtbarkeit der Kalbinnen, sowie die Totgeburtenrate. Letztere, da sie auch – je nach Land - das Verenden bis 24 oder 48 Stunden beinhaltet, gibt Rückschlüsse auf die Überlebensfähigkeit der Kälber. Für den langen Zeitraum zwischen 48 Stunden nach der Geburt und der ersten Abkalbung liegen aber weltweit keinerlei routinemäßigen Auswertungen vor – und das, obwohl Verluste in der Aufzuchtphase klarerweise deutlich teurer kommen. Daher werden derzeit in einem Projekt  der Universität für Bodenkultur gemeinsam mit der ZuchtData diese Verluste in Österreich genauer unter die Lupe genommen.
(Auszug aus dem Artikel „Aufzuchtverluste - das vergessene Merkmal" von Dr. Birgit Fürst-Waltl, BOKU)

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