Betriebs-Reportage Fam. Bauer, Heidenreichstein, NÖ

Viele Züchter sind der Überzeugung, dass sie ausschließlich mit der richtigen Stierauswahl ihre Herde steuern können. Bei Familie Bauer haben aber die Kuhfamilien den größten Stellenwert und bekommen dadurch genügend Aufmerksamkeit. In der Gemeinde Heidenreichstein, im nordwestlichen Teil des Waldviertels liegt der Betrieb der Familie Bauer.

Keine typischen Strukturen

Das Betriebsleiterehepaar Monika und Hannes Bauer übernahmen 1993 den Hof. Zusammen mit ihren drei Töchtern Corina (11) und den beiden Zwillingen Stefanie und Celina (3) bewirtschaften sie den landwirtschaftlichen Betrieb. Zusätzlich werden sie noch tatkräftig von den Großeltern (1/2 AK) bei Arbeitsspitzen unterstützt.
Die Ausgangslage bei der Hofübernahme 1993 war typisch für das Waldviertel. Neben der Milchwirtschaft mit 18 Kühen und 80.000 kg Quote, durfte natürlich der Kartoffelanbau nicht fehlen. Insgesamt wurden so 27 ha Fläche bewirtschaftet. Seither ging die Expansion des Betriebes stetig voran. 2008, also fünfzehn Jahre später präsentiert sich der Betrieb wie folgt:
•    70 Milchkühe – 620.000 kg Kontingent
•    60 Stück weibliche Nachzucht und
•    85 ha landwirtschaftliche Nutzfläche.
Im Laufe des Jahres 2008 wird der neu errichtete Liegboxenlaufstall, welcher für insgesamt 150 Stück Vieh konzipiert wurde, bezogen. Dieser Bestand soll sich in Zukunft auf maximal 80 Milchkühe und 70 Stück weibliche Nachzucht verteilen. Der Rest an weiblicher Nachzucht soll über den Zuchtkälbermarkt in Zwettl versteigert werden. Die männlichen Kälber werden, wenn sie für höhere züchterische Weihen nicht geeignet sind, am Nutzkälbermarkt in Zwettl versteigert.

Wachstum allein führt nicht zum Erfolg

Entscheidend ist für Herrn Bauer nicht nur die Masse, sondern die Qualität der gesamten Herde. Durch verschiedene bauliche Maßnahmen stieg der Bestand im alten Laufstall auf rund 70 Kühe an. Gefüttert wird die Herde mit einer aufgewerteten TMR, welche einmal pro Tag vorgelegt wird. Die Ration besteht aus Grassilage (50% Kleegras und 50 % Dauergrünland),  silierten Pressschnitzeln und etwa 1 bis 1,5 kg Stroh. Die Leistungsfütterung erfolgt über zwei Kraftfutterstationen mit Transponderfütterung.
Großer Wert wird auch auf die Pflege der Tiefbuchten mit Stroheinstreu gelegt. Denn nur Tiere welche optimale Umweltbedingungen vorfinden, lassen sich zu guten Leistungen animieren.
Beeindruckend ist trotz stetigem Wachstum die steigende Milchleistung. So belief sich der Herdendurchschnitt bei der Hofübernahme 1993 auf 5.751 – 4,12 – 237/3,27 – 188 (425) bei 16,7 Kühen. 2007 beträgt der Herdendurchschnitt bei 66,8 Kontrollkühen beachtliche 9.467 – 4,29 – 406/3,55 – 336 (742). Dieses erreichte Leistungsniveau soll zukünftig stabilisiert werden. Bei einem Durchgang in der Herde fallen vor allem die drüsigen Euter und trotz Aufstockung, die Einheitlichkeit des gesamten Tierbestandes auf.

Zu Spitzenzeiten 17 Malf – Töchter am Betrieb

Natürlich musste auch Zuchtvieh zugekauft werden um jene Betriebsgröße realisieren zu können. Die beiden Versteigerungsorte Amstetten und Zwettl sind für die hohe Qualität der aufgetriebenen Tiere bekannt. So konnten auch die hohen Ansprüche von Herrn Bauer voll und ganz erfüllt werden. Das beste Beispiel dafür ist die Malf – Tochter HELGA, welche bereits die Traummarke von 100.000 kg Lebensleistung überschritten hat und noch immer topfit am Betrieb steht. Herr Bauer kann sowieso als Malf Fan bezeichnet werden, denn zu Spitzenzeiten standen 17 Malf – Töchter in der Herde. Außerdem wird versucht den Einfluss dieses Spitzenvererbers weiterhin, wenn aus Liniengründen möglich, in der Herde über seine Söhne und Enkel zu verbreiten.

RUMGO und POLAF - zwei Volltreffer

Als begeisterter Züchter ist es natürlich das größte Ziel einen positiven Vererber zu züchten. Bis jetzt wurden sieben Prüfstiere aus dieser Herde von der NÖ – Genetik Rinderbesamung angekauft. Die vorläufigen Ergebnisse der ersten beiden Prüfstiere RUMGO und POLAF geben Anlass zur Hoffnung  auf mehr. Beide Stiere können sowohl in der Leistung, als auch im Exterieur überzeugen.
Bei der Auswahl der Stiere für die Besamung, wird für jedes Tier individuell der vermeintlich beste Vererber ausgewählt. Neben aktuellen Vererbern werden auch noch ältere Stiere wie Ress, Herich und  Dionis eingesetzt. Der Betriebsleiter setzt fast ausschließlich auf niederösterreichische Vererber.

Nachhaltigkeit in Perfektion

Dass sich hohe Milchleistungen und Langlebigkeit nicht Gegenseitig ausschließen wird durch das Trio HELGA, BIGI und DASCHA bestätigt. Die beiden Malf – Töchter HELGA  (MV Haxala) und BIGI (MV Streitl) konnten bereits die Marke von 100.000 kg Überschreiten und die Hack – Tochter DASCHA steht unmittelbar davor. Allen dreien ist ihr Alter nicht anzukennen, wurden deshalb wieder besamt und sind zur Freude des Züchters trächtig.
Dass man als Betriebsleiter Kühen trotz verhaltener Erstlaktation eine Chance geben soll, beweist die Kuh HELGA. HELGA startete mit einer Erstlaktation von 5.239 kg in 229 Tagen und steigerte sich bis zur dritten Laktation auf über 10.000 kg. Mittlerweile hat sie 10-mal gekalbt und ihre Durchschnittsleistung beträgt 10.257 – 3,97 – 3,32 (748). HELGA wurde in der sechsten Laktation nochmals bewertet und ihre Euternote wurde von 7 auf 9 angehoben (8 – 6 -7 – 9). Nicht nur ihr Poldi – Sohn POLAF weis zu überzeugen, sondern auch ihre, leider wegen vielen Stierkälbern, wenigen weiblichen Nachkommen. Neben ihrer Repteit – Tochter HELLENE mit einer Erstlaktation von 9.000 kg, wusste ihre Wax – Tochter HABICHT, welche wegen einer Schwergeburt frühzeitig abging, zu gefallen. Besondere Affinitäten erweckt die Kuh HILDA bei Herrn Bauer, HILDA ist nämlich ein reines „Genetik Bauer Produkt“.  Da sowohl ihr Vater RUMGO (Rumba x Linda) als auch die Mutter HABICHT selbst gezüchtet wurden. HILDA wurde mit 8 – 7 - 8 – 8 bewertet und kann mit einer 100 Tageleistung von 3.100 kg aufwarten.
Weiters steht die ehemalige zuchtwertstärkste Kuh in Österreich in der Herde, LINDA (Stego). LINDA ist die Mutter des zuvor erwähnten Stieres RUMGO. LINDA ist eine extrem große, lange Kuh mit funktionellen Fundamenten und für die erbrachte Leistung gut sitzenden Euter. LINDA hat bereits eine Lebensleistung von 70.000 kg (6/5 – 10.135) und ihre sich auch noch im Bestand befindliche Mutter LAWA hat bis jetzt 85.000 kg ermolken. Aus LINDA befindet sich noch der Repteit –Sohn RINUS und aus ihrer Horwart – Tochter LIMINA der Regio – Sohn INTERMEZZO in Prüfung.
Die zurzeit wohl am stärksten vertretene Kuhlinie in der Herde ist die D – Kuhfamilie. Hier überzeugt vor allem Stammkuh DASCHA (9/8 – 9.850 – 4,23 – 3,32 / Ext.: 9 – 6 – 8 - 9), ihre Tochter DAGMA (von REPUS 5/4 – 9.367 – 4,27 – 3,31 / Ext.: 8 – 6 – 7 – 8), ihre Enkeltöchter DANIELA (von RUMBA 4/3 – 8.448 – 4,31 – 3,72 / Ext.: 8 – 6 – 7 – 7) und DORIN (von POLAF mit 100 Tgl.-3,412 – 3,55 – 2,95) und DASCHA’s UR – Enkel  DUNDRA (von MATREI 2/1 – 9.046 – 3,89 – 3,63 / Ext.: 8 -7 – 7 – 8). Das einmalige an dieser Aufzählung ist, dass sämtliche aufgezählten D - Kühe sich derzeit noch in der Herde befinden.

Autor: Grabner Ernst, NÖ Genetik

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