Betriebs-Reportage Fam. Loibner, St. Martin i. S. Stmk.

Der Fleckvieh - Zuchtbetrieb Loibner befindet sich im Oberen Sulmtal in der Gemeinde St. Martin östlich der Koralm auf einer Seehöhe von 350 m. In dieser Region ist der steirische Schilcher beheimatet und eine Kürbis - Ölspur überzieht das Gebiet. Trotz starker Abnahme der Milchviehbetriebe zählt St. Martin zu den stärksten Milch- produktionsgebieten im Einzugsbereich der Stainzer Molkerei.

Die Talflächen des Sulmtales sind sehr frucht- bar und werden intensiv landwirtschaftlich genutzt. Die Hofstelle der Familie Loibner liegt leicht erhöht über dem Talboden mitten in einem Dorfgebiet. Daher sind größere Ausweitungen dieser kaum möglich. Die innere Verkehrslage ist ungünstig. Im Hofbereich stehen 2 ha Grünland als Weide zur Verfügung. Die übrigen Flächen sind auf 10 Einzelgrundstücke verteilt.

Betriebsentwicklung

Der Betrieb ist seit 1960 Fleckviehzuchtbetrieb und wurde schon immer als Vollerwerb geführt. Neben der Rinderzucht war auch der Weinbau bedeutend. Im Alter von 19 bzw. 20 Jahren hat das Betriebsleiterehepaar  den Hof im Jahr 1994 von den Eltern übernommen. Zu diesem Zeitpunkt waren 8 Milchkühe und die im Betrieb anfallenden Stierkälber für die Mast der Schwerpunkt.  Die Quotenausstattung war damals 34.000 kg A-Quote. Trotzdem entschied man sich nach der Betriebsübernahme im Vollerwerb zu bleiben. Der Betrieb wurde umstrukturiert, das heißt die Stiermast aufgegeben, der Weinbau zurückgenommen und die Milchwirtschaft ausgebaut. Wichtig war das langsame und gesunde Wachsen. Nach und nach wurde die Milchquote auf 175.000 kg aufgestockt. Nachdem baulichen Erweiterungen im Dorfbereich  Grenzen gesetzt sind, wurde die Aufzucht der weiblichen Rinder ausgelagert.
Die Kälber verlassen den Betrieb mit etwa fünf Monaten und werden zwei Monate vor dem Abkalben zurückgeholt. Der Partnerbetrieb befindet sich in drei Kilometer Entfernung. Dort werden die 13 bis 15 Tiere in einem Tieflaufstall und Weidegang in zwei Gruppen gehalten wobei sie die ersten zwölf Monate intensiv  gefüttert werden. Die Erstbesamung erfolgt im Alter von 16 - 18 Monaten.


Haltung

Bis 2002 standen die Kühe in Anbindehaltung auf Kurzstand mit Halsrahmen. 2003 wurde der Altstall zu einem Laufstall umgebaut. Der Kuhstall ist als einreihiger Liegeboxenstall ausgeführt und umfasst 25 Liege- und Fressplätze. Die Liegeboxen sind strohgestreute Hochboxen. Die gesamte Lauffläche wird mit einem Schrapper entmistet. Das Stallklima wird über Ventilatoren gesteuert. Gemolken wird in einem einreihigen 4er Tandemmelkstand. Die Kälber werden bis zum Absetzen in Einzelboxen und danach in Gruppen gehalten.
Ein großzügig angelegter Auslauf steht das ganze Jahr zur Verfügung. Von Anfang April bis Ende Oktober wird auf den hofnahen Flächen geweidet.


Fütterung

Die Grundfutterbasis bildet im Winter Gras- und Maissilage im Verhältnis von 50:50. Zur Verbesserung der Fresslust und Stoffwechselstabilität wird das ganze Jahr Belüftungsheu (zweiter Schnitt) vorgelegt. Zur Erhöhung des Kornanteils in der Maissilage wird die Pflanzzahl auf 65.000 pro ha reduziert und hoch abgehäckselt (50 - 60cm). Dadurch erreicht die Maissilage einen Energiegehalt von 6,79 MJ NEL. Dies ist auch in Hinblick auf die steigenden Kraftfutterpreise günstig (geringere Drusch-, Trocknungs- und Lagerkosten). Die Grundfutterration wir händisch mit Kürbiskuchen und Rapsschrott ausgeglichen und reicht für etwa 24 kg Milch. Das Kraftfutter wird zu 60 % über Transponder und zu 40 % händisch verabreicht.
Aufgrund des hohen Maissilageanteils werden an neumelkende Kühe maximal 9 kg Kraftfutter zugeteilt. Der derzeitige Kraftfutterverbrauch je kg produzierter Milch liegt bei 18 dag. Das Grundfutter wird täglich zweimal frisch vorgelegt und dreimal nachgeschoben. In den Sommermonaten wird die Grassilage durch Grünfutter (Kleegrasmischung) und Weidegang ersetzt. Nach der Futterumstellung im Sommer wird das Kraftfutter stark reduziert.

Die Fütterung mit Grüngras und Weidegang werden als günstig mit folgenden Vorteilen angesehen:

•    Der hohe Zuckergehalt im Gras sorgt für hohe Fresslust und ist milchtreibend.
•    Wegfall der Gärverluste
•    Geringere Silierkosten
•    Hoher Vitamin A - Gehalt unterstützt die Fruchtbarkeit
•    Weidegang ist Teil des Kuhkomforts


Durchdachtes Managment

Angestrebt wird auf dem Betrieb möglichst saisonale Abkalbungen. Es wird permanent daran gearbeitet, dass sämtliche Kühe  in der Zeit von Oktober bis Jänner abkalben. Dadurch befinden sich die Kühe alle in ähnlichem Laktationsstadium und das Gesamtmanagement der Fütterung ist leichter zu bewältigen. Im Frühjahr stehen die Kühe mitten in der Laktation und werden mit der nährstoffreichen Frühjahrsweide und Kleegras bestens versorgt. Im letzten Laktationsdrittel wird durch die Herbstweide und Verfütterung des dritten und vierten Schnittes einer Verfettung der Kühe entgegengewirkt. Durch die saisonale Abkalbung in den Wintermonaten sollte auch der Temperaturstress der neu laktierenden Tiere hintangehalten werden. Zu achten ist dabei auf absolut gesunde Euter, da im Herbst meist ein Großteil der Kühe altlaktierend ist und somit der Zellgehalt der abgelieferten Milch in Grenzen gehalten werden muss. Eine sehr gute Fruchtbarkeit der Kühe ist für die saisonal gewünschte Abkalbung natürlich sehr wichtig. Die derzeitige Zwischenkalbezeit liegt aktuell bei 366 Tagen.
In züchterischer Hinsicht setzt der Betriebsführer auf Langlebigkeit, laufstallgerechte Fundamente und natürlich auf leistungsbereite Kühe. Aktuell eingesetzte Stiere: RUREX, MANDELA, WAL, WATERBERG und zum Teil Red Holstein.
Die Familie Loibner hat in den vergangenen Jahren sehr viel Wissen und Fleiß in den Betrieb investiert – auch ein komplett neues Wohnhaus wurde errichtet –, ist auf Lebensqualität bedacht und durch optimistische Zukunftsperspektiven motiviert.


Betriebsdaten

Michaela und Martin Loibner, Bergla 20, 8542, St. Martin im Sulmtal.

Familie: Betriebsleiterehepaar, ein Sohn 14 Jahre, 2 Töchter 12 und 13 Jahre und Eltern
Flächen und Nutzung:
15 ha LN (10 ha Eigengrund), davon
       4 ha Silomais
        3,5 ha Feldfutter (Kleegras fünf- bis sechsschnittig)      
        2 ha Weide
        Rest ist Dauergrünland (vierschnittig)
0,7 ha Weingarten (ohne eigene Verarbeitung)
9 ha Wald
Leistung:
1996    10,9 - 6.720 - 4,39 - 3,49 - 530
2004    16,9 - 7.710 - 4,39 - 3,72 - 626
2007    21,6 - 8.334 - 4,21 - 3,55 - 646                

Autor: Ing. Josef Hartner, Rinderzucht Steiermark

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