Betriebs-Reportage Fam. Steiner, Matrei, Osttirol

Wenn man durch den Felbertauerntunnel ins schöne Osttirol fährt, erblickt man bereits nach wenigen Minuten Fahrt auf der rechten Talseite in ganz extrem steiler Lage einige schöne Osttiroler Bauernhöfe. Dies sind die Gebäude des Rieplerhofes und seiner Nachbarn des Weilers „Berg“.

Der Betrieb befindet sich auf 1.270 m und unterliegt vor allem dem Wettereinfluss des Alpenhauptkammes, hier sind sowohl extreme Trockenheit durch den südlichen Wetter- einfluss als auch starke Regen- und Schneefälle keine Seltenheit. Das Wetter kann auch binnen weniger Stunden ganz schnell wechseln und lokal von einem Extrem ins andere schwanken. Der jährliche Nieder- schlag liegt bei  940 mm.

Urlauben beim Fleckviehzüchter

Zwei Standbeine sichern das Einkommen des Betriebes Steiner. Auf der einen Seite die Sparte „Urlaub am Bauernhof“, es stehen 18 Betten und 3 Ferienwohnungen zur Verfügung, auf der anderen Seite wird erfolgreich und mit Freude Fleckviehzucht betrieben. Der Rieplerhof wird von zwei Generationen bewirtschaftet, und zwar von Betriebsführer Franz  mit Gattin Paula sowie von Sohn Gerhard mit Gattin Theresia. Letztere haben auch selber die Landwirtschaft von Theresias Vater in Pacht. Bei  Arbeitsspitzen steht ihnen auch noch Sohn Franz  tatkräftig zur Seite. Die Enkel, die auch schon fest am Betrieb mithelfen, sind besonders bei den Tierschauen mit viel Eifer bei der Sache.

Die Liebe zu den Tieren erkennt man, sobald man am Betrieb angelangt ist, denn neben den Katzen und dem kleinen Hund, die herum streunen, tummelt sich auch immer eine Zwergziege rund ums Anwesen und eine wunderschöne Wandmalerei von Norikern verziert das Wohnhaus.

Meilensteine in der Entwicklung des Hofes

Schon von je her wurde am Rieplerhof Rinderzucht betrieben. 1986 entschloss man sich, die Milchkuhhaltung weiter auszubauen und gleichzeitig auf Urlaub am Bauernhof zu setzen. Nun ging es Schlag auf Schlag: 1986 erfolgte der Neubau des Stalles, 1988 der Neubau des Wohnhauses, 1990 wurden 3 Ferienwohnungen errichtet und 1992 Garagen mit einer zusätzlichen Wohnung und einer Werkstatt. Es folgten im Jahr 2000 der Kauf von 8 ha Grund von einem nahe gelegenen Hof und 2002 der Kauf einer ebenfalls 8 ha großen Alm im schönen Tauerntal. Schließlich wurde vor zwei Jahren auf der Alm ein neues Wohn – und Stallgebäude aufgestellt.
Der Betrieb umfasst mittlerweile 20 ha Wald und 33 ha Grünland, wovon 5 ha zugepachtet sind. 27 ha der Wiesen werden zweimal geschnitten, der Rest einmal. Damit werden ca. 200 Grassilageballen erzeugt, ein 80 m3 Hochsilo befüllt und aus dem Rest wird mittels Warmbelüftung qualitativ hochwertiges Heu produziert. Darüber hinaus werden jährlich ungefähr 150 m3 Silomais zugekauft.  Der Wald ist eher extensiv, denn er benötigt mindestens drei Generationen, um wieder etwas Holz entnehmen zu können.

Viehbestand

Im Anbindestall des Betriebes Steiner stehen 25 Fleckviehkühe, davon aktuell 10 Stiermütter, und 12 Stück Jungvieh, in Gruppenboxen tummeln sich 6 weibliche Kälber und  3 bis 4 männliche Zuchtkälber. Es werden nebenbei noch 2 Norikerpferde, 5 Ziegen und 20 Schafe gehalten.
Die Futterration der Milchkühe besteht aus 1/3 Gras- / Maissilage und 2/3 Heu. Fertiges Milchleistungsfutter, bestehend aus 1/3 Gerstenschrot , 1/3 Weizenschrot und 1/3 Maisschrot, werden anhand der Futteruntersuchungen des Grundfutters zusammengestellt und mittels Wasserbauer Kuhmeister in 10 Rationen vorgelegt. Das Jungvieh erhält Heu des ersten und zweiten Schnitts. 

Alpung

Den Sommer über kommt der gesamte Tierbestand auf die 1.500 m hoch und nur 8 km vom Hof entfernt gelegene Alm. Das Jungvieh lebt dort als reiner Selbstversorger, die Milchkühe erhalten zusätzlich zum Weidegang Heu und als Ausgleich Kraftfutter, welches dem Weidegang angepasst wird.

Höhepunkte

Dass die Alpung offensichtlich besonders der Nutzungsdauer und der Fitness dient, beweisen die fünf 100.000 kg Kühe, die der Betrieb bisher hervorgebracht hat. Vier davon stehen derzeit noch am Betrieb, eine weitere wird in Kürze diese Traummarke überschreiten.
Neben diesem Erfolg freute sich die Züchterfamilie in den letzten Jahren auch über den Verkauf von zwei Zuchtstieren an die Besamungsstationen Birkenberg bzw. Neustadt an der Aisch, Deutschland.
Höhepunkte im Züchterleben waren weiters die erfolgreichen Teilnahmen an Bundes-, Landes- und Bezirksschauen und die Beschickung der Eliteversteigerung in Ried 2001.

Vermarktung

Die Milch, 136.000 kg A – Quote und 10.000 kg A – Quote Alm, wird an die Tirol Milch abgeliefert. Ein Teil der 57.000 kg D - Quote wird täglich frisch an ein Altersheim in Matrei geliefert. Die männlichen Kälber werden mit ca. 80 kg ab Hof an Bauern verkauft. Nur 3 bis 4 zur Zucht geeignete männliche Kälber werden aufgezogen und zu den Versteigerungen nach Rotholz gebracht. Ein Teil der weiblichen Kälber wird mit ca. 3 Wochen, ebenso wie die Jungkühe, die nicht zur Bestandsergänzung gebraucht werden, ab Hof oder über die Versteigerung in Lienz vermarktet.

Zuchtziel

Langlebige Kühe mit hoher Lebensleistung, gutem Fundament, guter Melkbarkeit und schönem Euter sind das oberste Ziel des Betriebsleiters. Die Jungtiere stammen von REPULS, VANSTEIN, HOFHERR, HIPPO und ROMEL. Eingesetzt wurden heuer vermehrt die Stiere RORB, ROCHUS, RODEO, RUREX, HAGAT und selbstverständlich auch Teststiere.
Nicht unerwähnt soll bleiben, dass neben der Fleckviehzucht auch die Norikerzucht einen hohen Stellenwert am Betrieb genießt.                                              

Wunsch für die Zukunft

Der größte Wunsch des Betriebsleiters ist natürlich, dass seine Familie mit Kindern und Enkeln gesund bleibt und weiterhin viel Freude an der Viehzucht hat und dass die Bauern für ihre Arbeit und ihre Produkte einen gerechten Lohn erhalten, damit auch für die zukünftigen Generationen die Erhaltung der Landwirtschaft und unserer Umwelt möglich gemacht wird!

Betriebs-Daten

Familie Paula und Franz Steiner
Berg 24, 9971 Matrei,  Telefon 04875/6863
Hompage: www.tiscover.com/rieplerhof

Seehöhe:  1.270 m
Niederschlag: 940 mm
Fläche: Wald 20 ha, Grünland 33 ha, davon 5 ha Pacht
Viehbestand: Kühe 25, 12 Stück Jungvieh, 6 weibl. und 3 – 4 männl. Zuchtkälber, 2 Pferde, 5 Ziegen, 20 Schafe
Kontingent: A - Quote 136.000 kg, D – Quote 57.000 kg, A – Quote Alm 10.000 kg
Leistungsentwicklung:
Jahr    Kuhzahl    Milch kg    Fett %    Eiweiß%    F+E kg    Durchschnittsalter
2004       17,1       10.053      4,52         3,47           803              7,1
2005       19,7         9.754      4,43         3,39           755              6,9
2006       20,4         9.191      4,14         3,51           703              7,4
2007       22,2         9.456      3,98         3,29           688              6,8

Autor: Ing. Simon Hörbiger, RZV Tirol

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