Betriebsreportage Fam. Eggl, OÖ

Der Betrieb Eggl Franz vlg. Waldbauer befindet sich in Weißenkirchen im Attergau, im reinen Grünlandgebiet. Mit WINNIPEG-Tochter BERNINA steht eine der zuchtwertstärksten Kühe Österreichs, die auch bei der Bundesschau 2009 in Greinbach zu überzeugen wusste, am Betrieb. Mit dem Stallbau 2008 wurde der Grundstein für eine weitere gute Zuchtarbeit gelegt.

Im  Oktober 2008 wurde mit dem Bau eines neu- en Liegeboxenlaufstalls mit Tiefboxen und Schrapperentmistung begonnen. Am 1. Juli 2009 konnte dann der neue Stall, der Platz für 30 Kühe bietet, bezogen werden. Bei der Melk- technik entschied sich die Familie für einen 2x3er Fischgrät-Melkstand. Die Hauptbeweg- gründe für einen Stallneubau waren, eine bessere Tiergesundheit (Kuhkomfort) zu er- reichen und die arbeitswirtschaftliche Situation zu verbessen. Vor allem im Bereich der Melk- technik war Handlungsbedarf gegeben, denn im Anbindestall wurde bis vor Fertigstellung des neuen Stalles noch mit Standeimern gemolken.  Der Laufgang wurde aufgrund des vorhandenen Geländes mit einem Gefälle von rund 3 Prozent ausgestattet. Obwohl die gesamte Einstreu zugekauft werden muss, entschied man sich bewusst für Tiefboxen, um den Kühen einen optimalen Kuhkomfort bieten zu können. Als nächste bauliche Maßnahme steht der Umbau des alten Anbindestalles in einen Laufstall für die weibliche und männliche (Zuchtstiere) Nachzucht an.

Was wird gefüttert?
Im Sommer besteht das Grundfutter aus Grünfutter, Grassilage und Heu. Im Winter wird Gassilage und Grummet vorgelegt. Das Kraftfutter wird in einer Abrufstation verfüttert und besteht aus einem Teil Leistungs-Fertigfutter und einer Eigenmischung aus Gerste, Weizen und Hafer. Für die Heu- und Grummetwerbung steht eine Belüftungsanlage zur Verfügung, die mit einem Heukran beschickt und entleert wird. Der erste Schnitt Grünland wird in zwei Hochsilos siliert, bei denen die Befüllung und Entnahme  ebenfalls mit dem Kran bewerkstelligt wird. Die Ernte der restlichen Schnitte erfolgt überbetrieblich mittels Silagerundballen. Die für die maschinelle Bearbeitung ungeeigneten Flächen werden im Sommer als Kalbinnenweide genutzt.

Der aktuelle Tierbestand
Derzeit werden 21 Kühe plus 25 Stück weibliche Nachzucht sowie ein in Aufzucht befindlicher Zuchtstier gehalten. Der derzeitige Herdendurchschnitt von rund 8.500 kg soll gehalten werden bzw. wird für die Zukunft eine durchschnittliche Herdenleistung von rund 9.000 kg als Ziel angegeben. Eine Aufstockung des Bestandes ist geplant. Jedoch aufgrund der Flächensituation in der Umgebung des Betriebes und auch aufgrund der aktuell unsicheren Milchmarktsituation wird derzeit noch davon abgesehen. Zur Gesunderhaltung des Bestandes wird größtenteils auf Homöopathie vertraut.

Auswahl der Stiere
Derzeit wird der Großteil  der männlichen Kälber aus Gezielter Paarung an Aufzüchter verkauft. In Zukunft sollen alle interessanten männlichen Kälber am Betrieb selbst aufgezogen und versteigert werden. Das Zuchtziel sind gesunde Kühe mit guten Eutern und stabilen Fundamenten. Dazu wird bei der Stierauswahl vor allem auf das Exterieur geachtet. Für die endgültige Auswahl werden jedoch alle aus der Zuchtwertschätzung verfügbaren Informationen berücksichtigt.
Die Besamung wird vom Betriebsführer seit vier Jahren selbst durchgeführt. Aktuell befinden sich Samenportionen von MANITOBA, DON JUAN, HUPSOL, RESOLUT, MANDELA, RECHBERG, MILANO und VANSTEIN im Samencontainer. Die Teststierverpflichtung wird selbstverständlich strikt eingehalten.

BERNINA, der Star im Stall
Mit WINNIPEG-Tochter BERNINA steht eine der zuchtwertstärksten Kühe Österreichs im neuen Laufstall des Betriebes Eggl. BERNINA kann nicht nur mit ihren Zuchtwerten (GZW 138/ MW 130), sondern auch mit ihrem Exterieur überzeugen. Sie konnte bei der Bundesschau 2009 in Greinbach den dritten Rang in einer sehr starken Erslingskuh-Gruppe erringen. BERNINA wird auch im Zuchtprogramm FLECKVIEH AUSTRIA als Stiermutter genutzt. Glücklicherweise steht bereits eine sehr interessante MANDELA-Jungkalbin aus der ersten Abkalbung am Betrieb.

Stiermütter im Hintergrund
Auch ihre Mutter BELINDA, eine HUMLANG-Tochter, nahm erfolgreich an Schauen teil und wurde als Stiermutter genutzt. Aktuell steht der HUTMANN-Sohn HEKTOR im Prüfeinsatz an der OÖ-Besamungsstation, außerdem ist noch ein ILION-Sohn am Betrieb Eggl in Aufzucht. Die Großmutter, MALF-Tochter BERNINA, wurde 1997 als Jungkalbin zugekauft und so vor dem Export gerettet. Anlässlich der Welser-Messe 2000 wurde sie mit einem Eutersieg ausgezeichnet. Ihre positive Vererbungsleistung konnte sie mit den beiden HARRO-Söhnen HIPFEL (München-Grub) und HAPPL (OÖ-Besamungsstation) unter Beweis stellen. Beide kamen in den Zweiteinsatz. Einziger Wermutstropfen ist  die magere Ausbeute an weiblicher Nachzucht aus dieser starken Linie. Darum wird stark an einer Nutzung BERNINAs über Embryotransfer nachgedacht.
Aktuell steht noch der ROIBOS-Sohn REVITAL aus der sehr leistungsstarken WEINOLD-Tochter LORA (GZW123/MW121 2/1 10.191-3,64-3,21-698) im Prüfeinsatz an der OÖ Besamungsstation.

Betriebs-Daten

Fam. Eggl, Weißenkirchen 6, 4890 Weißenkirchen im Attergau

Familie:  Betriebsleiter Franz Eggl, Lebensgefährtin Friederike Kanbach und Tochter Sandra
Seehöhe: 
640 Meter
Niederschlag: 
1.200 mm
BHK-Punkte: 
77
Betriebsgröße:
  20 ha Grünland davon 2,5 ha Pacht, 11 ha Wald
Viehbestand:  21 Stück Milchkühe, 25 Stück weibliche Nachzucht, 1 Stück männliche Nachzucht
Stall:
Liegeboxenlaufstall mit Schrapper für max. 30 Kühe, weibliche Nachzucht derzeit noch in Anbindehaltung
Fütterung:  im Sommer Grünfutter plus Heu und Grassilage, im Winter Grassilage plus Grummet; als Leistungsfutter  Milchleistungsfutter plus Eigenmischung aus Weizen, Gerste und Hafer
Milchlieferleistung:
130.000 kg
Melktechnik:
  2x3 Fischgrät
Gülleraum
:  680 m³
Leistungsentwicklung:
   
1994    14,4    6.640    4,29    3,50    518
1999    15,1    8.042    4,25    3,52    625
2003    11,6    8.768    4,80    3,52    730
2006    13,8    8.425    4,66    3,65    700
2007    15,8    7.821    4,65    3,65    649
2008    19,3    8.456    4,40    3,57    675

Autor: Wolfgang Huemer, RZV - Vöcklabruck

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