Betriebsreportage Fam. Gruber, Steiermark

Der Betrieb Brigitte und Günter Gruber vlg. Dörflmoar liegt in der Obersteiermark im östlichen Teil des Bezirkes Liezen - in der Gemeinde Landl. Der Betrieb wird als Grünland- und Forstbetrieb geführt und steht damit auf mehreren Standbeinen. Haupterwerb ist die Biomilchproduktion mit 173.000 kg Milchkontingent.

Die Biomilch wird mit Preisaufschlag an die Molkerei Stainach geliefert. Am Betrieb werden alle männlichen und weiblichen Kälber aufge- zogen. Das anfallende Zuchtvieh wird in Leoben versteigert. Die 42 ha Wald sind ebenfalls eine wichtige Einkommensquelle. Die anfallenden Pflege- und Schlägerungsmaßnahmen werden zur Gänze selbst durchgeführt. Bewirtschaftet wird der Hof vom Betriebsleiterehepaar und dem Hofnachfolger Thomas. Günter Gruber ist auch Obmann der Fleckviehzuchtgenossenschaft St. Gallen.

Stall aus eigenem Holz
Die wichtigste Einkommenssparte für den Betrieb ist die Milchproduktion. Da die Bedingungen im alten Anbindestall nicht optimal waren, wurde im Jahr 2000 ein neuer Liegeboxenlaufstall für die Milchkühe gebaut, wobei  bis auf drei Leimbinder ausschließlich Holz vom eigenen Betrieb verwendet wurde. Dieser dreireihige Liegeboxenlaufstall mit Spaltenboden wurde als Kaltstall gebaut. Die Umstellung von der Anbindehaltung auf den Liegeboxenlaufstall haben entgegen den Expertenmeinungen alle Kühe gut überstanden. Großen Wert legte der Betrieb auf eine großzügige Abkalbebox, die mit dem Frontlader zu entmisten ist. Der alte Kuhstall wurde für das Jungvieh auf ein Tretmistsystem mit der bestehenden Schubstangenentmistung umgebaut.

Sparsamer Kraftfuttereinsatz
Gefüttert wird zweimal am Tag – die Grassilage wird mit einem Silokamm vorgelegt.
Zusätzlich wird auch Heu angeboten. Das Kraftfutter wird über einen Transponder verabreicht, die Maximalmenge beträgt acht Kilo je Kuh. Fällt die Tagesmilchmenge unter  17 kg, wird die Kraftfuttergabe  gänzlich eingestellt. Die Kühe bekommen neben dem Bio-Fertigfutter Mineralstoffmischung und Salz angeboten.

Züchterische Schwerpunkte
Bei der Stierauswahl wird großer Wert auf Kriterien wie Fitness und Melkbarkeit und natürlich auch auf den Gesamtzuchtwert gelegt. Da der Betrieb auch Ochsen produziert, wird auch auf den Doppelnutzen geachtet. Zur Zeit werden folgende Stiere eingesetzt: WAL  GZW 139, GS RUM GZW 125, GS RÖMER GZW 123, GS POMAT  GZW 118, VANSTEIN GZW 137. Der Gesamtzuchtwert  von 130 bei den eingesetzten Kalbvätern zeigt das Interesse an einem möglichst hohen Zuchtfortschritt.

Mütterlicherseits wird darauf geachtet, dass Kalbinnen von gut melkbaren und langlebigen Linien mit guten Eutern nachgestellt werden. Erstlingskühe, die in der ersten Laktation nicht ganz den Erwartungen entsprechen, bekommen oft eine zweite Chance, da sie sich in der zweiten Laktation oft beachtlich steigern und sich zu langlebigen Kühen entwickeln. Grundsätzlich strebt Günter Gruber gezielt flache Laktationskurven an.

Um die Zucht auf problemlose, gesunde Kühe zu fördern, nimmt der Betrieb am
Gesundheitsmonitoring teil. Dadurch wird es in Zukunft möglich, Stiere mit besonders guten Fitnessmerkmalen einzusetzen. Das ist besonders wichtig, um die Wirtschaftlichkeit im Biobetrieb zu steigern.

Lebensleistung
Um Zuchtvieh auf der Versteigerung vermarkten zu können, braucht man eine Herde mit guter Lebensleistung. So gelang es dem Betrieb im Jahr 2002 gleichzeitig zwei 100.000-Liter-Kühe am Betrieb zu haben. Die Kühe FANDA und HIRSCHL erreichten gemeinsam eine Lebensleistung von 210.000 l Milch.
Zur Zeit stehen am Betrieb „Dörflmoar“ vier Kühe mit einer Lebensleistung von über 50.000 l Milch:
ANIKA       7 Kälber – 57.000 kg Milch
LIDI           9 Kälber – 61.500 kg Milch
WACHE    8 Kälber – 66.000 kg Milch
ELLI       13 Kälber – 99.000 kg Milch

Arbeitskreis – Milch
Seit mehr als 10 Jahren ist der Betrieb Mitglied beim Arbeitskreis Liezen. Das Angebot an interessanten Vorträgen sowie die genaue Aufzeichnung der Betriebsdaten und die damit verbundene Vergleichsmöglichkeit mit anderen Betrieben hat den Betrieb in seiner Entwicklung wesentlich unterstützt.
Im Folgenden einige Daten aus dem Jahresergebnis 2009:
Produzierte Milch je Kuh                     7.147 kg
Direktkostenfreie Leist./ Kuh (DB)    2.153 €
Direktkostenfreie Leist./ M-kg            30,13 Cent
Kosten je kg Milch                                16,20 Cent
Durchschnittliche Zellzahl                  151.000
Zwischenkalbezeit                               375 Tage

Almwirtschaft
Von besonderer Bedeutung ist die zum Betrieb gehörende Alm auf dem Hengstpass (OÖ). Dort werden das eigene Jungvieh sowie zusätzlich 20 Stück Rinder von anderen Bauern von Ende Mai bis Ende September gealpt. Die männlichen Jungrinder werden nach dem zweiten Almsommer als Einsteller mit einem Gewicht von ca. 550 kg weiterverkauft. Für die Endmast fehlt das nötige Grundfutter.

Warum „Bio“?
Als im Ennstal die Idee geboren wurde, einen Bioverein zu gründen, entschloss sich Familie Gruber, Mitglied zu werden. Es war von Anfang an klar, dass man durch die biologische Bewirtschaftung einen höheren Kosten- und Arbeitsaufwand in Kauf nehmen muss. Dafür erhält man dadurch aber einen besseren Milch- und Fleischpreis. Da die Region Landl ein reines Grünlandgebiet ist und kein Getreideanbau möglich ist, war die Biomilchproduktion eine gute Alternative.

Wichtig für die Zukunft
- Zucht  auf langlebige problemlose Kühe
- Gesicherte Hofnachfolge
- Sicherung des Absatzes durch starke Partner (Molkerei)
- Erhaltung des Vollerwerbes.

Betriebsspiegel

Brigitte und Günter Gruber, vlg. Dörflmoar, Mooslandl  12, 8921  Lainbach

Familie:           
Brigitte und Günter Gruber mit den Kindern Ursula, Gudrun und Thomas              
Arbeitskräfte:           
Betriebsleiterehepaar und Sohn               
Betriebsschwerpunkte:   
Milchproduktion, Zuchtrindervermarktung und Forstwirtschaft und Almwirtschaft - Biobetrieb   
Seehöhe u. BHK-Punkte:   
540 m, 69 Punkte           
Flächenausstattung:   
37,50 ha LN, davon 20 ha gepachtet; 42,00 ha Wald; 93 ha Almweide, davon 56 ha Reinweide;  172,50 ha Gesamtfläche               
Tierbestand:           
24 Milchkühe, 20 weibliche Jungrinder, 20 Ochsen
Quotenausstattung:         
173.000 A-Quote, 1.200 D-Quote
Stallgebäude:       
Liegeboxenlaufstall seit 2000 mit Spaltenboden, Autotandem-Melkstand, Transponderfütterung
Stalldurchschnitt:       
2000    20,1    7.107-3,95-3,37-520
2005    22,8    8.124-3,85-3,36-586   
2009    24,3    7.731-3,71-3,23-536       

Autor: Ing. Fritz Baumann, Rinderzucht Steiermark

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