Betriebsreportage Fam. Jöbstl, Kärnten
Familie Rosa und Johann Jöbstl aus Vorderwölch im Lavanttal bewirtschaftet mit Engagement und Liebe zur Zucht sehr erfolgreich einen 80 ha umfassenden Fleckviehbetrieb im Osten Kärntens. Die Flächen, 50 ha Wald und 30 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 2 ha Pachtgrund, befinden sich teilweise im Süd- und teilweise im Nordhang bei eher rauem Klima.
Am Betrieb arbeiten das Betriebsführerehepaar und der 24-jährige Hofnachfolger Johannes. Wie viele andere Kärntner Zuchtbetriebe auch hielt der Betrieb Jöbstl zunächst ausschließlich Kärntner Blondvieh, stellte aber ab 1972 kontinuierlich und relativ rasch auf Fleckvieh um, sodass sich seit 1976 nur mehr Fleckviehzucht- tiere am Betrieb befinden. Seit damals haben sich sowohl die Kuhherde auf 26 Kühe als auch die durchschnittliche Milchleistung auf 10.299 – 4,22 – 3,53 – 799 mehr als verdoppelt.
Die Schauerfolge lassen sich sehen
Aber nicht nur die ausgezeichnete durchschnittliche Milchleistung beweisen den Erfolg des Betriebes, sondern auch die zahlreichen Schaupreise. Die Liste der Teilnahmen an Rinderausstellungen ist am Betrieb Jöbstl ziemlich lang. Bereits elf Jahre nach der Umstellung auf Fleckvieh wurde die PAULO-Tochter RUSCHI auf der Bundesfleckviehschau in Ried 1987 ausgestellt. Damals musste sich Familie Jöbstl noch mit dem guten vierten Platz begnügen. Weitere zwölf Jahre später erreichte man mit GOLANDA, einer STREITL-Tochter aus einer MORELLO-Mutter, bereits einen Gruppenreservesieg, 2001 mit REXON-Tochter MADAME einen Gruppen- und Eutersieg und 2009 schließlich die Krönung: ROMEL-Tochter ESCHE wird zum Bundeschampion der Jungkühe gekürt. ESCHE wurde zwar nicht am Betrieb Jöbstl gezüchtet, aber hier hat beim Ankauf als Kalbin am Zuchtviehmarkt in St. Donat wohl das Züchterauge und -gefühl zugeschlagen.
Zwischen allererstem Anfang und Bundessieg liegen zahlreiche Erfolge auf Landes- und Bezirksebene: 1999 vier Gruppensiege auf der Bezirksrinderschau Lavanttal, 2004 Klassensieg der Altkühe auf der Kärntner Landesrinderschau in St. Donat durch LENI, Mutter der Stiere REFLEX und MASSA, und drei Stockerlplätze inklusive Gesamtsieg durch MESSI (V.: Wedl) am Kärntner Milchkuhkirchtag 2008.
Was steckt hinter den Erfolgen?
Einer der Gründe ist wohl, dass man bei den Jöbstls gerne Landwirt ist, was sich auch im beruflichen Werdegang der fünf Kinder, allesamt selbst Bauern und Bäuerinnen, widerspiegelt. Johann Jöbstl drückt es so aus: „Wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann und die anfallenden Arbeiten gerne verrichtet, ist man erfolgreich.“
Das große Faible aller Familienmitglieder gehört der Zucht und da weiß Johann Jöbstl genau, was er will: leistungsstarke, kombinierte Fleckviehkühe mit guten Fundamenten und gut aufgehängten, drüsigen Eutern. Die Lebensleistung spielt schon eine Rolle, aber keine übergeordnete. Wenn Kühe ohne Sonderbehandlung alt werden, wird dies begrüßt, ansonsten werden sie, wenn sie Probleme bereiten, ausgeschieden. MELONE (Horwein x Palermo) hat acht Kälber und eine Lebensleistung von 78.726 – 4,09 – 3,41 und HILLARI (Higgins x Morwell) hat ebenfalls acht Kälber und eine Lebensleistung von 64.492 – 3,97 – 3,40. Zwei weitere Kühe mit einer Dauerleistung von über 50.000 stehen ebenfalls im Betrieb.
Nichts geht ohne neueste Genetik
Die Zucht mit aktueller Genetik hat am Betrieb absolute Priorität. Teststiere sind für den Betriebsführer „Beststiere“ und die Hoffnungsträger für die Zukunft. Somit werden auch alle Kühe zum 2. Kalb mit einem Teststier belegt. Immer mit der aktuellen Genetik zu besamen, macht einen größeren Zuchtfortschritt möglich. Ein möglichst frühes Erstkalbealter von ca. 25 Monaten wird derzeit am Betrieb schon praktiziert und soll so aufrecht erhalten bleiben.
Stier-Genetik aus Vorderwölch
Neben dem Stier HORMANN (V.: Horwein, MV.: Streitl) schaffte es auch der RESS-Sohn REFLEX mit Muttersvater SAMURAI in den Wiedereinsatz. Er stammt aus der sehr leistungs- und exterieurstarken Kuh LENI und gehört zu den sehr interessanten RESS-Söhnen. Auch der MAMMUT-SOHN MASSA, ein Halbbruder von REFLEX, wurde vom Betrieb Jöbstl für den Testeinsatz angekauft. Weiters wurde vom Betrieb Jöbstl der Stier DERON (V.: Dionis, MV.: Heron) gezüchtet, von dem demnächst erste Ergebnisse erwartet werden.
Haltung und Fütterung
Die Kühe werden seit 2003 in einem Laufstall gehalten und in einem Doppel-5er Swing Over-Melkstand gemolken. Das Jungvieh wird bereits seit 1997 im Laufstall gehalten, der demnächst erweitert wird. Verfüttert wird in erster Linie beste Grassilage. Die Kühe erhalten dazu noch Maissilage, Heu und maximal 10 kg Kraftfutter über den Transponder. Die Jungstiere bekommen dasselbe, nur wird das Kraftfutter per Hand zugeteilt. Selbiges gilt für das Jungvieh, nur ohne Maissilage, und die Kälber werden ca. 3 Monate mit Vollmilch getränkt, bekommen Heu, trockene Grassilage und Kraftfutter beigefüttert.
Wirken in der obersten Etage
Dass die Kärntner Züchter Johann Jöbstl als Funktionär in ihre Gremien wählen, ist bei soviel Einsatz, Wissen und Leidenschaft nicht verwunderlich: seit 1980 Rechnungsprüfer, seit 1987 Vorstandsmitglied und seit 1993 Obmann-Stellvertreter der Viehzuchtgenossenschaft Lavanttal. Und seit dem Jahr 2004 ist Johann Jöbstl auch Mitglied im Züchterbeirat für die Rasse Fleckvieh des Kärntner Rinderzuchtverbandes.
Jöbstl weiß die Fleckviehkuh zu schätzen. Gerade in der heutigen Zeit, wo der Milchpreis immer ein Fragezeichen ist, hat das Fleckvieh seine großen Vorteile. Leistungsmäßig kaum hinter den Milchrassen können auch die männliche Kälber und die Altkühe noch wirtschaftlich abgesetzt werden und tragen so zum Betriebserfolg bei.
Nachhaltigkeit gesichert
Durch konsequente Zuchtarbeit, das richtige Gespür in der Anpaarung, viel Freude mit der Zucht und durch das nötige Züchterglück wird Familie Jöbstl sicherlich auch in Zukunft noch oft erfolgreich sein und die Fleckviehzucht weiterhin positiv beeinflussen.
Betriebs-Daten
Familie Rosa und Johann Jöbstl, Vorderwölch 9, 9413 St. Gertraud, Tel.: 04352/71249
Besitzer
Rosa und Johann Jöbstl
Arbeitskräfte
Betriebsführerehepaar mit Sohn Johannes
Kinder
Andrea (geb. 1978), Gertraud (geb. 1980), Gabi (geb. 1981), Johannes (geb. 1985) und Georg (geb. 1989)
Seehöhe
850 m
Niederschlag
800 mm
Betriebsgröße
80 ha, davon 50 ha Wald, 28 ha eigene landwirtschaftliche Nutzfläche, 2 ha landwirtschaftliche Nutzfläche zugepachtet
Milchquote
200.000 kg mit 4,11 % Fett
Stallform
Kühe: Laufstall mit Spaltenboden und Tiefboxen mit Doppel-5er Swing Over
Kalbinnen: Laufstall mit Spaltenboden und Hochboxen
Kälber: Ersten 14 Lebenstage in Einzelboxen, dann Gruppenhaltung in Tiefstreu
Siloraum
ca. 700 m³ Fahrsilo, Grassilage auch teilweise in Rundballen
Gülleraum
700 m³
Mechanisierung
totale Eigenmechanisierung mit Ausnahme der Rundballenpresse und des Maissilierens
Leistungsentwicklung
1979 11,8 – 5.014 – 4,11
1989 12,3 – 6.116 – 4,32 – 3,47 – 476
1999 17,1 – 8.087 – 4,57 – 3,64 – 664
2002 18,5 – 8.926 – 4,49 – 3,65 – 727
2004 18,7 – 8.951 – 4,44 – 3,60 – 720
2006 23,8 – 8.937 – 4,30 – 3,55 – 702
2008 25,4 – 9.892 – 4,15 – 3,56 – 763
gleitend 26,6 – 10.299 – 4,22 – 3,53 – 799
Autor: Ing. Gerhard Altziebler, KRZV
