Betriebsreportage Fam. Pfister, Tirol
Vor mehr als 70 Jahren siedelte sich Familie Pfister in Ebbs am Grafenhof an und brachte die ersten Fleckviehkühe mit in dieses Gebiet. Der Betrieb hat sich ganz auf die Milchproduktion mit der Doppelnutzungsrasse Fleckvieh spezialisiert und wird im Vollerwerb geführt, was auch in Zukunft so bleiben soll!
Der Grafenhof liegt wunderschön auf einer leichten Anhöhe am Ortsrand der Gemeinde Ebbs im Bezirk Kufstein auf einer Seehöhe von 470 m und 1.200 bis 1.400 mm Niederschlag. Ebbs gehört zu den besten und fruchtbarsten Lagen in Tirol.
Der Großvater – ein Revolutionär
Die Familie Pfister stammt ursprünglich aus dem Zillertal. Der Großvater, Josef Pfister, kaufte den Grafenhof 1936 und galt als Vorreiter und Revolutionär der Landwirtschaft in der Gemeinde Ebbs: Er war der erste Bauer, der seine Felder dreimal mähte und vor über 60 Jahren schon mit Gülle düngte. Er brachte außerdem aus dem Zillertal die ersten Fleckviehkühe mit. So kommt es nicht von ungefähr, dass er auch den Fleckviehzuchtverein Ebbs im Jahre 1942 gründete und lange als Obmann fungierte. Auch sein Enkel Franz jun. und dessen Gattin Renate haben sich der Fleckviehzucht verschrieben und den Hof ganz auf Milchviehhaltung im Vollerwerb ausgerichtet.
15 baureiche Jahre!
Als 1993 Franz jun. und Renate den Grafenhof übernahmen, hatten sie 15 Milchkühe und ca. 25 Stück Jungvieh. Als erste Tätigkeit wurde das alte Wohnhaus abgerissen und der Rinderstall dorthin erweitert und auf 25 Milchkühe aufgestockt. Der Umbau wurde noch als Anbindestall getätigt. Doch durch Zukauf- und Zupachtflächen konnte man sich noch einmal vergrößern und nur 10 Jahre später wurde ein neuer Spaltenlaufstall mit Tiefliegeboxen für 42 Kühe und mit Hochbuchten für 60 Stück Jungvieh errichtet. Im Fressbereich wurden nachträglich noch Gummimatten angeschafft, um den Kuhkomfort zu erhöhen. Diese Anschaffung kann Franz jun. nur jedem Rinderzüchter empfehlen. Gemolken wird mit einem steilen Fischgräten- Doppelfünfer-Melkstand (50°), in dem die Bäuerin Renate die Chefin ist. 2005 wurde eine Hackschnitzelheizanlage gebaut, die für Warmwasser und Wärme am gesamten Betrieb sorgt. Eine Besonderheit ist die Heutrocknungsanlage am Grafenhof. Es wird die Luft über das Warmwasser der Hackschnitzelanlage durch große Wärmetauscher erwärmt und getrocknet. Zusätzlich wird noch Warmluft vom Dach des Laufstalles abgesaugt.
Nur bestes Futter
Der Grafenbauer füttert silofrei und legt größten Wert auf bestes Grundfutter. Es werden vier Schnitte eingefahren, die oft am Mähtag bereits geheut werden, um die Bröckelverluste möglichst gering zu halten. Zweimal am Tag werden alle 4 Schnitte Heu gefüttert. Das Kraftfutter, eine Getreidemischung und ein sehr eiweißreiches Mischfutter, wird über eine Transponderstation angeboten. Um die Getreidekosten möglichst niedrig zu halten, wird es in Großmengen und als Ganzkorn gekauft. Die Schrotung erfolgt ca. einmal im Monat durch eine Wandermühle. Ab Mai wird einmal am Tag Grünfutter gefüttert und ab September wird mit der Herbstweide begonnen. Als zusätzliches Grundfutter werden im Winter noch Gras- und Maiscops zweimal am Tag vorgelegt, die aus der nahe gelegenen Trocknungsanlage stammen.
Ziel: Doppelnutzungstyp
Franz Pfister bevorzugt mittelrahmige, gut bemuskelte Doppelnutzungstypen. Großes Augenmerk legt er auf Euter, Fundament und Fitness. Er scheut sich nicht, Vererber mit knapperer Milchleistung und geringerem Zuchtwert einzusetzen, um sein Zuchtziel zu verfolgen. Derzeit eingesetzte Stiere sind HUPSOL, RENWART, MALHAXL, DON JUAN, REPTEIT, HOFHERR und natürlich Teststiere. Vereinzelt und gezielt werden auch RF-Stiere eingesetzt, derzeit CLASSIC RED. Nachzucht von REPTEIT, STOCKET, VAUSTRIA, REMUS, MOHR, WEINOLD und VANSTEIN dominieren die Jungviehherde.
Wird LORETA Nummer 1?
Die 15-jährige ZEUKAR-Tochter LORETA ist ein Aushängeschild der Grafenbauerherde und der Stolz der ganzen Familie Pfister. Sie ist derzeit die zweitbeste Fleckviehdauerleistungskuh des Rinderzuchtverbandes Tirol mit 12 Abkalbungen und über 123.000 kg Lebensleistung und erfreut sich noch bester Gesundheit. Sie konnte ihre Fitness auch an ihre Töchter weitergeben, so hat z. B. ihre Tochter LORE bereits eine Lebensleistung von 68.000 kg Milch erbracht.
Starke K-Familie
Zu einem wahren Glückstreffer entwickelte sich der Kauf des Kalbes KÄFER (V.: Salomon) im Jahr 1978. KÄFER stand über 14 Jahre in der Herde. Mit sechs weiblichen Nachkommen, wobei drei den Familienstamm weiter ausbauten, stehen aktuell 15 Kühe und 8 weibliche Nachzuchtrinder am Betrieb. Die derzeit besten Kühe aus diesem Kuhstamm sind die HOND-Tochter KARMEN (HL 10.512 kg / Ext. 9/8/9/8) und die beiden RANDY-Töchter KARIN (HL 12.669 kg / Ext. 9/8/8/9) und KERSCH (HL 11.011 kg / Ext. 9/8/8/8). Die Stärken dieser Kuhfamilie sind ihre enorme Leistungsbereitschaft und das sehr gute Exterieur.
Jährlich können 23 bis 25 Stück Kühe über die Versteigerung in Rotholz verkauft werden. Durch die tatkräftige Unterstützung der beiden Söhne Hannes und Markus ist dieser Mehraufwand an Arbeit zu bewältigen. Die Pfister-Jungkühe sind bekannt für besten Pflege- und Futterzustand.
Schauerfolge
Die Familie Pfister ist seit Jahren beinahe bei jeder Rinderschau auf Vereins-, Gebiets- und Landesebene vertreten. Einen der größten Erfolge konnte man 2007 bei der Vereinsschau 65 Jahre VZV Ebbs feiern mit dem Gesamt- und Reservesieg. Zwei Tiere wurden auf der Landesschau „100 Jahre Fleckviehzuchtverband Tirol“ und zwei Tiere auf der Lebensleistungsschau „Formel 50.000“ ausgestellt.
Urlaub am Bauernhof
Ein zweites Standbein konnte sich die Familie Pfister durch den Ausbau einer großzügigen Ferienwohnung schaffen. Renate meinte, in Zeiten des Milchpreisverfalles sei sie froh über den Zuerwerb und es sei keine große zusätzliche Arbeit. Besuchen Sie den Grafenhof auch im Internet www.grafenhof.com.
Betriebs-Daten
Familie Pfister, Mühltal 9, 6341 Ebbs, grafenhof@a1.net, www.grafenhof.com
Betriebsgröße: 20 ha Grünland, davon 15 ha Eigengrund und 5 ha Pachtflächen, 7,5 ha Wald
Viehbestand: 40 Milchkühe und 60 Stück Jungvieh
Milchquote: 236.000 kg
Mechanisierung: voll mechanisiert, alle Arbeiten werden selbst durchgeführt
Leistungsentwicklung:
Jahr Kuhzahl M-kg F % E % F+E kg
1991 15 5.283 4,06 3,40 394
2001 27 7.685 3,90 3,64 580
2005 34 7.843 3,86 3,75 598
2007 34 8.309 3,80 3,65 619
2008 35 8.861 3,74 3,63 653
Autor: Josef Schipflinger, RZV Tirol
