Betriebsreportage Fam. Prosini, NÖ
Die Zucht des 1997 geborenen MANDL rückte die begeisterte Züchterfamilie Prosini und dessen L – Kuhfamilie ins internationale Rampenlicht. Besonders erfreulich an MANDL ist die extreme Stabilität seiner Zuchtwerte, welche ihn als zuchtwertstärksten Stier seiner Generation ausweisen.
Die Familie Prosini bewirtschaftet im niederösterreichischen Göstling an der Ybbs einen 32 ha großen Grünlandbetrieb mit 20 Fleckviehkühen, der gesamten weiblichen Nachzucht und zusätzlich noch 128 ha Wald. Trotzdem steht natürlich das Fleckvieh im Mittelpunkt bei den Prosinis. Erst 1962 ist man in die intensive Fleckviehzucht eingestiegen und bis zu diesem Zeitpunkt wurde noch an gleicher Stelle eine reinrassige Gelbviehherde gehalten.
Dass es aber trotz des 1996 gebauten Boxenlaufstalls auf gut 630 m Seehöhe und teilweise 25 % Hangneigung auch mit einer genetisch hochwertigen und durchgezüchteten Herde nicht gerade einfach ist, absolute Spitzenleistungen zu produzieren, versteht sich von selbst. Aber trotz der schwierigen Bedingungen schaffen es die Prosinis schon seit Jahren, die 8.500 kg Durchschnittsleistung regelmäßig zu überspringen.
Züchterische Philosophie
Für die Prosinis ist es zunächst einmal wichtig, eine unkomplizierte und damit auch langlebige Kuh zu züchten. Deshalb wird bei den züchterischen Entscheidungen besonderer Wert auf gute Euter und solide Fundamente gelegt. Diese Merkmale werden wesentlich stärker gewichtet als der letzte Blick auf eine extrem starke Bemuskelung. Unter bestimmten Vorraussetzungen muss man bei einigen Merkmalen Kompromisse eingehen. Deshalb werden sie es, laut Prosini, auch unter den heutigen Managementbedingungen nie schaffen, bei steigender Leistung auch die Inhaltsstoffe deutlich mit zu verbessern. So konzentriert man sich verstärkt auf Exterieurmerkmale und vor allem Funktionalität, welche in weiterer Folge die Langlebigkeit positiv beeinflusst.
In der Herde spiegelt jene Philosophie die Stiermutter LADINA am besten wieder. Die 13-jährige RALBO – Tochter kann bereits mit einer Lebensleistung von 110.000 kg Milch aufwarten (9/8 – 11.322 – 3,89 – 3,23). LADINA überzeugt nicht nur durch ihre für einen reinen Grünlandbetrieb extremen Leistungen (Abweichung zum Herdenniveau etwa 3.000 kg), ihrem Top-Exterieur und ihrer Frische, sondern auch durch ihre Vererbungsstärke auf der weiblichen und männlichen Seite.
Von LADINAs erster Tochter LALLI (V.: Hatz) wurde bereits ein REPTEIT–Sohn für den Prüfeinsatz angekauft. Die Zweitkalbskuh LENA (Repteit x LADINA), überzeugt mit einer Erstlaktation von 10.542 – 3,67 – 3,16 und einem fehlerlosen Exterieur. LADINA selbst ist zum 10. Kalb trächtig und erfreut sich bester Gesundheit.
Auf der männlichen Seite überzeugt ihr ROMEL–Sohn ROSINI mit einem GZW von 118 und enormem Milchleistungsvermögen. Ihr WAXIN–Sohn WALBO kann mit tollen Leistungen beim zweiten bzw. dritten Kalb überzeugen und ihr REGIO–Sohn IDEALO befindet sich noch in Prüfung.
Kuhfamilien führen zum Erfolg
Die Prosinis arbeiten seit den Anfängen in der Fleckviehzucht mit zwei Kuhfamilien. Zurzeit eine etwas untergeordnete Rolle spielt der G – Stamm, welcher den positiven Vererber ZARADI hervorgebracht hat. Ausgehend von der Stammkuh GAMSL (V.: Polo) stehen drei Vertreterinnen im Bestand. Das aktuelle Aushängeschild dieser Kuhfamilie ist die in der 7. Laktation stehende MOREIF–Tochter GUNDL. Die Vorzüge dieser sehr stabilen und exterieurstarken Kuh liegen in der permanenten Steigerung von Laktation zu Laktation. So verwundert es nicht, dass sie ihre Höchstlaktation von über 10.000 kg Milch nach dem sechsten Kalb realisiert hat. Große Hoffnungen setzt die Familie Prosini in ihre einzige Tochter, welche vom Stier INDER abstammt. Weitere Vertreter jenes Kuhstamms sind die beiden MANDL-Vollschwestern GELLI (2/2 – 9.229 – 4,45 – 3,56 / 9 – 8 – 8 - 8) und GAMSL (2/1 – 8.359 – 3,59 – 3,25 / 7 – 7 – 7 – 8).
LIABERL & Co
Der alles dominierende L - Kuhstamm, welcher auf der Stammkuh LIABERL (V.: Partner) aufbaut, gehören 90 % der Kühe in der Herde an. Wie bereits erwähnt, lässt sich die L – Kuhfamilie bis in die Anfänge der Fleckviehzucht bei Prosinis, Mitte der 60er Jahre, zurückverfolgen. Betrachtet man die direkten Vorfahren von MANDL genauer, so fällt einem die enorme Langlebigkeit und Leistungsbereitschaft auf. Zwischen der 1966 geborenen Stammkuh LIABERL und der MANDL-Mutter LORENA (V.: Streitl) befinden sich nur zwei weitere Generationen. In direkter Reihenfolge brachten die weiblichen Vorfahren von MANDL 11, 10, 10 und 10 Kälber zur Welt.
Nicht immer führt ausschließlich ein rasches Generationsintervall zu einem hoch positiven Vererber, wie das Beispiel MANDL zeigt. Die Kunst liegt vielmehr in der richtigen Auswahl der Stiermütter und natürlich die richtige Auswahl bzw. Anpaarung des Stiervaters.
Neben der bereits erwähnten LADINA und deren Töchtern fallen vor allem die auf die L – Kuhfamilie liniengezüchteten MANDL–Töchter positiv auf. Die aus dem Testeinsatz stammende LUZIA überzeugt mit einer Höchstleistung von 12.500 kg beim fünften Kalb ebenso wie durch ihre imposante Erscheinung. Aktuell befinden sich noch drei MANDL–Erstlingskühe in der Herde:
- LANDL (MV: Zaradi) EL: 36,6 – 3,78 – 2,98
- LEONI (MV: Hatz) EL: 32,8 – 4,06 – 3,40
- LIEBE (MV: Ress) EL: 35,0 – 3,55 – 3,22
Auf der Bundesfleckviehschau in Greinbach stellte sich die rahmige, enorm lange RESS–Tochter LEA der Konkurrenz. Sie gefiel besonders durch ihr sehr gut aufgehängtes Euter.
Überzeugt von den eigenen Produkten
Von den 21 Kühen in der Prosini Herde führen nicht weniger als zwölf Kühe einen selbstgezüchteten Vater im Pedigree. Die Verteilung sieht wie folgt aus: sieben MANDL–Töchter, vier ZARADI–Töchter und eine ROSINI–Tochter aus dem Testeinsatz. Wie überzeugt man von den eigenen Zuchtprodukten ist, wird auch in der Jungrinderherde offensichtlich, wo sich fünf MANDL–Töchter befinden.
Die größte Freude der zuchtbegeisterten Familie Prosini ist natürlich die Zucht des international bekannten Stiervaters MANDL, welcher nicht nur als junger Vererber die internationale Fleckvieh-Gesamtzuchtwertliste anführte, sondern auch als bewährter Vererber mit mehr als 4.000 Töchtern noch immer der beste seines Jahrganges ist. Dass das Vertrauen in den niederösterreichischen Vertreter international hoch war, beweisen seine insgesamt 78 Söhne, welche an sämtlichen Besamungsstationen in den Prüfeinsatz gestellt wurden. Umso erfreuter ist Familie Prosini, dass bei der letzten Zuchtwertschätzung bereits die ersten hochpositiven MANDL–Söhne den Sprung in den Zweiteinsatz geschafft haben und so die Prosini–Genetik weiter in der internationalen Fleckviehzucht verankert werden!
Autor: Grabner Ernst, NÖ Genetik
