Betriebsreportage Fam. Scheiblbrandner, Sbg.

In einem der bekanntesten Gebirgstäler Salzburgs, dem Gasteinertal, liegt der Stubnerhof, welcher vom jungen Betriebsführerehepaar Monika und Josef Scheiblbrandner mit viel Fleiß und Sorgfalt bewirtschaftet wird. Im Jahr 2003 übernahm das junge Paar den Hof mit den Betriebszweigen Milchviehhaltung, Zuchtviehvermarktung, Pferdezucht und Forstwirtschaft.

Die schöne Lage des Betriebes und die touristischen Möglichkeiten durch das Schigebiet, die Therme und die Berge ermöglichen ein zusätzliches Einkommen durch die Vermietung von Zimmern und Ferienwohnungen über das ganze Jahr.
Der Betrieb  liegt auf einer Seehöhe von 850 m und hat eine Eigenfläche von 84 ha. Zusätzlich ist man noch an der Genossenschaftsalm beteiligt. Die Grünlandflächen sind großteils arrondiert und unterteilen sich in 32 ha ebene Flächen, welche drei Mal im Jahr geschnitten werden und 8 ha Steilfläche, wo nur eine Mahd erfolgt. Der Rest sind Bergmähder, Hutweiden und Wald (20 ha.) Der Tierbestand umfasst rund 25 Milchkühe und 40 bis 45 Stück Jungvieh. Die Milchquote beträgt derzeit 160.000 kg. Außer- dem werden auch 3 Norikerstuten gehalten.

Einfache Technik, guter Kuhkomfort
Im Jahr 2004 wurde ein neuer Liegeboxenlaufstall gebaut. Auf Kuhkomfort wurde besonders viel Wert gelegt. Die Laufgänge wurden mit Gummimatten belegt, ein Faltschieber sorgt zusätzlich für saubere und trockene Laufgänge und  Tiefboxen mit Strohmatratzen bieten den Tieren ein gutes Wohlbefinden. Gemolken wird in einem Fischgrätenmelkstand mit einfacher Technik.

Im Fokus: der Pflanzenbestand
Der Stubnerhof wird  konventionell geführt und ist im ÖPUL Programm dabei. Bester Pflanzenbestand ist Voraussetzung für ein gutes Grundfutter. Es wird deshalb schon seit Jahren gemeinsam mit der Fachschule Bruck, durch FL Herbert Rudigier, das Grünland anhand des Pflanzenbestandes begutachtet und entsprechende Dünger- und Nachsaatpläne erstellt. Beste Grundfutterqualitäten und Erträge sind der Preis für die sorgfältige Arbeit. Die Düngung erfolgt in Form von Gülle nach jedem Schnitt.  
Das Grundfutter besteht zu 2/3 aus Silage und zu 1/3 aus Heu. Die Silage wird in Fahrsilos und Hochsilos sowie für den Sommer in Rundballen konserviert.

Alles dreht sich um die Grundfutteraufnahme
Im Winter werden die Milchkühe mit 2/3 Grassilage, 1/3 Heu, Biertreber (2 kg pro Kuh) und Kraftfutter über den Transponder gefüttert. Die Silagen verschiedener Schnitte werden zweimal täglich frisch vorgelegt und mehrmals nachgeschoben, um eine möglichst hohe Grundfutteraufnahme zu erreichen. Kraftfutter wird über den Transponder entsprechend der Milchleistung und dem Laktationsstadium gefüttert. Es wird nur eine Kraftfuttersorte mit 19 % Rohprotein verwendet. Das Jungvieh wird mit Grassilage und Heu (je zur Hälfte) gefüttert. Kälber bekommen bis zum dritten Lebensmonat Milch, Kraftfutter (18 % Eiweiß) und Heu ad libitum.
Sämtliches Jungvieh und die Milchkühe, welche im Herbst gekalbt haben, werden gealpt. Die Milchkühe werden auf die Genossenschaftsalm „Gadauner Hochalm“, ein Almgebiet, welches sich von 1.800 m bis 2.500 m erstreckt, gealpt. Die Melkarbeit muss von den Bauern selbst erledigt werden. Die Hälfte der Kühe, welche im Spätwinter und Frühjahr abkalben, wird am Heimbetrieb gehalten. Am Tag wird geweidet und am Abend werden die Tiere mit Grassilage (Rundballen) und Heu gefüttert.

Alpung bestimmt Zuchtziel
Auf Grund der harten Alpung ist das Zuchtziel für den Betrieb klar definiert: Eine stabile, unproblematische Milchkuh, welche sich durch eine hohe Grundfutteraufnahme auszeichnet. Das Abkalbealter der Tiere richtet sich je nach Entwicklung der Tiere und der Geburtstermine (Herbst bzw. Frühjahr) wegen der Alpung und schwankt zwischen 28 und 34 Monaten. Durchschnittlich werden jährlich 15 Jungkühe über die Versteigerungen in Maishofen vermarktet. Die Stierkälber werden mit einem Lebendgewicht von 80 kg verkauft. Derzeit stehen 4 Stiermütter am Betrieb, von denen auch gerne Stierkälber von der Besamungsstation für die ELP Station angekauft werden.

Zwei markante Kuhlinien
Im Betrieb sind zwei Kuhlinien sehr dominierend. Die D-Linie und die S-Linie, welche sich mit bestem Exterieur und viel Milchleistung auszeichnen. Tiere, wie die Kuh DORA (V.: Lorint –ET), Verbandssiegerkuh 2005, oder DIBA (V.: Pickel), Verbandsgruppenreservesiegerin 2000 und Mutter des Stieres RIBA (V.: Rumba), und  die Stiermutter DOLLI (V.: Rumba), GZW: 128 beim dritten Kalb,  zeichnen diese Kuhlinie aus.
Die S-Linie ist mit SEGEN (V.: Streitl), Mutter der Stiere CAESAR (V.: Canari) und LOTAN (V.: Lorint-ET), SENTA (V.: Pickel), Verbandsgruppensiegerin 2005, der Stiermutter SARA (V.: Micmac) und vielversprechender Nachzucht gut vertreten. Zahlreiche Nachkommen aus diesen Kuhfamilien konnten zu Bestpreisen über die Versteigerung in Maishofen vermarktet werden.

Eingesetzte Stiere
Bei den Jungkühen sind derzeit Tiere mit den Vätern WATERBERG, LEO, MICMAC, INDUVI und JORDAN RED anzutreffen. Bei den Jungkalbinnen sind ROMSEL, WATERBERG, RESS, REDON und CLASSIC RED vertreten. Im Besamungseinsatz stehen zur Zeit die Stiere ILION, RESS, REDON und REMBRANDT bei den Fleckvieh-Stieren. Im Bereich RH wird mit SAVARD RED und STABILO RED besamt. Natürlich werden auch die Teststiere, welche aktuell im Angebot stehen, genutzt.

Auch in der Pferdezucht erfolgreich
Die Norikerzucht spielt beim Stubnerbauern auch keine unbedeutende Rolle. Von den derzeit drei Zuchtstuten ist die Bundessiegerin 2002 noch am Betrieb vorhanden.

Betriebs-Daten

Fam. Monika u. Josef Scheiblbrandner, Stubnergasse 5, 5630 Bad Hofgastein, www.stubnerbauer.sbg.at

Seehöhe
850 m
Niederschlag
1.800 mm
BHK-Punkte
107
Betriebsform
Konventionell im ÖPUL Programm mit Schwerpunkt Milchproduktion, Zuchtviehverkauf und Waldwirtschaft, als Zuerwerb „Urlaub am Bauenhof"
Betriebsfläche
 84 ha Gesamtfläche ohne Genossenschaftsalm, davon 32 ha ebenes Grünland (3-schnittig), 8 ha Steilfläche (einmähdig), Rest Bergmähder, Hutweiden und Wald                                                   
Gebäude
Liegeboxenlaufstall mit Gummimatten und Faltschieber
Melktechnik
Fischgrätenmelkstand
Arbeitskräfte  
Betriebsleiter und Austragbauer
Milchquote
derzeit 160.000 kg A-Quote
Tierbestand  
25   Milchkühe, 40 - 45 Stk. Jungvieh
Herdenschnitt     
2008     21,8 Kühe: 8.953 - 3,77 - 3,30 - 663
Zuchtviehverkauf
15 Stk. Kühe in Milch
Stierkälberverkauf mit ca. 80 kg LG oder als Zuchtkälber an die ELP Station.
Fütterung der Milchkühe
2/3 Grassilage, 1/3 Heu, Biertreber, leistungsbezogene Kraftfuttergabe  max. 7 kg  über Transponder.

Autor: Presslaber Christian, RZV Salzburg

zu den Fotos

Auf Facebook teilen