Betriebsreportage Fam. Streit, Spital a. S., Stmk.
Der Fleckviehzuchtbetrieb Monika und Josef Streit vlg. Ponstadler befindet sich im oberen Mürztal in Spital am Semmering. Die Qualität, Leistung und vor allem die Wirtschaftlichkeit der Rinderherde konnte in den letzten Jahren durch intensive fachliche Weiterbildung und durch die konsequente Umsetzung stark erhöht werden.
Schon vor der Betriebsübernahme und vor dem EU Beitritt war für Josef klar, dass er sich die Zukunft und den gesicherten Vollerwerb nur mit dem Ausbau und der Verbesserung der Milchproduktion vorstellen kann.
Intakte Familie
Hinter jedem erfolgreichen Betrieb steht eine intakte Familie. Dies ist auch bei der Familie Streit so. Neben dem Betriebsleiterehepaar Monika und Josef hilft auch noch Mutter Josefa tatkräftig bei der Stallarbeit mit. Die Kinder Melanie (11) und Matthias (bald 10) arbeiten auch gerne mit und sind schon Mitglieder beim Jungzüchterclub.
Keine „Sonderausstattung“
1991 wurde ein Tretmiststall, wie es damals in der Beratung üblich war, errichtet. Ein Jahr später wurde der Anbindestall zu einem Tretmiststall mit Melkstand, Milchkammer und Kälberstall umgebaut. Die Fressgitter aus Lärchenholz wurden selbst gefertigt und funktionieren bis heute problemlos. Im Jahr 2002 wurden Außenliegeboxen und eine Silagevorratshütte (aufgrund des Ankaufs eines Futtermischwagens) errichtet. Im letzten Jahr wurde noch ein Tieflaufstall für 10 Kalbinnen gebaut. Entmistet wird jeden 2. Tag mit einem Radlader. Der 1 x 4 Fischgrätenmelkstand beinhaltet nur das Notwendigste, bietet aber sowohl den Kühen als auch dem Melkpersonal den nötigen Komfort, vor allem die Reinigung des Melkstandes beschränkt sich auf wenige Minuten.
In Futtermischwagen investiert
Gefüttert wird am Betrieb Streit seit 2002 mit einem Futtermischwagen, um vor allem die körperliche Belastung beim Einfüttern zu verringern. Die Kühe erhalten alle 2 Tage eine aufgewertete Ration, den Rest des Kraftfutters erhalten die Kühe über den Transponder. Die Kalbinnen und Trockensteher bekommen 1. und 3. Schnitt mit Stroh vermischt. Im Sommer kommt das weibliche Jungvieh auf die Weide. Die Kuhkälber werden sehr früh entwöhnt, um die Pansenentwicklung zu optimieren.
Champion aus dem Stall Streit
Der Name Streit ist spätestens seit der „Steiermarkschau 2007“ den Fleckviehzüchtern ein Begriff. Das erste Mal auf einer überregionalen Schau angetreten, wurde er mit der Jungkuh SILVI, einer typstarken ROMEL-Tochter, Gesamtsiegerin.
Bei der Auswahl der Besamungsstiere geht der Betriebsführer auf die Empfehlungen des Zuchtverbandes ein, weiß aber selbst sehr genau, welchen Typ von Kuh er im Stall stehen haben will. Es wird die rahmige, elegante Fleckviehkuh auf stabilem Fundament mit drüsigem, kleinem Euter bevorzugt. Sehr wichtig für die Besamungsentscheidung sind aber auch die Fitnessmerkmale wie Persistenz, Nutzungsdauer, Zellzahl und Melkbarkeit. Zur Verbesserung der Leistung und des Euters wurde in den letzten Jahren auf Red Holstein und Montebeliardstiere zurückgegriffen, mittlerweile werden aber ausschließlich Fleckviehstiere verwendet.
Im Zuchtprogramm der Rinderzucht Steiermark werden einige Tiere vom Betrieb Streit in der Gezielten Paarung eingesetzt, unter anderem eine ROTAX-Tochter, welche aus dem Teststiereinsatz stammt. Aktuell im Besamungscontainer des Eigenstandsbesamers findet man: ROTAX, RÖMER, POLARI, RUMGO, MANDELA, VANSTEIN, RUREX, VIDOR und jede Menge Teststiere der Rinderzucht Steiermark.
Josef ist mittlerweile auch Mitglied im Zuchtausschuss der Rinderzucht Steiermark und seit Mitte Februar ist er Obmann der örtlichen Viehzuchtgenossenschaft. Mit dem Zuchtprogramm und der Betreuung der Rinderzucht Steiermark ist er sehr zufrieden.
Fix: Arbeitskreis Milchvieh
Der Arbeitskreis Milchproduktion nimmt für Josef Streit einen fixen Platz im Bildungsjahr ein. Seit über 10 Jahren nutzt er das Angebot, welches ihm die Arbeitskreisberatung bietet. Neben den informativen Fachveranstaltungen schätzt er auch die umfassenden Auswertungen des Jahresergebnisses. Aus der Sicht des Landwirts kommt auch noch ein weiterer wichtiger Aspekt zum Tragen, nämlich der regelmäßige Kontakt und Erfahrungsaustausch mit Berufskollegen. Durch diese Beratung konnte die Milchleistung der Herde fast verdoppelt werden, bei gleichzeitiger Verbesserung der Tiergesundheit. Josef kann die Mitgliedschaft beim Arbeitskreis jedem empfehlen, der in der Milchwirtschaft weiter kommen möchte.
Der Betrieb wurde mit einer Quotenausstattung von 36.000 kg Milch übernommen, mittlerweile werden von den 23 Kühen knapp 200.000 kg Milch an die Obersteirische Molkerei geliefert.
Vorbeugen statt Heilen
Lautet das Motto von Josef Streit. Es wird versucht, die Tierarztkosten möglichst niedrig zu halten, dafür mehr in die Prophylaxe zu investieren. Deshalb wird zum Beispiel beim Melken das volle Hygieneprogramm inklusive Zwischendesinfektion durchgeführt, alle Kühe werden mit Trockensteller trockengestellt, der Zellgehalt von 73.000 gibt ihm hier recht.
Fazit
Der Betrieb Streit ist ein Beispiel, dass zur erfolgreichen Milchwirtschaft und Rinderhaltung nicht die neueste Technik und der teuerste Stall an erster Stelle stehen, sondern die konsequente Weiterentwicklung des genetischen Potentials und die Verbesserung von Management und Fütterung. Fachwissen muss laufend angeeignet und vor allem umgesetzt werden.
Betriebs-Daten
Monika und Josef Streit, vlg. Ponstadler, Grautschenhof 4, 8684 Spital am Semmering
Familienmitglieder
Monika und Josef, Kinder Melanie 11 Jahre, Matthias 9 Jahre, Eltern Josefa und Josef
Arbeitskräfte:
Monika, Josef und Mutter
Seehöhe:
860 m
Flächen:
LN: 28,60 ha Eigenfläche + 11,28 ha Pachtfläche, davon Dauergrünland (3 Schnitte) 24,00 ha, Dauergrünland (2 Schnitte) 7,28 ha, Kulturweide 7,00 ha, Hutweide 2,00 ha
Wald: 23,00 ha
BHK-Punkte:
191
Betriebsschwerpunkte:
Milchwirtschaft, Rinderzucht, Forstwirtschaft
Tierbestand:
23 Kühe, 30 Kalbinnen, Kälber
Stall:
Stallumbau 91/92 auf Tretmist, 2002 Außenliegeboxen + teilweiser Umbau von Tretmist- auf Liegeboxen, 2008 für Kalbinnen Tieflaufstall
Melkanlage 1 x 4 Fischgrätenmelkstand
Futterkonservierung:
2 Traunsteinsilos a 300 m³, Behelfssilo 200 m³, Silohaufen, Rundballen, etwas Heu
Eigenmechanisierung: Mähen, Kreiseln, Kurzschnittladewagen, Kompoststreuer
über Maschinenring: Schwaden, Silowalzen, Gülleausbringung
Fütterung:
seit 2002 mit Futtermischwagen
AMR Silage 1. und 2. Schnitt, Biertreber, Stroh, Kraftfutter, Melasse, Mineralstoffe
Jungvieh: 1. u. 3. Schnitt + Stroh
Leistungsentwicklung:
2008 23,2 9.916 3,98 3,39 730
2007 22,1 10.538 4,08 3,33 781
2003 20,6 10.119 4,10 3,46 765
2002 20,6 9.272 3,96 3,48 689
2001 22,6 8.540 3,96 3,51 638
2000 21,2 8.014 4,01 3,53 605
1998 21,0 5.676 3,98 3,32 414
1993 13,1 4.219 3,96 3,35 308
Milchquote:
200.000 kg
Eckdaten der Herde:
Zwischenkalbezeit 375 Tage, GZW 115, Zellzahl 73.000
Autor: Christian Rechberger, Rinderzucht Steiermark
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