Erste Zuchtwerte für Gesundheitsmerkmale
Das Milchleistungsniveau ist beim Fleckvieh in den vergangenen Jahrzehnten durch verbessertes Management aber auch durch züchterischen Fortschritt deutlich angestiegen. Im Gegensatz dazu war die Nutzungsdauer der Tiere eher rückläufig. Neben unzureichender Fruchtbarkeit zählen Euterentzündungen, Klauenerkrankungen und Stoffwechselstörungen zu den häufigsten Abgangsursachen.
Hohe Kosten durch frühen Abgang
Im Jahr 2008 waren beispielsweise beim Fleckvieh fast 55 % aller Abgänge auf Gesundheitsprobleme zurückzuführen. Diese verursachen nicht nur Tierarztkosten, sondern bedeuten unter anderem auch Milchgeldverlust durch Wartezeiten und geringere Milchleistung, höheren Arbeitszeitbedarf und verlängerte Zwischenkalbezeiten. Bei einem vorzeitigen Abgang erhöhen sich überdies die Kosten für die Bestandsergänzung, wobei gleichzeitig weniger scharf selektiert werden kann. Nach Stocker (2008) kostet eine um einen Monat verlängerte Zwischenkalbezeit mindestens 125 Euro pro Kuh und Jahr, eine durchschnittliche Zellzahl von über 250.000 mindestens 180 Euro pro Kuh und Jahr. Nicht vergessen werden darf auch das verminderte Wohlbefinden der Tiere.
Daher wird es immer wichtiger, diesen über die bisher bestehenden Fitnessmerkmale hinausreichenden Bereich auch züchterisch zu bearbeiten. Das sehen auch die meisten Züchter so: in einer Umfrage bei etwa 700 Mitgliedern des Fleckviehzuchtverbands Inn- und Hausruckviertel (FIH) im Jänner 2009 zeigte sich, dass die Züchter in den nächsten 10 Jahren am stärksten die Fruchtbarkeit und Eutergesundheit züchterisch verbessern wollen, während bei der Milchleistung nur eine geringe Steigerung angestrebt wird (Miesenberger, 2009).
Projekt GESUNDheitsmonitoring.RIND seit 2006
Weltweit werden Gesundheitsdaten mit Ausnahme der skandinavischen Länder kaum direkt erfasst. In Norwegen werden Gesundheitsdaten seit 1975, in Finnland seit 1982, in Schweden seit 1984 und in Dänemark seit 1990 aufgezeichnet und für die Zuchtwertschätzung genutzt. In Österreich wurde das Projekt GESUNDheitsmonitoring.RIND Mitte 2006 in Zusammenarbeit von Rinderzucht, Leistungsprüfung, Veterinärmedizin, Wissenschaft, Interessensvertretung und der Unterstützung durch die Ministerien BMLFUW und BMGF gestartet. Im Rahmen dieses Projektes werden Erstdiagnosen mit Hilfe von Arzneimittelbelegen erhoben und für Herdenmanagement und Zucht genutzt. Den mittlerweile rund 12.500 teilnehmenden Betrieben mit ihren etwa 200.000 Kühen und - mit Zustimmung der Landwirte – deren Tierärzten werden für das Herdenmanagement bereits Tages- und Jahresberichte Tiergesundheit zur Verfügung gestellt. Nun folgt der züchterische Teil mit den ersten Zuchtwerten für Mastitis, Fruchtbarkeitsstörungen und Gebärparese (Milchfieber).
Autoren: DI Astrid Köck (BOKU), Dr. Birgit Fürst-Waltl (BOKU), Dr. Christian Fürst (ZuchtData), Dr. Christa Egger-Danner (ZuchtData)
