Exterieur: Was will der Züchter?
Um es auf den Punkt zu bringen: Fundament und Euter sind für die Fleckviehzüchter die wichtigsten Exterieur-Merkmale, die züchterisch bearbeitet werden sollen. Lesen Sie dazu folgende Stellungnahmen.
Franz Wurzacher, Prägraten, Tirol
Kalbinnenaufzuchtbetrieb, 6 Kühe: 8.052 - 4,00 - 3,49 - 603
Das Exterieur ist für mich eines der züchterisch wichtigsten Entscheidungskriterien, da es enormen Einfluss auf die Tauglichkeit zur Alpung und Weide unserer Kühe und Rinder hat. Für die Zukunft wünsche ich mir vermehrtes Augenmerk auf das Fundament, und dabei eine trockene Ausprägung der Sprunggelenke mit korrekter Winkelung. Eine höhere Gewichtung im Gesamtmerkmal hätte ich gern bei der Trachtenhöhe, da sie die Klauenanfälligkeit bei Alpung und Weidehaltung besonders beeinflusst.
Entscheidend ist auch das Merkmal Rahmen für mich, wobei das Optimum für ausgewachsene Kühe meiner Meinung nach zwischen 142 – 145 cm im Widerrist liegt. Hier sollte man nicht größer werden, da es sonst im Bereich Aufstallung Probleme gibt, auch der Vertritt beim Weidegang ist größer, da die Tiere dann oft zu schwer werden.
Natürlich ist auch das Euter ein entscheidendes Merkmal! Hier sollte man besonders auf das Volumen von jüngeren Kühen achten, große Euter aufgrund hoher Leistungen bei Jungkühen werden oft überschätzt! Somit ist der Euterboden hier für mich entscheidend, es gibt Stiere mit Euterboden von 90, aber einer Euter – Gesamtnote von über 120!
Ein weiteres Thema ist für mich die Rumpftiefe, da bei uns durch die RH – Einkreuzung und ein immer früheres Erstkalbealter dieses Merkmal etwas leidet. Auch bei niedrigem Erstkalbealter brauchen wir körpertiefe Tiere, da in Zukunft die Grundfutteraufnahme für die Wirtschaftlichkeit der Betriebe immer wichtiger wird!
Franz Wimmeder, St. Florian/Inn, OÖ
30,3 Kühe: 8.648 - 4,20 - 3,51 - 667
Für mich steht an erster Stelle, dass die Beschreibung der Nachzucht der Verbesserung der Nutzungsdauer dienen soll. In diesem Zusammenhang lege ich vor allem Wert auf klare, korrekt gewinkelte Sprunggelenke, sichere Fessel und gut geschlossene, harmonisch wirkende Tiere. Beim Euter bevorzuge ich festsitzende und vor allem drüsige Euter mit einer guten Strichstellung und einer guten Strichplatzierung.
Mein Betrieb ist vor allem auf die Kalbinnenvermarktung ausgerichtet, daher lege ich bei meinen Kalbinnen besonderen Wert auf gut gelagerte, breite, ebene Becken, da ich glaube, diese besser verkaufen zu können. In diesem Zusammenhang würde ich mir das Merkmal betonter Schwanzansatz wünschen.
Probleme bereitet es mir oft, wenn ich das Balkendiagramm von Stieren betrachte, die sehr hohe Exterieur- oder Euterzuchtwerte aufweisen und dann in Einzelmerkmalen stark abfallen (z. B. Euter 131, Strichlänge 63 oder Fundament 119, Sprunggelenkswinkel 79).
Ich würde mir auch wünschen, dass bei der Teststierauswahl Exterieurmerkmale nicht den hohen Milchwerten geopfert werden. Abschließend möchte ich anmerken, dass für mich das Balkendiagramm auf jeden Fall eine wichtige Verbesserung für den Stiereinsatz darstellt, welches ich nicht mehr missen möchte.
Hubert Kapp, Liezen, Steiermark
Züchter des Stieres RÖMER, 30,1 Kühe: 10.275 - 4,23 - 3,42 - 786
In meinem Betrieb muss in Zukunft verstärkt Augenmerk auf das Fundament gelegt werden, insbesonders auf Fessel, Trachten und Sprunggelenkswinkel, da einige Kühe (speziell RANDY - und RUMBA - Töchter) Probleme in diesem Bereich haben
und sich das negative im Laufstall auswirkt.
Bei den Eutern halte ich es für wichtig, dass ein gutes Zentralband vorhanden ist und die Euter bei der ersten Abkalbung nicht zu viel Volumen aufweisen.Eine korrekte Strichenstellung vorne und hinten ist für die tägliche Melkarbeit von größter Bedeutung. Bei einigen Stieren ist bei der Vererbung darauf zu achten, dass die Töchter mittelfristig nicht zu kurze und zu dünne Strichen bekommen.
Für mich ist in Zukunft die mittelrahmige Kuh mit gutem Fundament und festsitzendem Euter das Ziel.
Leonhard Prodinger , Tamsweg, Salzburg
27,3 Kühe: 9.255 - 4,25 - 3,32 - 700, 50 St. Jungvieh
Oberste Priorität hat für mich das Euter. Es muss auch bei einer hohen Milchleistung über mehrere Laktationen haltbar und gut melkbar sein.
An zweiter Stelle der Wichtigkeit steht bei mir das Fundament. Auf feinere und vor allem klare Fundamente sollte bei der Zucht Wert gelegt werden. Und schließlich ist auch auf einen entsprechenden Rahmen mit einer tiefen Rippe zur Gewährleistung einer hohen Grundfutteraufnahme zu achten.
Bicker Franz, Erlauf, NÖ
Züchter der Stiere HICKER und REFEKT, 68.1 Kühe: 8.443 - 4,13 - 3,49 - 644
Mein Ziel ist eine leistungsbereite, unauffällige, funktionelle und dadurch wirtschaftliche Milchkuh, mit tadellosem Exterieur, wobei ich hier vor allem das Euter und das Fundament am meisten beachte. Um als Biobetrieb hohe Lebensleistungen der Milchkühe zu realisieren, wird auf Tiere mit flacher Laktationskurve selektiert. In Zukunft sollte bei der Fleckviehkuh wieder der Substanz und hier vor allem der Brustbreite mehr Beachtung geschenkt werden. Denn diese zeichnet die Fleckviehkuh gegenüber anderen reinen Milchviehrassen aus und ist der Puffer für energetisch schlechtere (z.B.: nach der Abkalbung) Zeiten. Außerdem bin ich überzeugt, dass die Exterieurzucht auf Extreme nicht zu Gunsten der Nutzungsdauer ist. Als Beispiel will ich hier das Euter heranziehen. Mir ist auf diversen nationalen wie auch internationalen Ausstellungen aufgefallen, dass oft diejenigen Erstlings- bzw. Zweitkalbskühe vorne rangiert werden, welche meines Erachtens zu großvolumige Euter aufweisen. Diese Euter sind für das Auge zwar „schön“ anzusehen, ob sie jedoch auch die funktionellen und vor allem haltbaren Euter sind, sei dahin gestellt. Die Fleckviehkuh braucht den Vergleich mit den Holsteins nicht zu scheuen, nur ist anatomisch gesehen so manches Euter-Merkmal nicht eins zu eins zu übernehmen. Wir züchten ein Doppelnutzungsrind, welches auch eine gewisse Behosung aufweisen soll, und deshalb finde ich auch die Diskussion über die Schenkeleuterhöhe oder den Schenkeleuteransatz als nicht gerechtfertigt. Das meines Erachtens Wichtigste beim Euter, nämlich die Drüsigkeit bzw. Textur, welche ausschlaggebend ist für die Euterqualität, wird nicht bewertet. Für mich gilt der Grundsatz: „Das Euter darf schön, muss aber funktionell sein!“
