Fleckvieh auf der Holzalm

Vor elf Jahren wagten die 20 Bauern der Holzalm den großen Schritt, einen modernen Laufstall für 160 Kühe zu bauen. In der neu gestalteten Almkäserei werden im Laufe eines Almsommers über 230.000 kg Milch zu wohlschmeckendem Käse und Butter verarbeitet.

Die Holzalm liegt inmitten der Kitzbühler Alpen im Gemeindegebiet von Hopfgarten im Brixental. Die Gebäude liegen auf 1.440 m Seehöhe und die Almzeit erstreckt sich von ca. 27. Mai bis 20. September. Die 186 ha Almfläche sind auf 20 Bauern aufgeteilt, wobei der kleinste Landwirt zwei Anteile und der größte 18 Anteile besitzt. Die gesamte Milch wird auf der Alm verarbeitet und zu zahlreichen Milchprodukten veredelt, die auf der Alm wie auch im Tal beim Käselager vermarktet werden. Besonders die verschiedenen wohlschmeckenden Käsesorten und die besonders gelbfärbige Almbutter sind weitum begehrt.
 
Laufstall für 160 Kühe
Eine Besonderheit dieser Alm ist der große tierfreundliche, luftige Gemeinschaftslaufstall, der Platz für 160 Kühe bietet. Eine besondere Herausforderung bei der Stallplanung war die Melkstandtechnik. Der Doppel-Sechser-Fischgrätenstand ist mit Milchmengenerfassung und einer Kraftfutterstation ausgestattet. Denn wie man sich vorstellen kann, ist die Abrechnung bei so vielen Tierbesitzern nur durch einwandfrei nachvollziehbare Daten möglich. Trotz aller anfänglichen Skepsis kann man auf eine erfolgreiche Investition zurückblicken.

Weidemanagement
Um einen guten Pflanzenbestand auf den Weiden zu erhalten, wird einerseits eine Koppelwirtschaft mit kleineren Koppeln betrieben, andererseits werden die Tiere halbtags im Stall gehalten, um die für die Düngung notwendige Gülle zu gewinnen. Von Mai bis Mitte August werden die Kühe, um sie vor der sommerlichen Hitze zu schützen, in der Nacht ausgetrieben, danach wird auf Tagweide umgestellt. Zugefüttert werden täglich etwas Heu und maximal 4 kg Kraftfutter pro Tier und Tag. Ein Teil des Heus wird direkt vor Ort gewonnen. Die Grenze beim Kraftfutter wurde einstimmig gezogen, da gerade bei der Käseproduktion die Qualität stark vom Kraftfutter beeinflusst wird: je weniger, desto besser für die Reifung und damit gut für die Qualität.

Bis 3.000 l Milch täglich
Auf der Holzalm werden nahezu 230.000 Liter Milch zu rund 20 Tonnen Käse und 3.000 kg Butter verarbeitet. Die Tageshöchstmenge liegt bei 3.000 Liter Milch. Besonders die Käseproduktion ist aber nicht an einem Tag erledigt, denn gerade die aufmerksame Verfolgung der Reifung und Pflege benötigt viele Arbeitsstunden, welche auch zum Teil von den Almbauern selber verrichtet wird. Die Wertschöpfung bei der Käseproduktion ist recht gut, doch ob die Qualität gut oder minder ist, sieht man oft erst nach einem Jahr. Genau hier liegen die großen Gewinn- wie auch Verlustspannen. Die Abrechnung erfolgt immer im Winter und dort werden auch die Investitionen für das nächste Jahr besprochen. Erst nach diesen Plänen erfolgt die Berechnung des vergangenen Jahres-Milchpreises. Die Fördergelder werden für den Ausbau der Gebäude und für Finanzierungen von anderen baulichen Maßnahmen verwendet.

60 Schweine und 1 Stier
Für Abwechslung auf der Alm sorgen die 60 Almschweine, durch die die anfallende Molke verwertet wird.  Sichtlich genießen diese Tiere in ihrem Auslauf den Almsommer. Neben den 160 Milchkühen wird jedes Jahr auch ein Zuchtstier auf der Alm gehalten, allerdings wegen der Wanderer nur noch im Stall. Nahezu ein Drittel der Kühe wird mit dem Stier gedeckt oder künstlich besamt. Neben der Hauptrasse Fleckvieh befinden sich auch noch Kühe der Rassen Holstein, Pinzgauer, Braunvieh, Jersey und Grauvieh auf der Alm.

Nichts für Romantiker
Das Alm-Team besteht aus zwei Melkern, einem Käser, einem Verkäufer, der den Ausschank und den Käseverkauf erledigt und einer Köchin, die für das leibliche Wohl des Teams sorgt. Das Personal wechselt relativ oft, da keine Jahresanstellung möglich ist. Doch zum Glück finden sich immer mehr Leute, die sich die harte Arbeit auf einer Alm antun und dieses Umfeld einmal persönlich kennenlernen wollen. Wer allerdings von einer romantischen Almzeit träumt, wird wohl meist bereits in den ersten Tagen aus den Träumen gerissen.

Geschichte der Holzalm
1544 erste schriftliche Aufzeichnungen
1953/54 Lawinenwinter, von 20 Gebäuden werden 14 durch eine Staublawine zerstört
1954 gemeinsam werden 2 Ställe für 120 Milchkühe gebaut
1972 Erschließung der Alm durch eine Straße
1980 Neubau eines Schweinestalles
1981 eine Eimermelkanlage wird eingebaut, 4 Melker statt 6, Aufstockung auf 135 Kühe
1992  E-Werkbau für Stromversorgung, 20 KW Anlage
1996 Käsekellerbau im Tal
1997 Käsereiumbau mit automatischer Abfülleinrichtung
1998 Bau eines Laufstalles für 160 Milchkühe
2003 Waldzukauf
2005 Erweiterung des Käsekellers auf der Alm
2008 Neubau einer weiteren Güllegrube

Almen in Österreich
Österreich besitzt fast 8.800 Almen, welche eine Fläche von über 465.000 ha umfassen. Das entspricht 20 % der gesamtösterreichischen landwirtschaftlichen Nutzfläche. In Tirol sind es sogar 67 % der Fläche, auf die über 50 % der Milchkühe und nahezu 95 % der Jungrinder aufgetrieben werden. In Österreich werden insgesamt über 460.000 Tiere,  Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde, auf den Almen gesömmert.

zu den Fotos

Autor: Ing. Simon Hörbiger, GF Almwirtschaft Österreich

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