FV-Fleisch-Zuchtbetrieb Lipp, Bgld.

Den nicht alltäglichen Weg von genau null Kühen vor 20 Jahren auf rund 100 Kühe heute hat der Zuchtbetrieb der Familie Lipp aus dem Bezirk Jennersdorf im Südburgenland hinter sich. Mit dem Bau eines neuen Stalles wurde der Schritt vom Nebenerwerb des Vaters in den Vollerwerb für den Sohn vollzogen.

Hannes und Renate Lipp mit Sohn und Tochter sowie deren PartnerDie Eltern von Hannes Lipp bewirtschafteten eine kleine Nebenerwerbslandwirtschaft. Als sein Vater vor 20 Jahren plötzlich verstarb, wurden die Rinder verkauft. Ein Jahr später hat er aber, motiviert durch sein Interesse an den Wiederkäuern, sieben Kalbinnen und einen Stier der Rasse Schottisches Hochlandrind gekauft und mit der Zucht begonnen. Da sich der Absatz von Zuchttieren der „Schotten“ rückläufig entwickelte, wurden verschiedene Rassen versucht. Insgesamt waren es 17 an der Zahl. Am besten bewährt und deshalb durchgesetzt haben sich am Betrieb Lipp die Fleckvieh-Tiere der Nutzungsrichtung Fleisch.

Schritt für Schritt pachtete der bei der Eisenbahn tätige Nebenerwerbslandwirt Flächen dazu und so wurde auch die Herde nach und nach vergrößert, bis schließlich rund 200 Stück Vieh am Betrieb standen. Damit schuf Hannes Lipp die Dimensionen für einen Vollerwerbsbetrieb – gerade richtig für seinen an der Rinderzucht interessierten Sohn Johannes, als dieser, vor nunmehr zwei Jahren, seine Ausbildung in der landwirtschaftlichen Fachschule Hatzendorf (Steiermark) abschloss und in den Betrieb einstieg.

Stallgebäude

Als die Entscheidung fiel, dass Johannes im Vollerwerb im Betrieb tätig sein wird, war auch klar, dass ein neuer Stall errichtet werden muss, der den Tieren den nötigen Platz bietet und auch dem heutigen Stand der Technik entspricht. Denn im Winter waren die Tiere, die den Sommer auf den Weiden verbringen, früher in mehreren Altgebäuden an zwei Standorten untergebracht.
Nachdem sich Hannes Lipp viele verschiedene Ställe und Systeme angesehen hatte, entschied er sich für einen Außenklimastall mit Liegeboxen und Schrapperentmistung. Der Stall bietet Platz für 100 Kühe, zwischen den Liegeboxen ist der Kälberschlupf angeordnet. An den Stall angebaut ist ein Fahrsilo mit einer Kapazität von 1.500 m³. Für die Lagerung der Gülle wurde eine Grube mit 1,8 Millionen Liter errichtet.

Flächen und Fütterung

Die Futtergrundlage für die Tiere bilden rund 160 ha Gesamtfläche, die sich auf 75 ha Weidefläche, auf der die Rinder im Sommer grasen, sowie rund 85 ha Wiesen und Wechselwiesen, von denen das Winterfutter gewonnen wird, aufteilen. Im Winter wird Grassilage und Heu gefüttert, wobei der Anteil der Grassilage 80 bis 90 % der Gesamtration beträgt. Die Kälber erhalten zur besseren Entwicklung etwas Kraftfutter über den Kälberschlupf.

Die Genetik

Schon sehr früh spielte bei der Auswahl der Stiere die genetische Hornlosigkeit eine wichtige Rolle, weil sie einen einfacheren Umgang mit den Tieren möglich macht. Vom bekannten Betrieb der Gutsverwaltung Fischhorn in Salzburg wurden insgesamt neun trächtige Kalbinnen zugekauft, die genetisch hornlos waren. Den größten Einfluss auf die Herde hat aber die Genetik vom Betrieb Burckhard aus Baden Württemberg hinterlassen. Der Stier EUROPOKER, der in Herbertingen/Baden Württemberg in der Besamung stand, kam 2006 ins Südburgenland und ist immer noch im Deckeinsatz. Bereits 20 Kühe haben ihn zum Vater, 25 EUROPOKER-Kalbinnen sind derzeit in Aufzucht.
Weitere Stiere vom selben Betrieb waren LEONHARD, ein LEOPOLD-Sohn sowie ein Sohn vom Bundessieger KOMO, der zweieinhalb Jahre gedeckt hat, bevor er im Dezember letzten Jahres wegen einer Verletzung abgegangen ist.
Auch über die künstliche Besamung wird versucht, die erwünschten Eigenschaften, wie Rahmen oder Bemuskelung, in den Bestand zu bringen. So sind zum Beispiel auch einige Töchter von RONNI, GORM oder POLDAU am Betrieb. Aktuell ist neben dem Stier EUROPOKER ein GORM-Sohn im Deckeinsatz. Künstlich besamt wird mit Sperma von CHAMPION, URSUS, ATLANTIS und BANWY T-REX.

Die ideale Fleckvieh-Fleisch-Kuh

Die ideale Fleckviehkuh für den Betriebsleiter ist mittel- bis großrahmig, leichtkalbig und genetisch hornlos. Sie muss ein gutes Fundament haben und ein Euter, das möglichst hoch sitzt. Eine gute Milchleistung mit flacher Laktationskurve ist wichtig für die gute Entwicklung der Kälber. Bei der Stierauswahl spielen die Eigenschaften Rahmen, Bemuskelung und Hornlosigkeit die wichtigsten Rollen.

Die weiblichen Tiere wurden fast alle zum Aufbau der Herde verwendet. Männliche Kälber werden, sofern sie nicht in die Zucht gehen, als Einsteller vermarktet.

Pläne für die Zukunft

Sohn Johannes hat seine zukünftigen Vorhaben auch schon genau im Kopf. Geplant ist eine Erweiterung des Stalles mit einigen Tiefstreuboxen, um vor allem den frisch abgekalbten Kühen mehr Komfort zu bieten.
Neben der betrieblichen Weiterentwicklung wird für Johannes auch die Verlegung des Wohnortes von großer Bedeutung sein, denn derzeit wohnt die Familie Lipp 10 km von der Betriebsstätte entfernt.

Betriebsdaten

Familie Hannes und Renate Lipp, Welten, Deutscheck 21, 8350 St. Martin an der Raab

Betriebsform: Biobetrieb
Zuchtbetrieb: Fleckvieh-Fleisch
Tierbestand: etwa 210 Stück, davon 100 Kühe, 70 Kalbinnen und Einsteller, 40 Kälber, 2 Zuchtstiere
Flächenausstattung: 160 ha Gesamtfläche, davon 25 ha Eigentum, Rest Pachtflächen
Flächenbewirtschaftung: 75 ha Weiden, 85 ha     Wiesen und Wechselwiesen
Haltungsform: im Sommer Weidehaltung, im Winter Offenfrontstall mit Liegeboxen und Kälberschlupf
Güllelager: 1.800 m³
Silolagerraum: Fahrsilo 1.500m³, Rest in Rundballen

Autor: Ing. Hannes Lang, BRZV

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