Neues Zuchtziel bei Fleckvieh - klares Votum für die Doppelnutzung

Zukünftig sind im Gesamtzuchtwert Fleckvieh die Merkmalskomplexe Milch, Fleisch und Fitness im Verhältnis 38 : 18 : 44 gewichtet. Das war das einstimmige Votum der Vertreter aus den verschiedenen Zuchtregionen Bayern, Baden-Württemberg, Österreich, Hessen und Tschechien bei der abschließenden Veranstaltung zum neuen Zuchtziel beim Fleckvieh kürzlich in Salzburg.

Der neue Gesamtzuchtwert tritt, sofern der Beratende Ausschuss in seiner Sitzung im Februar zustimmt, mit der Zuchtwertschätzung April 2016 in Kraft. Gleichzeitig wird die Methodik der Berechnung des Gesamtzuchtwertes angepasst und die neu berechneten Korrelationen zwischen den Merkmalen fließen in die Zuchtwertschätzung ein. Eine verbesserte Methodik zur Berechnung des GZW war überfällig, da die bisher verwendete Methode zu überhöhten Streuungen der Gesamtzuchtwerte im niedrigen bis mittleren Sicherheitsbereich führt. Das heißt, hiervon sind vor allem die Zuchtwerte von Kühen und genomischen Jungvererbern betroffen. Mit der verbesserten Methodik wird die Streuung verringert, das heißt, die Gesamtzuchtwerte am oberen und unteren Ende der Skala werden „enger“ zusammenrücken, die absolute Spitze nach GZW wird damit etwas zurückgehen. Die verbesserte Berechnungsmethode wirkt sich nicht nur auf den GZW, sondern auch auf den Milchwert (MW), den Fitnesswert (FIT), den Nutzungsdauer-Zuchtwert und den Eutergesundheitswert aus. Deutliche Auswirkungen sind auch von der Verwendung der neu geschätzten Korrelationen zwischen den Merkmalen zu erwarten. Durch eine Weiterentwicklung der Methodik und der technischen Voraussetzungen konnten nun wesentlich exaktere und aktuellere Beziehungen zwischen allen Merkmalen im GZW geschätzt werden.

Die neuen Gewichte
Die neue Gewichtung verschiebt sich von 38 : 16 : 46 für Milch : Fleisch : Fitness geringfügig auf 38 : 18 : 44% (s. Tabelle 1). Mit der etwas höheren Gewichtung des Fleischkomplexes und der gleichzeitigen Verschiebung der Gewichtung innerhalb des Fleischblocks auf die Schlachtqualitätsmerkmale wird der großen Bedeutung der Doppelnutzung Rechnung getragen. Innerhalb des Milchblocks verschiebt sich die Gewichtung von Fett-kg zu Eiweiß-kg von 1 : 10 auf 1 : 1,4 und entspricht damit der wirtschaftlichen Realität nach dem Wegfall der Milchquote. Innerhalb des Fitnessblocks sind die wichtigsten Änderungen die Verdoppelung des Gewichts für den Fruchtbarkeitswert und die Einbeziehung des neuen Merkmals Vitalitätswert (VIW). Der VIW setzt sich aus der (paternalen) Totgeburtenrate und den Aufzuchtverlusten zusammen. Die Aufzuchtverluste umfassen dabei Verendungen von männlichen Kälbern bis zum 10. Monat und von weiblichen Kälbern bzw. Jungrindern bis zum Alter von 15 Monaten. Die Erblichkeit des Merkmals beträgt zwischen 1,1 und 2,2%, die Sicherheiten sind jedoch recht hoch, weil eine hohe Datenmenge für die Zuchtwertschätzung zur Verfügung steht, da sozusagen jedes Kalb zählt. Der Kalbeverlauf paternal wird nicht mehr im Gesamtzuchtwert berücksichtigt, da bei diesem Merkmal von den Besamungsorganisationen bzw. den Züchtern ohnehin strenge eigene Selektionsgrenzen gelten.
Tabelle 1: Neuer Gesamtzuchtwert Fleckvieh - Gewichtung und theoretischer Selektionserfolg in kg (Milch, Fett, Eiweiß) bzw. ZW-Punkten (Fleisch und Fitness) pro Generation bei Selektion nach GZW.
Tabelle 1: Neuer Gesamtzuchtwert Fleckvieh: Gewichtung und theoretischer Selektionserfolg in kg (Milch, Fett, Eiweiß) bzw. ZW-Punkten (Fleisch und Fitness) pro Generation bei Selektion nach GZW.

Einführung mit der Zuchtwertschätzung im April 2016
Durch die verschiedenen Änderungen, die mit der Zuchtwertschätzung im April 2016 eingeführt werden – neue Gewichtung, angepasste Berechnungsmethode, neue Korrelationen, neues Merkmal – ist mit größeren Änderungen in den Zuchtwerten bzw. in der Rangierung der Tiere zu rechnen. Durch den breit angelegten Diskussionsprozess sollte das Verständnis dafür in der Züchterschaft jedoch eine breite Basis haben. Mit dem neuen GZW wurde ein klares gemeinsames Signal hin zu einer fitnessstarken Doppelnutzungskuh gestellt.

Autoren: PD Dr. Pera Herold, LGL Kornwestheim, Dr. Christian Fürst, ZuchtData, Prof. Dr. Kay-Uwe Götz, LfL Grub