Schmallenberg-Virus: mehr Fälle in den Niederlanden
Das Schmallenberg-Virus hat in den Niederlanden offenbar eine Verbreitung erreicht, die über isolierte Einzelfälle hinausgeht. Wie das Landwirtschaftsministerium in Den Haag bekannt gab, haben bis gestern 30 Schafhalter die Geburt von missgebildeten Lämmern beim Tiergesundheitsdienst (GD) angezeigt.
Die Fälle sind relativ gleichmäßig über das gesamte Land verteilt. Weitere 16 Betriebe haben die Behörde über Symptome informiert, die auf eine Virusinfektion deuten. Das Zentrale Veterinär-Institut (CVI) wies den Erreger bei 13 von 27 untersuchten Lämmern nach. In Proben von zwei missgebildeten Kälbern wurde das Virus hingegen nicht gefunden.
Die niederländische Regierung führte mit Wirkung ab dem 20.12.2011 eine Meldepflicht für die Geburt von missgebildeten Wiederkäuern ein. Die Meldepflicht soll den Überblick über die geographische Verbreitung des Erregers erleichtern. Die Regierung geht davon aus, dass eine Übertragung auf den Menschen nicht ausgeschlossen, aber sehr unwahrscheinlich ist. Erste Erkenntnisse über die Verwandtschaft des Virus mit bekannten Viren weisen darauf hin, dass der Erreger nur Wiederkäuer befällt. Weil die Infektionen vermutlich Monate zurückliegen und über Stechmücken erfolgten, ergreifen die Behörden bislang keine Bekämpfungsmaßnahmen wie zum Beispiel das Vernichten von erkrankten Tieren oder die Sperrung von betroffenen Beständen.
Mit den Behörden und Instituten in Deutschland, wo das Schmallenberg-Virus zum ersten Mal im November bei Rindern entdeckt wurde, stehen die Niederlande in engem Kontakt. Zusammen mit der Pharmaindustrie soll schnellstmöglich ein Impfstoff entwickelt werden. Nach Einschätzung der Regierung in Den Haag wird dies allerdings womöglich nicht gelingen, bevor im nächsten Sommer die ersten Stechmücken fliegen. Sogenannte Gnitzen gelten als vermutlicher Virusüberträger. Auf Antrag der Europäischen Kommission werden die Niederlande und Deutschland die übrigen Mitgliedstaaten am 11.01.2012 im Ständigen Ausschuss für die Lebensmittelkette und die Tiergesundheit (SCOFCAH) über die Geschehnisse informieren. Die Niederlande werden eine europaweite Meldepflicht und EU-weite Anstrengungen zur Impfstoffentwicklung fordern.
Quelle: AIZ Nr. 12904
