Was ist die Genomische Selektion?
Neue molekulargenetische Methoden machen möglich, was derzeit als „die Revolution in der Rinderzucht“ bezeichnet wird – die genomische Selektion! Die Idee der genomischen Selektion wurde schon vor einigen Jahren von norwegischen und australischen Forschern geboren.
Die grundlegende Theorie der genomischen Selektion bzw. genomischen Zuchtwertschätzung ist einfach: der Zuchtwert eines Tieres soll direkt aus seinen Erbanlagen – dem genetischen Code – abgeleitet werden. Dazu müssen genetische Marker in ausreichender Zahl über das gesamte Genom (gesamtes Erbgut) vorhanden sein. Genetische Marker sind erkennbare Markierungen im Genom, welche oft sehr nahe bei Genen mit Einfluss auf ein Leistungsmerkmal liegen. Diese genetischen Marker werden SNP-Marker (Single Nucleotid Polymorphism, sprich Snips) genannt. In einer aufwendigen statistischen Analyse wird für jeden dieser SNPs seine Beziehung bzw. sein Anteil am Zuchtwert geschätzt. Der genomische Zuchtwert eines Tieres wird dann einfach aus der Summe aller SNP-Effekte berechnet. So kann für Tiere schon sofort nach der Geburt ein genomischer Zuchtwert geschätzt werden. Die Sicherheiten des genomischen Zuchtwertes sind allerdings nicht 100 %, sondern liegen derzeit je nach Schätzverfahren großteils bei 40 bis 60 %.
Genotypisierung
Für die Genotypisierung von SNP-Markern beim Rind wird seit Ende 2007 z.B. von der Firma Illumina (San Diego, USA) ein Chip angeboten. Auf diesem Chip befinden sich 54.001 gleichmäßig über das Rindergenom verteilte SNPs. Für die Genotypisierung wird der Chip mit der DNA eines Tieres versetzt. Die Reaktion zwischen Chip und DNA wird von Computerprogrammen ausgewertet. Als Ergebnis der Genotypisierung erhält man für jedes Tier den Genotyp an über 50.000 (!) verschiedenen Genorten.
Autor: Dr. Birgit Gredler, Universität für Bodenkultur
