Züchter des Jahres 09: Fam. Scherzer, Kärnten
Zum zweiten Mal in Folge hat Familie Scherzer das Glück, den begehrten Titel „Züchter des Jahres“ zu gewinnen. Aber dass nicht nur Glück dahinter steckt, sondern unverrückbare Fakten, machen den Sieg umso wertvoller. Acht Kühe mit einer Lebensleistung über 40.000 kg Milch, eine Zwischenkalbezeit von 362 Tagen und eine Zellzahl von 103.000 sind die Daten, die im Fitnessbereich zählten.
Drei geprüfte Vererber, zwei Teststiere sowie der durchschnittliche Kuh-GZW von 115,6 und der Anteil von 13 % Stiermütter in der Herde ließen den Betrieb Scherzer im Zuchtbereich ordentlich punkten. Auch die Einhaltung der für das Zuchtprogramm notwendigen Zweitkalbs- kuhverpflichtung und die Teilnahme am Ge- sundheitsmonitoring trugen das Ihre zum Ergebnis bei.
Zuchterfolg mit A- und I-Linie
Ein wesentlicher Teil des Zuchterfolges am Betrieb Scherzer ist auf zwei Kühe zurück zuführen: zum einen auf die allseits bekannte wie erfolgreiche 100.000-kg-Kuh IRENE und zum anderen auf die leistungsstarke DISKUS-Tochter AIDA. Wie vergangenes Jahr sind auch heuer wieder Söhne bzw. Enkel dieser Spitzenkühe als geprüfte Vererber und als Teststiere in der Wertung: von der DIRKO-Tochter IRENE als direkter Nachkomme der als Fleckvieh-Fleisch-Stier eingesetzte ISRAEL (GZW: 113, V: Regio) und als Enkel die Teststiere RISTO (Romsel x Mandl) und ZUKUNFT (Zeitlos x Waterberg) und von AIDA die beiden geprüften Vererber RAST (GZW:114, V: Rambo) und ROKUS – ET (GZW:114, V: Romor).
IRENE wurde mehrmals im Embryotransfer eingesetzt und so zählen nicht nur einige bereits geprüfte Vererber, sondern auch 20 weibliche Nachkommen am Betrieb Scherzer zu ihrem Clan.
Neuigkeiten vom Betrieb
Spätestens seit der Reportage im Vorjahr wissen wir, dass Reinhard Scherzer die Sicherheit bei den Informationen im Bereich Zucht schätzt. So wie er gerne „ältere“ Vererber einsetzt, um nicht die Katze im Sack zu kaufen, will er auch Kenntnis über die Fleischleistung seiner Genetik haben, um sie besser beurteilen und weiterentwickeln zu können. Aus diesem Grund bleiben neuerdings auch Stierkälber auf seinem Betrieb, außerdem soll damit die Wertschöpfung auf der männlichen Seite erhöht werden.
Zuchtphilosophie
Was Reinhard Scherzer, leidenschaftlicher Züchter und Lehrer, der „Fleckviehzucht“ mit auf den Weg geben will, lesen Sie im folgenden Statement.
„Meiner Meinung nach wird die Doppelnutzung und der Typ, der auf der männlichen Seite Fleisch, Quelligkeit und Frühreife bringt, in der Zucht etwas vernachlässigt. Dazu müsste im Fleischwert unbedingt die Handelsklasse höher gewichtet werden. Speziell bei uns in Kärnten stehen die reinrassigen Fleckvieheinsteller in Konkurrenz mit den Gebrauchskreuzungen Fleckvieh x Charolais und mittelfristig können nur entsprechende Ergebnisse in der Mast den Käufer überzeugen. Sind die Ergebnisse überzeugend, werden auch die Preise am Markt zufriedenstellend sein.
Hierbei müssen wir auch über die Rahmenentwicklung nachdenken. Ständig größer werdende Kühe bringen natürlich spätreife männliche Nachkommen mit schlechterer Ausschlachtung und Handelsklasse. Dr. Miesenberger hat in der letzten FIH-Zeitung den Begriff Energieeffizienz verwendet und gemeint, dass bei gleicher Leistung, die leichtere Kuh immer effizienter produziert als die schwerere. Diesen Gedanken finde ich unter den gegenwärtigen und wahrscheinlich auch zukünftigen Rahmenbedingungen für die Milchproduktion besonders interessant.
Wirtschaftlich statt modern
Vielleicht sollten wir auch den Begriff „moderner Kuhtyp“, ich verstehe darunter die milchbetonte, rahmige Jungkuh mit ebenen Becken und stark ausgeprägten Bauch- und Schenkeleuter, beim Fleckvieh hinterfragen und ersetzen durch „wirtschaftlichen Kuhtyp“ und diesen massiver bewerben. Damit meine ich eine mittelrahmige Kuh mit bestem Fundament, die als Jungkuh jugendlich und unfertig wirken kann, die aber in den Folgelaktationen auch Substanz und Quelligkeit zeigen darf. Das Euter soll kleinräumig und drüsig sein. Wir wollen in der Hochzucht Tiere züchten, die überall hinpassen, in Berg- und Talbetriebe, in konventionell und biologisch wirtschaftende Betriebe und dabei dürfen wir die Einsatzleistungen nicht über- und die Persistenz nicht hoch genug bewerten.
Inhaltsstoffe wichtig
Ich glaube, dass es jetzt auch an der Zeit ist, über die Gewichtung der Milchinhaltsstoffe im Gesamtzuchtwert nachzudenken. Die genetischen Trends in diesem Bereich sind sowohl bei den Teststiervätern als auch bei den Teststiermüttern negativ, die Inhaltsstoffe werden weiter sinken. Mit dem Auslaufen der Milchquote fällt auch die Fettquote und die Inhaltsstoffe sind künftig kein begrenzender Faktor mehr in der Produktion. Will man hier nicht noch mehr verlieren, sollte man zeitgerecht reagieren und die Fettprozente im Gesamtzuchtwert wieder gewichten. Fleckvieh soll die Rasse bleiben, bei der das Zuchtziel, ein auf die breite Masse der Rinderzüchter ausgerichtetes bleibt und nicht ein auf Hochzüchter mit allerbestem Management ausgerichtetes. Wir sollen und müssen natürlich auch auf Schauen solche Kühe ganz vorne hinstellen.
Mit Fleckvieh rundum profitieren
Die Doppelnutzung ist ein wichtiger Teil der Wirtschaftlichkeit von Fleckvieh und sie versetzt uns in die wunderbare Lage, uns nach Geburten gleichermaßen über Stier- oder Kuhkälber freuen zu können. Wir brauchen aus wirtschaftlicher Sicht eigentlich das Spermasexing beim Fleckvieh nicht, wir sind in der Lage von Kälbern über die Milchproduktion bis zur Endnutzung von unseren Fleckviehkühen zu profitieren.
Wieder Züchter des Jahres zu sein, ehrt unsere Familie ganz besonders und ist für uns Auftrag, auch in Zukunft mit dabei zu sein, wenn wir gemeinsam unsere Rasse Fleckvieh weiterentwickeln.“
Betriebsdaten
Ing. Scherzer Reinhard, vlg. Trattnig, Draustraße 10, 9711 Paternion, Tel.: 04245/2705
Arbeitskräfte:
Betriebsführer mit Frau, Eltern und Kindern
Kinder:
Judith (16 Jahre), Edina (15 Jahre), Jakob (8 Jahre)
Seehöhe und Niederschlag:
510 m, 900 mm
Betriebsgröße:
31 ha LN, 12ha Wald
Milchquote:
250.000 mit 4,37 % Fett
Stallform:
Liegeboxenlaufstall mit Spaltenboden und befestigtem Auslauf
Autor: Ing. Gerhard Altziebler, Kärntner Rinderzuchtverband
zu den Fotos
zur Reportage "Züchter des Jahres 2008 - Familie Scherzer, Paternion"
