Züchter des Jahres: Fam. Scherzer, Paternion, Kärnten
Besonders gefreut hat sich neben der Züchterfamilie der Kärntner Rinderzuchtverband unter Geschäftsführer Ing. Ernst Lagger über die Botschaft, dass der Fleckviehzüchter des Jahres 2008 aus Kärnten kommt. Im Vorjahr belegte die Züchterfamilie in der Liste der Fleckviehzüchter des Jahres mit 230 Punkten den 7. Platz, in den Jahren davor wurden auch ein 5. und ein 6. Platz sowie zweimal ein 12. Rang erzielt.
Fast 100 Fleckviehtiere im Stall
Der Fleckviehzuchtbetrieb der Familie Scherzer liegt in einer Gunstlage im mittleren Drautal auf 510 Meter Seehöhe. Der Gesamtbetrieb umfasst 43 ha, davon 31 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, und der Schwerpunkt liegt in der Milch- und Zuchtviehproduktion. Der Vieh- bestand zählt 32 Kühe sowie die gesamte männliche und weibliche Nachzucht. Ins- gesamt stehen knapp 100 Fleckviehtiere am Betrieb.
Alle Familienmitglieder arbeiten mit: das Be- triebsführer - Ehepaar Reinhard und Trude- linde, die Eltern Jakob und Marlies sowie die Kinder Judith, Edina und Jakob. Großmutter Theresia hilft noch im Haushalt mit. Darüber hinaus ist der Betriebsführer auch als teil- beschäftigter Lehrer in der landwirtschaftlichen Fachschule Litzlhof tätig.
Voll -TMR hat sich bewährt
Seit 1996 wird das Jungvieh in einem Laufstall mit Spaltenboden gehalten. 2007 schließlich wurde auch für die Kühe, die ursprünglich im Anbindestall mit Schubstangenentmistung und Rohrmelkanlage gehalten wurden, ein Laufstall errichtet. Aus arbeitstechnischen Gründen wurde während der Stallbauzeit auf Voll-TMR umgestellt. Was nur vorübergehend gedacht war, ist bis heute geblieben: Durch die Fütterung der TMR, bestehend aus 1 kg Heu, je 50 % Grassilage und Silomais, 5 kg Kraftfutter mit je nach Bedarf 20 – 25 % RP, 0,5 kg Rübenschnitzel und 0,3 kg Melasse, wurde der Kraftfutterverbrauch erheblich gesenkt und die Auswirkung auf Leistung und vor allem auf das Fruchtbarkeitsgeschehen waren so überzeugend, dass sich die Voll-TMR auf dem Betrieb etabliert hat und auf den Transponder gänzlich verzichtet wird. Zusätzlich zur Voll-TMR wird täglich zweimal zirka 1 kg Heu extra vorgelegt.
Schon immer ein TOP-Betrieb
Seit 1964 wird am Hof Fleckviehzucht betrieben. Die konsequente Zuchtarbeit brachte den Betrieb immer weiter nach vorne. Auch die Stierzucht war stets Teil der Zuchtarbeit. So wurden in knapp 40 Jahren an die 200 Zuchtstiere aus eigener Zucht aufgezogen. Neben einer gewaltigen Leistungssteigerung gelang es auch, einige Teststiere hervorzubringen, die die Fleckviehzucht in Kärnten, Österreich und auch in Deutschland beeinflussen.
Auch die Rinderschaubilanz ist einzigartig. Bei jeder Schauteilnahme konnte bislang mindestens ein Siegerpreis mit nach Hause genommen werden.
RENDIT und WACHS-ET
Im Auswertungszeitraum kamen aus dem Betrieb Scherzer RENDIT und WACHS ET in den Zweiteinsatz. WACHS ET, ein WEINOX-Sohn aus der leistungsstarken DISKUS-Tochter AIDA bringt großrahmige Tiere mit eher flacher Bemuskelung und sehr guten Eutern. Alle getesteten Söhne von AIDA haben den Wiedereinsatz geschafft. Es sind dies der LOCK- Sohn LOKUS ET und der ROMOR-Sohn ROKUS ET. ROKUS ET wird sich nächstes Jahr in der Wertung finden.
Aus der schaubewährten 100.000 kg Kuh IRENE stammt der RUMBA-Sohn RENDIT. Seine Töchter sind eher knapp im Rahmen, aber bestechen durch eine sehr gute Bemuskelung. Von IRENE gibt es zwei weitere sehr interessante Stiere, die sich derzeit in Wartestierhaltung befinden. Es sind dies der HUMID-Sohn HIRO und der MANDL-Sohn MANDI ET.
Neben DIRKO – Tochter IRENE steht noch eine zweite 100.000 kg Kuh am Betrieb, JUPILER – Tochter MELODIE. Sie ist wegen des Fremdgenanteils von 50 % nicht in der Wertung. Auch von ihr wurden 2 Söhne positiv geprüft: HIT (V: Honer), GZW: 123, und HIPP (V: Hippo), GZW: 122.
Es ist beabsichtigt, diese zwei Kühe noch einige Male im ET zu nutzen und Embryonen zu verkaufen. Die Kühe stehen auch für Spülungen zur Verfügung.
Über die Zucht
Für Reinhard Scherzer ist seine Arbeit als Rinderzüchter gleichzeitig seine Leidenschaft. Sein ganzes Leben lang hat er sich mit Kühen beschäftigt und die Erfahrungen und Erinnerungen, die er dabei gesammelt hat, möchte er weitergeben, an seine Kinder, an seine Schüler, aber auch an seine Züchterkollegen.
Gezielte Paarung bedeute für ihn, den idealen Stier für jede Kuh zu finden. Das bedeute natürlich, dass die Information ausreichend und abgesichert sein solle. Je mehr Nachkommen er von einem Stier gesehen hätte, umso besser könne er ihn einschätzen und umso besser seien die Ergebnisse aus gezielten Anpaarungen.
„Meine besten Jungkühe in den einzelnen Jahrgängen stammen fast immer aus Anpaarungen mit so genannten „alten“ Stieren, aber nicht deshalb, weil die alten besser sind als die jungen, sondern weil ich die Stiere früherer Jahrgänge viel besser einschätzen kann und die Sicherheiten der Informationen, was das Exterieur und die Zuchtwerte betrifft, wesentlich höher sind. Bauern, die immer nur den aktuellsten Stieren und den höchsten Zuchtwerten nachlaufen, erleben manchmal unliebsame Überraschungen“, ist der Züchter des Jahres überzeugt. Sein Zuchtziel wird von den älteren Kühen in seiner Herde verkörpert. Es sind das die spätreiferen Kühe mit sehr guten Eutern und korrekten Fundamenten.
Mit vollem Einsatz voraus!
Sein Wissen und Können stellt Reinhard Scherzer auch gerne der Öffentlichkeit zur Verfügung. Seit mehr als 20 Jahren setzt er sich für die Kärntner Rinderzüchter ein, zunächst regional für die VZG Oberkärnten als Geschäftsführer und ab 2001 als Obmann, seit 1990 als Vorstandsmitglied der Kärntnermilch und seit 2008 landesweit als Vorstandsmitglied im Kärntner Rinderzuchtverband. Er sieht sich als Vertreter jener Züchter, für die die Rinderzucht zentrales Interesse darstellt und die mit vollem Einsatz eine Weiterentwicklung der Rinderzucht wollen, für jene, die „jegliche Neuentwicklungen und Vorgaben hinterfragen, die diskutieren, die überzeugt und verstanden werden wollen“, so Scherzer. Seine Meinung, dass ein intensiver Züchter als Funktionär manche Dinge nicht mit der nötigen Distanz sehe, hat er mittlerweile revidiert.
Begeisterung offensichtlich
Wer kennt sie von den Rinderschauen nicht, die Abordnung der Familie Scherzer? Vater, Großvater und ein oder zwei Kinder. Sie sind landauf, landab auf allen Schauen als Besucher zu finden und stechen allein schon mit ihrer Körpergröße unter den Zuschauern hervor. Aber auch im Ring sind sie zu finden, als gekonnte Vorführer und Reinhard Scherzer auch als beliebter und bekannter Preisrichter im In – und Ausland. Sogar bis nach Costa Rica in Mittelamerika führte ihn seine Berufung.
Preisrichter zu sein, sei für ihn immer ein Traum gewesen, so Scherzer. Zwei Stunden lang seine Gedanken, seine Vorstellungen von einer Fleckviehkuh erklären zu dürfen, eigentlich seine ganze Lebenserfahrung in der Rinderzucht hervorzukramen, den Ausstellern und den Tieren den verdienten Respekt zu zeigen, Emotionen zu wecken und zu zeigen und oft innerhalb von Sekunden unverrückbare Entscheidungen zu treffen, sei ein emotionaler Grenzgang, ein nach Außen-Kehren der Begeisterung für die Rinderzucht.
Aber noch wichtiger und bedeutender ist für Reinhard Scherzer, dass seine Kinder und sein Neffe Thomas seine Begeisterung für die Rinderzucht teilen, denn „Jungzüchterarbeit ist die Grundlage für die notwendige Qualität der Zuchtarbeit in der Zukunft“, so der Landwirt.
Fleckviehzüchter des Jahres
Das einmal zu erreichen, sei immer sein Ziel gewesen. Klar sei ihm, dass das nur möglich sei, wenn in einem Jahr viele Dinge zusammenpassen: Das Verständnis, der gemeinsame Einsatz der ganzen Familie, der diese Auszeichnung ja gehört, und viel Züchterglück. „Ich stehe auch stellvertretend für alle Fleckviehzüchter, die heuer ein Ziel erreicht haben, sich darüber freuen und gleichzeitig die nächsten Ziele ansteuern. Der Weg ist das Ziel“, schließt Scherzer.
Die Auszeichnung zum Fleckviehzüchter des Jahres zeigt eindrucksvoll, welche hervorragenden Leistungen der Fleckviehzuchtbetrieb der Familie Ing. Reinhard Scherzer in den verschiedenen Bereichen erbracht hat. Der Kärntner Rinderzuchtverband und die Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Fleckviehzüchter gratulieren herzlich zu diesem Erfolg und wünschen weiterhin viel Freude und Glück mit der Fleckviehzucht.
Autor: Ing. Gerhard Altziebler, Kärntner Rinderzuchtverband
