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Zuchtwertschätzung August 2018

Meilenstein für die Hornlos-Genetik

Wenn hochvorgeschätzte und daher auch stark eingesetzte Stiere mit ihrem ersten Nachkommen-Zuchtwert bzw. mit Eintritt in die Kalibrierung von der Erwartung kräftig abweichen, ist die Enttäuschung meist groß. Erfreulicherweise sind große Ausreißer eher selten geworden – das genomische System leistet sehr gute Arbeit und wird mit neuen Rechenmethoden, an denen bereits intensiv gearbeitet wird, noch genauer werden (One-step-Verfahren). Das ganz Besondere an dieser Zuchtwertschätzung, die sonst im Topsegment der geprüften Vererber wenig Veränderungen bringt, ist, dass mit MAHANGO Pp der wohl am stärksten eingesetzte Jungstier der letzten Jahre einen solchen Ausreißer – diesmal allerdings nach oben – liefert.

MAHANGO Pp verbessert seinen GZW mit Eintritt in die Kalibrierung um nicht weniger als elf Punkte. Davon profitieren seine zahlreichen Söhne und ziehen ebenfalls kräftig an – nicht weniger als 25 platzieren sich unter den ersten 100 aller in Deutschland und Österreich gelisteten Stiere. Für das mittelfristige Ziel, die gesamte Fleckviehpopulation genetisch hornlos zu züchten, bedeutet das einen echten Meilenstein, aber zugleich auch eine riesige Herausforderung, Strategien zu entwickeln, um die Breite in der Blutführung beizubehalten.

Wir reagieren darauf, indem ab sofort keine separaten Listen für Pp- bzw. PP-Stiere erstellt werden. Diese Genetik ist jetzt voll konkurrenzfähig. Stiere, die nicht im Mitbesitz einer österreichischen Station stehen und daher nicht gelistet sind, aber für den Einsatz empfohlen werden, finden jetzt ohnehin ihren Platz bei den Stieren für die gezielte Paarung.

Gezielte Paarung – fast nur noch Jungvererber
In der absoluten Hochzucht dominieren immer deutlicher die genomischen Jungvererber. Von den interessantesten neuen nachkommengeprüften Stieren sind meist schon ausreichend Söhne und Töchter vorhanden, sodass es zu keinem weiteren Einsatz kommt. Die Ausnahme bilden daher einige wenige Vererber, mit denen wir diese Liste weiterführen. Vielleicht auch mit dem Ziel, die eine oder andere seltene Linienkombination zu vermehren, auch wenn das diesmal nicht unbedingt für die Mehrheit der angeführten Stiere gilt.

Top-Ten mit drei Neuen, sonst sehr konstant
WABAN kann diesmal den einen Punkt Abschreibung beim GZW ausgleichen, seine 142 Punkte und damit Platz 1 halten. Der zweitplatzierte MAHANGO Pp gewinnt mit dem Eintritt in die Kalibrierung stark bei Milchwert, Eutergesundheit und maternalem Kalbeverlauf, aber auch bei Rahmen und Fundament, verliert aber einige Punkte beim Euter und bei der Melkbarkeit.
Keine großen Verschiebungen gibt es bei den folgenden HURLY, VILLEROY und VESTEL. Neu ist WILLE-Sohn WIEWEIT, der ein recht ausgewogenes Vererbungsbild zeigt und mit einem Persistenzzuchtwert von 124 brilliert. WOBBLER zeigt sich nahezu unverändert, es folgen die im April eingestiegenen DAX und ROYAL. Auf Anhieb in die Top-Ten schafft es mit GS WESER ein weiterer WILLE-Sohn, dessen Stärken ganz klar beim mit 134 extrem hohen Milchwert liegen.

Nur geringe Änderungen gibt es bei den von 11 bis 51 gelisteten Stieren, die stärksten Zugewinne sind bereits die +3 Punkte bei EVERGREEN und MOGLI.

Topliste Jungvererber immer länger
Weiter sehr erfreulich ist die Entwicklung bei den genomischen Jungstieren, wo inzwischen nicht weniger als 206 Stiere mit einem GZW von mindestens 125 gelistet sind. Die Liste führen mit GS MAURIZIO und MANNA zwei MAHANGO-Söhne an, die leider nicht das gewünschte Hornlosgen tragen. Es folgt der altbekannte WALK vor dem nach GZW höchstgereihten MAHANGO-Sohn mit dem P-Allel, METTMACH Pp.
Von den neu gelisteten Jungstieren zeigen GS W1 und MORALIS die höchsten Zuchtwerte bei jeweils ausgezeichnetem Exterieur. Neu ist auch der von allen reinerbig hornlosen am höchsten gereihte MAHANGO-Sohn GS MUNDL PP.

Autor: Ing. Johann Tanzler, AGÖF