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Familie Derler, Birkfeld: Österreichischer Fleckviehzüchter des Jahres 2007

Alles eitel WON(N)E

Das wahrscheinlich turbulenteste und auch schwierigste Jahr als Betriebsführer war für Rosa und Johann Derler in züchterischer Hinsicht das erfolgreichste.
Im oststeirischen Piregg bei Birkfeld gelegen verfügt der Betrieb von Rosa und Johann Derler nur über wenig Eigenfläche. Durch verstärkte Zupachtung von Flächen und etlichen größeren Baumaßnahmen wurde stets versucht, den Vollerwerb abzusichern. Bereits 1992 wurde ein Laufstall mit Melkstand gebaut, 2000 erfolgte eine großzügige Stallerweiterung, einhergehend mit nochmaliger Verbesserung des Kuhkomforts. Nebenbei wurden von Johann Derler gemeinsam mit seinem Bruder zahlreiche Maschinen angeschafft und verstärkt überbetrieblich eingesetzt. Vor allem die Bodenbearbeitung, Silierarbeiten sowie in letzter Zeit das Strohpressen werden in größerem Umfang durchgeführt.

WONE – eine Ausnahmekuh
In den frühen 90er Jahren wurde der Grundstein für die inzwischen hochklassige Herde und nicht zuletzt auch für den „Fleckviehzüchter des Jahres“ gelegt. Auf Anraten von Züchterkollegen machte Hans Derler einen wahren Glücksgriff und kaufte zu einem damals stattlichen Preis zwei wertvolle Zuchtkälber aus einer Betriebsauflösung in Niederösterreich. Eine davon war DIRTECK- Tochter WABI die Mutter von MALF-Tochter WONE und damit nahm die Erfolgsgeschichte ihren Lauf.

WONE war sicher eine der herausragendsten Kühe am Betrieb Derler. Sie wurde in der 2. Laktation zum ersten Mal auf einer Steiermarkschau ausgestellt und beeindruckte damals mit ihrem trockenen Fundament und einem extrem drüsigen Euter. Sie demonstrierte schon damals den gewünschten Typ der haltbaren Fleckviehkuh, was sie mit zunehmendem Alter immer mehr bestätigen konnte. Sie schloss die erste Laktation mit 7.700 kg Milch ab, steigerte sich kontinuierlich und gab ab der zweiten Laktation immer über 10.000 kg Milch. Die Höchstleistung mit 12.344 – 4,71 – 3,47 wurde in der 6. Laktation ermolken.

Embryotransfer – wichtiger Erfolgsfaktor
Es folgten weitere erfolgreiche Schauteilnahmen auf Regional- und Landesebene und vor allem eine intensive Nutzung über Embryotransfer. Mit dem Embryotransferteam von Dr. Johann Wilhelm wurde das genetische Potential von WONE mehr als erfolgreich genutzt. Etliche herausragende Tiere der heutigen Kuhgeneration in der eigenen Herde würde es sonst nicht geben. Zudem zeigen, durch Embryonen- und Tierverkauf, WONE-Töchter auch in anderen Zuchtherden in und außerhalb der Steiermark ihr Können.  

WONE-Söhne sind Spitzenvererber
Zum endgültigen Durchbruch verhalfen die männlichen Nachkommen von WONE. Hier wurden auch die entscheidenden Punkte für den klaren Sieg beim „Fleckviehzüchter des Jahres“ geholt. Insgesamt acht Söhne wurden in der Steiermark, Niederösterreich und auch in Bayern geprüft. Alle acht Söhne kamen mit einem positiven Zuchtwert, fünf schafften den Wiedereinsatz und mit RUM und HOCHKOGL schafften zwei Stiere den großen Sprung in die Gezielte Paarung.

RUM, ein RUMBA-Sohn von WONE, wird mittlerweile international als Teststiervater eingesetzt. Die mittelrahmigen, sehr körperhaften Tiere mit passenden Fundamenten zeigen vor allem im Euterbereich ihre ganz großen Stärken. Die Euter sind drüsig, mit starkem Zentralband versehen und die Striche lassen hinsichtlich Platzierung und Ausbildung keine Wünsche offen. Ein hoch positiver Zellzahlzuchtwert unterstreicht die Euterqualität der RUM-Töchter.

HOCHKOGL (V.: Heron) hat ebenfalls den Sprung in die Gezielte Paarung in Bayern und Österreich geschafft. Die Töchter zeigen im Exterieur ein sehr ausgeglichenes Vererbungsbild. Vor allem die bei solider Milchleistungsvererbung sehr guten Inhaltsstoffe machen ihn zu einem gefragten Vererber.

HORITO (V: Heron) und HARLEKIN (V: Weinox) vererben Kühe mit sehr ansprechendem Exterieur. Die besonderen Stärken liegen wie bei WONE selbst im Fundament- und Euterbereich.

Angesichts dieser Vererbungsbilder dürfen die Züchter sicherlich auch auf die Söhne der WONE-Töchter gespannt sein.

Schicksalsschlag
WONE selbst brachte bei ihrer achten Kalbung noch problemlos ein HERICH-Kuhkalb zur Welt und hat sich im umgebauten Liegeboxenlaufstall von Johann Derler immer sichtlich wohl gefühlt. Sie hätte die 100.000er Traummarke wohl ohne große Mühen erreicht, wäre nicht der verhängnisvolle Großbrand im Juli letzten Jahres gewesen, bei dem neben dem gesamten Stall- und Wirtschaftsgebäude auch WONE selbst ein Raub der Flammen wurde. „Es wäre zu perfekt gewesen, wenn sie auch noch die 100.000 Liter erreicht hätte, aber wir haben dieser Kuh sehr vieles zu verdanken“, meint Hans Derler traurig. 

Neustart im Großformat
Nach diesem herben Tiefschlag für die Besitzerfamilie, die neben all den anderen Sorgen auch noch den Verlust ihrer Ausnahmekuh zu verkraften hatte, geht man nun nach reiflicher Planung nochmals einen großen Schritt nach vorne. Im Bau befindet sich ein Boxenlaufstall für 70 Kühe. Nach vielen Besichtigungen und auch aufgrund der Tatsache, dass komplett neu gebaut werden muss, entschloss sich Familie Derler für den Einbau eines Melkroboters. Die Jungviehaufzucht wird komplett an einem Partnerbetrieb ausgelagert.

„Wir wollen weiter Milch produzieren und die Zeichen stehen günstig“, begründet Hans Derler die getroffene Entscheidung. Bei gutem Bauverlauf hofft man, im Frühling den neuen Stall beziehen zu können und spätestens dann können auch die WONE-Nachkommen unter Melkroboter-Bedingungen ihre Qualitäten unter Beweis stellen. 

Zukunft
Sohn Michael (23) arbeitet nach erfolgreichem Abschluss der Landwirtschaftsschule sowie einer Lehre als Landmaschinenmechaniker seit über einem Jahr am Betrieb und sieht die Zukunft ebenfalls in der Milchproduktion. Er ist moderner Technik gegenüber sehr aufgeschlossen und zuversichtlich, dass die mit den Eltern gemeinsam getroffene Entscheidung zum Einbau eines Melkroboters richtig war. Seine drei Geschwister sind außerlandwirtschaftlich tätig. Markus studiert BWL und führt im Hause Derler den Strohhandel. Christian ist Bankangestellter und schließt demnächst sein Studium ab. Verena besucht die Maturaklasse der HAK in Weiz.

Einer erfolgreichen Weiterführung des Betriebes steht also nichts mehr im Wege. Herzliche Gratulation und alles Gute bei der Umsetzung der ehrgeizigen Ziele!

Autor: Nikolaus Dunst, Rinderzucht Steiermark