Auch das Jungvieh braucht Betreuung

Die Aufzucht der Zuchtkalbinnen stellt die Basis für die zukünftige Milchproduktion dar. Leider wird diesem Zukunftspotential oft nicht die notwendige Bedeutung beigemessen bzw. entsprechender Wert auf eine ordentliche Betreuung gelegt. Obwohl das Jungvieh grundsätzlich wenig Betreuung braucht, müssen bestimmte Bereiche besonders beachtet werden.

Die Kuh von morgen soll eine ideale Rahmen,- Pansen- und Euterentwicklung zeigen, eine gute Fruchtbarkeit besitzen und einen widerstandsfähigen bzw. belastbaren Stoffwechsel haben.

Unterversorgung und mögliche Folgen
Eine Unterversorgung mit Nähr-, Mineralstoffen sowie Vitaminen kann zu Fehlbildungen im Rahmen (klein, rachitisch), eingeschränkter oder fehlender Eierstock- und Hormonentwicklung sowie verminderter Euter- und Bauchspeicheldrüsenentwicklung führen. Verminderte Milchleistung, Fruchtbarkeitsprobleme und anfälliger Stoffwechsel sind die Folgen.

Überversorgung und mögliche Folgen
Eine Überversorgung mit Energie führt zu Verfettung von Körper und Euter. Die Tiere werden früher geschlechtsreif und zeigen beim Belegzeitpunkt oft keine sichtbare Brunst mehr (Maststerilität). Die zu schweren Kalbinnen erfahren bei der Abkalbung eine riesige Stoffwechselbelastung durch eine schwere Geburt. Verminderte Futteraufnahme und Ketose sind die Resultate. Leider wird dies bei Jungkühen selten erkannt. Deshalb sollte bei Jungkühen unbedingt eine Ketonkörpermessung in der Milch oder über das Blut durchgeführt werden, um gegebenenfalls mit propylenglykol-haltigen Präparaten gegensteuern zu können.

Aufzuchtintensität
Betriebswirtschaftlich ist ein frühes Erstkalbealter immer zu bevorzugen. Die körperliche Entwicklung bzw. Reife setzt hier allerdings Grenzen.

Intensive Aufzucht
Bei Stallhaltung ist ein Erstkalbealter bei Fleckvieh von 25-26 Monaten und bei Holstein von 24-25 Monaten anzustreben. Die durchschnittliche Tageszunahme soll demnach bei ca. 750 Gramm pro Tag liegen. Die Aufzuchtintensität ist im ersten Jahr intensiv, im zweiten Jahr hingegen mäßig bzw. verhalten. Verglichen mit Milchviehrationen entspricht die Ration im ersten Jahr einer Mischration für ca. 28 kg Milch (6,5 MJ NEL und 15 Prozent Rohprotein), wobei auf eine zusätzliche Kalkergänzung zu achten ist. Im zweiten Jahr ist die Ration auf dem Niveau der altmelkenden Kühe (5,5 MJ NEL und 13 Prozent Rohprotein). Auch hier ist auf eine zusätzliche Kalkergänzung mit 10-20 Gramm pro Tag zu achten.

Extensive Aufzucht durch Weide- oder Almaustrieb
Werden die Kalbinnen im zweiten Jahr auf eine Weide oder Alm geschickt, erspart man sich viel Aufwand für die Silage- oder Heuproduktion, Futtervorlage sowie Einstreuarbeiten. Diese Ersparnis rechtfertigt eine spätere Erstabkalbung. Trotzdem sollte das Erstkalbealter von 30 Monaten nicht überschritten werden. Das erste Aufzuchtjahr soll im Stall intensiv betrieben werden.
(Auszug aus dem Artikel „Auch das Jungvieh braucht Betreuung“ von DI Gerald Stögmüller, LK NÖ; Fleckvieh Austria Magazin 3/19)