Betriebs-Reportage Fam. Podesser, Trebesing, Kärnten

Der Betrieb befindet sich in der Ortschaft Zelsach, am Anfang des Liesertales in der Gemeinde Trebesing, die durch das erste österreichische Babyhotel weit über die Grenzen hinaus bekannt wurde. Die Entfernung zur Bezirksstadt Spittal/Drau beträgt 15 Kilometer. Der Fleckviehzuchtbetrieb der Familie Podesser ist ein Bergbauernbetrieb mit hoher Hangneigung in 1.000 m Seehöhe.

Erfolgreiche Fleckviehzucht im Nebenerwerb

Ursprünglich war der Betrieb Podesser ein Nebenerwerbsbetrieb mit Pinzgauerhaltung. Die Umstellung auf die Rasse Fleckvieh erfolgte Ende der 60-iger Jahre. 1988 wurde der Betrieb vom derzeitigen Betriebsführerehepaar Peter und Christa übernommen. 1993 trat der Betrieb der Leistungskontrolle und dem Kärntner Rinderzuchtverband bei.
Bei der Übernahme des Betriebes im Jahre 1988 betrug die Gesamtbetriebsgröße 20 ha. Heute hat der Betrieb durch Zukauf von 7 ha Grünland und 14 ha Weidefläche (Alm) eine Größe von 41 ha. Weitere 4 ha werden seit 2006 zugepachtet. Die Richtmenge wurde durch Zukauf von ursprünglich 9.000 kg auf 130.000 kg gesteigert. Die Kuhzahl hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt.

Viele Gründe für Stallneubau

Vor der Errichtung des neuen Stallgebäudes wurden sämtliche Tiere in einem an das Haus angebauten Stall in Anbindehaltung gehalten. Aufgrund der flächenmäßigen Ausdehnung des Betriebes stieg auch der Rinderbestand kontinuierlich an, was zu einem Platzmangel im alten Stall führte. Zusätzlich waren auch noch immer strenger werdende Tierhalterichtlinien ein Grund für eine Neuerrichtung. Da der Betriebsführer schon seit 19 Jahren Hofberater bei der Kärntnermilch ist, wird der Betrieb im Nebenerwerb geführt. Der ältere Sohn Gerald ist schwerst behindert und wird von der Familie gepflegt. Ohne Stallbau hätte der Betrieb im Nebenerwerb nicht mehr bewältigt werden können.

Komfort für Mensch und Tier

Vor dem Stallneubau wurden viele Betriebe besichtigt und auch intensiv geplant, indem man sämtliche Arbeitsabläufe mit in die Überlegung einbezog. Im Vordergrund stand und steht immer ein hoher Standard für Mensch und Tier, die Kosten waren zweitrangig. Der Mensch muss sich bei der Arbeit, die Tiere bei der Erbringung der hohen Leistungen wohlfühlen.
So beträgt die Gangbreite in der Fresszone 4,15 m, sodass sich die Tiere ohne Probleme frei an den anderen, oft ranghöheren, vorbeibewegen können. Der Boden wurde mit Gummimatten versehen und es gibt auch eine Luftschleuse für die Menschen. An der Südseite ist ein Auslauf mit überdachten Hochliegeboxen an den Stall angeschlossen. In der Umstellungsphase vom Anbindestall in den Laufstall gab es keine Ausfälle und auch beim Melken sind am dritten Tag alle Kühe selbst in den Melkstand gegangen. Ein Problem war anfänglich die Annahme der Liegeboxen, da der Boden in den Gängen aufgrund des Gummimattenbelages weich ist und sich die Tiere auch dort hinlegten.

Ausschließlich Reinzucht

Oberstes Zuchtziel ist Fleckvieh in Reinzucht. Ein Einsatz von Red Holstein ist kein Thema, da auch die Reinzuchttiere gute Leistungen erbringen. Großrahmige, elegante, problemlose Kühe mit gut aufgehängten und gut beaderten, drüsigen Eutern werden angestrebt. Auch auf die Körpertiefe, gute Fundamente und eine entsprechende Fleischkomponente wird höchster Wert gelegt. Der Charakter der Tiere ist ebenfalls von großer Bedeutung.
Die Stierauswahl wird nicht nur rein zahlenmäßig durchgeführt, sondern das Gefühl des Betriebsführers auf welche Kuh ein Stier passen könnte, spielt in der Anpaarung eine wesentliche Rolle. Geachtet wird in der Anpaarung sehr wohl auf hohe Sicherheiten.

In der Anpaarung erfolgt die Stierselektion nach folgenden Merkmalen:
•    Gesamtzuchtwert
•    Fitness
•    Rahmen
•    Euter

Derzeit wird mit den Stieren MANITOBA, REGIO, SAMUT und WEINOLD besamt.
Der Fleckviehzuchtbetrieb der Familie Podesser nimmt zu 100 % am österreichischen Zuchtprogramm teil und belegt auch alle Kühe zum 2. Kalb mit einem Teststier. Die vom Kärntner Rinderzuchtverband durchgeführten Anpaarungsempfehlungen werden eingehalten.

MALF – Tochter als Stammmutter

Die Linienzucht spielt eine wesentliche Rolle im Betrieb. MELLI   (V: Malf, MV: Hores) dominiert mit ihren vielen weiblichen Nachkommen. Derzeit befinden sich 13 Töchter, Enkelinnen und Urenkelinnen am Betrieb.
Die Mutter von MELLI wurde im Jahre 1994 als Kalb um damals 18.000 Schilling bei der Zuchtviehversteigerung in Ried ersteigert. Dieser Kauf hat sich schon mehrmals gerechnet, denn MELLI hat bei 8 Abkalbungen 8 weibliche Kälber (1 x Zwillinge) und ein Stierkalb auf die Welt gebracht. Die gesamte Kuhlinie zeichnet sich durch eine gute Persistenz, hohe Zuchtwerte und viel Robustheit aus.

Jungkuhvermarktung ist Ziel

Die weibliche Nachzucht wurde bis jetzt für die Betriebserweiterung und die Remonte gebraucht. Bis jetzt wurde jährlich ein Zuchtstier verkauft. Zukünftig wird eine Jungkuhvermarktung bei den Zuchtviehversteigerungen in St. Donat angestrebt. Alle Stierkälber, die nicht interessant für die Zucht sind, werden mit ca. 8 Wochen verkauft.

Erfolge bei Schauen

Die Familie Podesser nahm im April 2002 an der Jubiläumsrinderschau der VZG Lieser- und Maltatal gleich mit 6 Tieren teil:
ANNA, V: Martini  MV: Holb, 5/4 7.937 – 3,80 – 3,50  579, HL.: 4.  8.915 – 3,86 – 3,52  658, konnte in der Gruppe Kühe mit 4 und 5 Abkalbungen den Reservesieg erreichen.
MELLI, V: Malf   MV:Hores,  8/7 8.763 – 5,26 – 3,82   796, HL.: 3. 10.874 – 5,90 – 3,64   1.037, GZW 112, MW 107, wurde in der Gruppe Kühe mit 2 Abkalbungen zur Siegerin gekürt.

Im Jahre 2002 im Herbst wurde MELLI für die Stiermutterschau in St. Donat und 2004 für die Landesrinderschau in St. Donat ausgewählt und präsentierte sich dort auch in einer TOP Verfassung. MELLI ist auch jetzt noch topfit und hat sich aufgrund ihrer vielen weiblichen Kälber stark vermehrt.
Mit dabei war die Familie Podesser auch mit zwei  Tieren bei der Kärntnermilch Gebietsrinderschau 2006 am Litzlhof.
Nicht einmal 10 Jahre Zuchtbetrieb und schon bei Rinderschauen erfolgreich, dies ist wohl auch eine besondere Leistung.

Funktionär der VZG

Der Betriebsführer ist seit 18 Jahren Feuerwehrkommandant der Freiwilligen Feuerwehr Altersberg und seit 6 Jahren Abschnittskommandant vom Lieser- und Maltatal. Seit 9 Jahren ist Peter Podesser auch Obmannstellvertreter der Viehzuchtgenossenschaft Lieser- und Maltatal.

zu den Fotos

Autor: Ing. Gerhard Altziebler, KRZV Kärnten