Betriebsreportage Aigner Walter, Steiermark

Der Betrieb der Familie Aigner Walter liegt in der waldreichen Hochsteiermark in der Gemeinde Turnau im Bezirk Bruck/Mürzzuschlag. Der auf 785 Meter Seehöhe liegende Betrieb ist das Zuhause der BELLHEIM-Tochter STELLA, der wahrscheinlich gewichtigsten und zugleich einer der produktionsstärksten Kühe in der Steiermark.

Familie Aigner Walter und Roswitha mit Enkel Christoph, Hunderttausender ,,STOLZA‘‘ (V.: Gardian), Johannes und StefanieFamilie Aigner Walter und Roswitha mit Enkel Christoph, Hunderttausender ,,STOLZA‘‘ (V.: Gardian), Johannes und Stefanie

STELLA steht am Betrieb Aigner aktuell in der sechsten Laktation in Produktion. Sie stammt über Generationen von vitalen und nutzungsdauerstarken Kühen ab und ist aktuell die achte Generation in Folge mit zumindest fünf Abkalbungen. STELLA wiegt derzeit 1.250 kg und hat die sechste Laktation mit über 13.600 kg Milch und einer Fett- und Eiweißmenge von 1.304 kg abgeschlossen. Noch dazu war die Ausnahmekuh im Jahr 2014 die fünftbeste Kuh der Steiermark mit 1.224 Fett/Eiweiß-kg und 2015 die neuntbeste Kuh der Steiermark mit 1.204 Fett/Eiweiß-kg.

Die imposante BELLHEIM-Tochter STELLA mit Johannes, Stefanie und Tochter ElisabethDie imposante BELLHEIM-Tochter STELLA mit Johannes, Stefanie und Tochter Elisabeth

Zuchtziel
Natürlich ist eine Kuh wie STELLA auch am Betrieb Aigner eine Ausnahmeerscheinung. Doch man versucht schon seit langer Zeit, auf die großrahmige Fleckviehkuh mit guten Fundamenten und Eutern sowie entsprechender Milchleistung und Fitness zu züchten. Da man im Produktionszweig Milchwirtschaft neben der Milchproduktion auch entsprechend gut entwickelte Stierkälber und Schlachtkühe vermarkten will, ist dieses Ziel auch unumgänglich.

Konstante Fütterung als wichtigste Schraube
,,Die Fütterung fängt nicht am Futtertisch an, sondern beginnt bereits im Boden mit dessen Nutzung und Düngung‘‘, so Johannes. Um den Betrieb den Vorstellungen entsprechend bewirtschaften zu können, stiegen die Aigners aus dem ÖPUL aus.
Für die Milchviehherde wird täglich Futter gemischt. Die AMR setzt sich aus den Komponenten Grassilage, Maissilage, Rapsschrot, Maisschrot, Triticale, Mineralstoffmischung mit Lebendhefe, Natriumbicarbonat und Futterkalk zusammen. Das notwendige Ausgleichskraftfutter wird zu max. 6,5 kg pelletiert über den Transponder angeboten. Alle Kühe werden im Zuge des Trockenstellens mit Depotselen versorgt, das wirkt sich positiv auf die Kälbergesundheit (Saugverhalten) aus.

Intensive Kälberaufzucht
Bei den Kälbern wird ab dem ersten Lebenstag Kälber-TMR sowie Ad-libitum-Tränke mit angesäuerter Milch (Schaumacid der Firma Schaumann) und Wasser angeboten. Die Kälber werden in Einzeliglus bzw. Einzelboxen in der Nähe des Melkstandes gehalten. Stierkälber erhalten sechs Wochen lang Ad-libitum-Tränke und werden anschließend über den Kälbermarkt in Traboch vermarktet. 
Bei den weiblichen wird die Ad-libitum-Tränke nach 14 Tagen auf 2-mal tägliches Tränken umgestellt. Die Kälber erhalten neun Wochen lang 4-5 Liter Milch. Nach dem Absetzen erhalten die weiblichen Kälber noch ungefähr bis zum sechsten Lebensmonat die Kälber-TMR und anschließend drei Monate die aufgewertete Ration der Milchkühe. Die Kälber-TMR setzt sich aus den Komponenten Wiesenheu (1. Schnitt und sehr gute Qualität), Gerstenschrot, Maisschrot, Rapsschrot, Leinsamenextraktionsschrot, Weizenkleie, Mineralstoffmischung mit Jodanteil, Bicarbonat und Melasse zusammen. Für Aigner ist es wichtig, dass das Heu nicht länger als 5 cm bleibt, deshalb mischt er mindestens eine halbe Stunde. Da die TMR relativ rasch an Frische und Geschmack verliert, wird die Vorratsmischung auf maximal 3 Wochen ausgelegt.
Ab dem neunten Lebensmonat erhalten die Jungkalbinnen dann eine Ration aus Grassilage vom 4. Schnitt und Stroh über den Futtermischwagen. Johannes schwört auf intensive Kälberaufzucht. Kalbinnen unter einem Jahr werden nicht geweidet. In der Regel werden die Kalbinnen 1,5-mal gealpt. Fünf Wochen vor dem Kalbetermin werden die trächtigen Kalbinnen in die Kuhherde integriert.

Stallgebäude
Familie Aigner vollzog im Jahr 2008 einen Stallumbau auf Laufstall mit Außenliegeboxen (Tiefstreu) und einen 5er Side-by-Side-Melkstand. 2010 folgten der Neubau eines Jungviehstalles für 23 Stück und ein Güllegruben-Hochbehälter für 570 m³. Am Hof der Familie Aigner verrichten überall Schrapperbahnen die Entmistung, wobei diese bei den Kühen 8-mal täglich zum Einsatz kommen. Im Jahr 2011 folgte der Neubau eines Traunsteinfahrsilos für 400 m³ und im Jahr 2014 nochmals einer mit 550 m³. 2015 wurden weitere Außenliegeboxen errichtet. Aktuell stehen am Betrieb 36 Kühe. Das Ziel der Familie ist es, 40 Kühe bei 38 Liegeboxen zu halten. Um den Kuhkomfort möglichst ins Optimum zu heben, werden die Liegeboxen 2-mal täglich mit gehäckseltem Stroh und 1-mal täglich mit Biolit (Urgesteinsmehl) gerichtet. Des Weiteren wird beim gesamten Kuhbestand alle 4 Monate routinemäßig Klauenpflege durchgeführt.

Züchterstrategie und Schauwesen
Man versucht, die Kuh zu züchten, die zum Betrieb und zum Management passt. Bei der Stierauswahl gibt es keine Kompromisse, es werden bei den nachkommengeprüften Stieren keine Vererber unter 500 kg Milch eingesetzt. Bei den genomselektierten Stieren müssen Vererber mit einem geringeren Milchwert große Stärken im Fundament und Euter aufweisen können, um zum Zug zu kommen. Derzeit wird stark auf junge GENOSTAR-Genetik gesetzt. Ziel ist es, künftig noch mehr Kandidaten für die Genotypisierung hervorzubringen.

Ein starker Kuhstamm im Stall der Familie Aigner ist die STREBE-Linie. Ca. ein Drittel des Bestandes geht auf diese Kuh zurück. STREBE war 8-mal auf Rinderschauen - die höchste Auszeichnung errang sie im Jahr 2000, als sie Verbandssiegerin des damaligen Alpenfleckviehzuchtverbandes wurde und im Jahr 2001, als sie zur Gesamtbundesreservesiegerin ernannt wurde. Den letzten Schauerfolg konnte man beim Jungzüchtercup 2013 in Greinbach einfahren, wo die RICOBAR-RED-Tochter TANNE bei den Kreuzungskühen siegen konnte.
Johannes mit der siegreichen Jungkuh TANNE (V.: Ricobar-Red) beim JZ-Cup 2013Johannes mit der siegreichen Jungkuh TANNE (V.: Ricobar-Red) beim JZ-Cup 2013

Schlachtkühe und Stierkälber werden über den Nutzrindermarkt in Traboch vermarktet. Ziel ist es, qualitativ hochwertige Jungkühe in größerer Stückzahl in den nächsten Jahren auf den Versteigerungen anbieten zu können.

Persönlichkeit
Johannes legt sehr viel Wert auf ein gutes Miteinander - bei Erntearbeiten wird mit 5 bis 6 Betrieben in Nachbarschaftshilfe gearbeitet. Auch die Weiterbildung hat bei ihm einen großen Stellenwert, so ist der Betrieb Aigner seit 2009 Arbeitskreisbetrieb, denn keine Weiterbildung bedeutet auf längere Sicht Stillstand im Betrieb.
Da der Betrieb mitten im Ort liegt, geht Johannes sehr offen auf die Menschen zu. Fährt er zum Beispiel die Gülle auf das Feld, informiert er zuvor seine näheren Nachbarn per SMS. Des Weiteren engagiert er sich in diversen örtlichen Interessensvertretungen und fungiert jederzeit als Exkursionsbetrieb. Man kann daher mit ruhigem Gewissen behaupten, der Betrieb Aigner ist nicht nur Milchviehzuchtbetrieb, sondern auch starker Repräsentant der Landwirtschaft im Allgemeinen gegenüber der Öffentlichkeit.

Betriebsdaten

Aigner Walter, vulgo Hanswirt, Turnau 261, 8625 Turnau

Der Hof der Familie Aigner Walter in Turnau liegt auf einer Seehöhe von 785 m.Lage: Hochsteiermark, Gemeinde Turnau im Bezirk Bruck/Mürzzuschlag; 785 m Seehöhe; Niederschlag ca. 750-1.000 mm
Arbeitskräfte: Roswitha und Walter, Johannes und Stefanie, Praktikant im Sommer (4 Monate)
Betriebsgröße: 27 ha LN Eigengrund, davon 13 ha Acker (5 ha Mais, 5 ha Feldfutter, 3 ha Triticale); 80 ha Wirtschaftswald; Anteile Agrargemeinschaft Turnauer Alm (Gesamtfläche 200 ha)
Betriebsschwerpunkte:  Milchproduktion, Zucht- und Nutzrindervermarktung, Forstwirtschaft
Tierbestand: 35 Milchkühe und 40 Stück weibliche Nachzucht
Leistungsentwicklung
Entwicklung der Milchleistung am Betrieb Aigner Walter, Turnau, von 2004 bis 2016

Siloraum: 1 Traunsteinfahrsilo mit 400 m³, 1 Fahrsilo mit 550 m³, 4 Hochsilos à 80 m³  
Fütterung: AMR ausgelegt für 25 kg Milch; Ausgleichsfutter über Transponder
Kennzahlen der Herde:               
   Erstkalbealter: 26 Monate
   Besamungsindex: 1,6 (Eigenbestandsbesamer seit 6 Jahren)
   Zwischenkalbezeit: 365 Tage
   Durchschnittsalter Kühe: 4,7 Jahre
   Durchschnittliche Zellzahl LKV in 1000: 67
   Lebensleistung: 26.805 kg Milch

Autor: Ewald Fladl, Rinderzucht Steiermark