Betriebsreportage Cornides, Landl, Stmk.

Der Betrieb der Familie Cornides, vlg. Koaser, liegt im Dreiländereck von Steiermark, Niederösterreich und Oberösterreich in der Nähe des Nationalparks Gesäuse, im Ortsteil Mooslandl. Die Milchviehhaltung wurde aufgrund der Umstände vor neun Jahren aufgegeben – statt der Milchkühe stehen nun Kalbinnen zur Aufzucht am Betrieb.

Familie CornidesAm Betrieb vlg. Koaser wurde jahrzehntelang Milch produziert und an die Molkerei Stainach geliefert. Für eine Ausweitung der Milchproduktion waren aber keine zusätzlichen Flächen in Aussicht. Das Stallgebäude war ebenfalls nicht mehr zeitgemäß und so nahm der Betriebsführer einen Nebenerwerb im Holztransportgewerbe an. Da auch seine Frau Karin einen Beruf ausübt, entschloss man sich, im Jahr 2005 eine neue Betriebsform zu wählen. Aus Überzeugung und Freude an der Rinderzucht wählte man schließlich als Alternative die Kalbinnenaufzucht.
Die Flächen des Betriebes sind arrondiert, zu 90 Prozent eben und daher gut zu bewirtschaften. Neben der Rinderzucht spielt auch die Forstwirtschaft eine wichtige Rolle.

Stallneubau

Um die Stallarbeit rationell zu gestalten, baute man 2008 einen neuen Stall. Dieser wurde als Liegeboxenstall mit Hochboxen, Spalten und Auslauf ausgeführt. Die kleineren Kälber werden bis vier Monate auf Tieflaufflächen gehalten. Derzeit wird auch der alte Stall für die Kälber umgebaut und renoviert. Insgesamt ist somit für 60 Tiere am Betrieb Platz.

Fütterung

Die Kälber werden mit unterschiedlichem Gewicht (zwischen 60 und 200 kg) zugekauft. Die kleineren Kälber werden mit Milchaustauscher, Kälbermüsli und Heu gefüttert. Im ersten Aufzuchtjahr werden die Kalbinnen mit Kraft- und Grundfutter intensiv gefüttert. Grassilage und Heu werden am Betrieb selbst produziert, nur Luzerneheu wird in geringem Umfang zugekauft. Das Grundfutter wird jung gemäht, die Qualität ist auch bei der Kalbinnenaufzucht ein wichtiger Faktor. Das Gras wird zu 90 Prozent in Rundballen siliert, circa 10 Prozent als Heu eingebracht. Mineralstoffe und Salz werden den Tieren ebenfalls verabreicht.

Alpung

Die Alpung der Tiere ist dem Betriebsführer sehr wichtig, damit sie gesund und vital bleiben. So werden bis auf einige Tiere, die auf Heimweiden gehalten werden, alle im Sommer drei bis vier Monate gealpt. Aufgetrieben werden sie auf eine Zinsalm in Windischgarsten in Oberösterreich oder auf die eigene Servitutsalm in Landl. Der Kontakt mit den Tieren ist notwendig, darum wird den Tieren wöchentlich auf der Alm Salz verabreicht.

Betriebsorganisation

Die am Betrieb benötigten Maschinen werden zum größten Teil mit den Nachbarn gemeinschaftlich angekauft. So kann man die Kosten für die Außenwirtschaft niedrig halten.
Die Rundballenerzeugung wird über den Maschinenring abgewickelt. Grassilage wird mit einem Ballenabwickler alle zwei Tage vorgelegt. Die Fütterung der Tiere ist sehr rationell organisiert und dauert weniger als 30 Minuten pro Tag.
Tierbeobachtung ist auch bei dieser Betriebsform ein sehr wichtiger Faktor. Diese wird vor allem von Johannes sen. durchgeführt. Insgesamt ist die Arbeitsbelastung dieser Betriebsform relativ gering.
Belegt werden die Kalbinnen nur am Heimbetrieb nach Gewicht und Entwicklung. Das Erstabkalbealter beträgt 25 bis 28 Monate. Die Kalbinnen werden vom Tierarzt regelmäßig auf Trächtigkeit untersucht und gegen Würmer und Leberegel behandelt. Die Besamung erfolgt ebenfalls durch den örtlichen Tierarzt.
Zwei Monate vor der Vermarktung werden die Kalbinnen im alten Stall angehängt. 14 Tage vor der Versteigerung werden sie gewaschen und geschoren. Die Tiere werden führig gemacht, sodass sie am Versteigerungstag bestens präsentiert werden können. Insgesamt werden etwa 25 Tiere jährlich vermarktet. Der größte Teil wird in Leoben versteigert, es werden aber auch Tiere privat vermarktet.
Das Wichtigste ist, dass die Käufer mit den Tieren zufrieden sind. Man bleibt auch nach dem Verkauf mit den Käufern in Kontakt. So erhält man die entsprechende Rückmeldung, ob die neuen Besitzer mit ihren Tieren zufrieden sind. Ziel ist es, hochwertige Zuchtkalbinnen für Zuchtbetriebe zu produzieren.

Zucht und Vermarktung

Großen Wert legt der Betriebsführer auf die Stierauswahl. Es wird mit der aktuellsten Genetik von Genostar besamt. Genomisch- und erbwertgeprüfte Stiere werden jeweils zu circa 50 Prozent eingesetzt. Der Betrieb setzt auch ein gewisses Augenmerk auf leichtkalbige Stiere. In der Zukunft wird man auch vermehrt hornlose Stiere einsetzen.

Jährlich werden rund 25 Zuchtkälber auf den Versteigerungen angekauft. Dabei wird besonders auf Vitalität, Mutterleistung, Euterqualität und Kuhbewertung geachtet. Auch der richtige Vater ist für den späteren Verkauf sehr wichtig.
Im vergangenen Jahr konnte ein durchschnittlicher Verkaufserlös von ca. 2.020 € pro Kalbin erzielt werden. Mehrmals wurde bei der Versteigerung in Leoben der Tageshöchstpreis erzielt. So konnte man im Herbst 2013 eine Kalbin für 2.350 € nach Salzburg verkaufen. Die vermarkteten Tiere bleiben somit nicht nur in der Steiermark, sondern wechseln auch nach Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg. Aktuell stehen Kalbinnen von den Stieren GS OCTAVIUS, GS DIADORA, SYMPOSIUM und GS PANDORA zur Verfügung.

Der Betrieb Cornides wird auch weiterhin im Nebenerwerb bewirtschaftet werden. Betrieb und Familie müssen deshalb gut kombiniert werden, um eine entsprechende Lebensqualität zu erhalten. Ziel ist es, die Freude an der Landwirtschaft und Rinderzucht an die Jugend weiterzugeben. Hochwertige Zuchtkalbinnen und zufriedene Käufer sind auch die zukünftige Grundlage für eine erfolgreiche Kalbinnenaufzucht und Vermarktung.

Betriebsdaten

Cornides Karin und Johannes vlg. Koaser, Mooslandl 180, 8931 Landl

Arbeitskräfte: Betriebsleiterehepaar und Eltern Mathilde und Johannes
Betriebsschwerpunkte: Kalbinnenaufzucht und Zuchtrindervermarktung sowie Forst- und Almwirtschaft
Seehöhe: 500 m, BHK-Punkte: 57
Jahresniederschlagsmenge: 1200–1400 mm
Flächenausstattung: 65 ha Gesamtfläche, davon 18 ha mehrmähdige Wiesen (davon 5 ha Pachtfläche) und 47 ha Wald
Alpung: Servitutsalm in Landl für 15 Stück und Zinsalm in Windischgarsten für 12 Stück
Tierbestand: im Jahresdurchschnitt 45 Kalbinnen und 5 Ochsen
Stallgebäude: 2008 erbauter Liegeboxenlaufstall mit Spalten für 45 Kalbinnen, alter Stall für rund 15 Stück Vieh

Autor: Ing. Fritz Baumann, Rinderzucht Steiermark

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