Betriebsreportage Enzenhofer, OÖ

Stefan Enzenhofer bewirtschaftet gemeinsam mit seinem Vater August in der Gemeinde Bad Leonfelden, im oberen Mühlviertel, einen Fleckviehzuchtbetrieb im Vollerwerb. Bad Leonfelden liegt ca. 15 km westlich von der mittelalterlichen Stadt Freistadt und befindet sich somit im Zentrum der Mühlviertler Rinderzucht.

August Enzenhofer, Freundin Lisa und Stefan Enzenhofer (von links)Der Betrieb Enzenhofer ist bereits seit mehr als siebzig Jahren aktives Mitglied beim Rinderzuchtverband Oberösterreich, dem früheren Fleckviehzüchterverband Mühlviertel-Böhmerwald. Der junge Betriebsleiter Stefan Enzenhofer absolvierte die landwirtschaftliche Fachschule Freistadt und arbeitet seitdem daheim am Betrieb. Stefan interessierte sich von klein auf für die Landwirtschaft und hatte immer schon das Ziel, die elterliche Landwirtschaft im Vollerwerb weiterzuführen.

Neubau Milchviehstall 2010

In den letzten 20 Jahren wurde am Betrieb zweimal ein Stallneubau in Angriff genommen. Bereits 1993 wurde ein Laufstall mit Tiefbuchten und Spaltenböden für 24 Kühe errichtet und löste so die Haltung am Mittellangstand ab. Für das Jungvieh wurden Boxen (Spaltenböden) mit angeschlossenem Tieflauf sowie befestigtem Auslauf errichtet. Der Jungviehstall wird in dieser Form bis heute so genutzt.

Familie Enzenhofer sorgt für den größtmöglichen Kuhkomfort im Stall. Da der 1993 errichtete Laufstall mit Tiefbuchten und Spaltenböden dem nicht mehr gerecht wurde, entschloss sich der Betriebsführer im Jahr 2010 für den Bau eines Kompoststalles in Rundholzbauweise für 50 Kühe. Ca. 190 Festmeter Holz wurden dabei verbaut. Das Dach setzt sich aus drei Pultdächern zusammen. Die Firsthöhe liegt bei 12 m und die Traufenhöhe bei 5 m. Die Dachpaneele sind 4 cm isoliert. Rundherum sind Curtains angebracht. Der Futtertisch ist 5 m, die Schrapperbahn 4,5 m und die Liegefläche 11 m breit. Die Investitionskosten beliefen sich auf ca. 350.000 Euro.

Pro Kuh steht eine Liegefläche (=Kompostfläche) von ca. 10 m² zur Verfügung. Der Stall umfasst daher eine Kompostfläche von 500 m². Die Liegefläche pro Kuh darf aus eigener Erfahrung nicht unter 10 m² fallen, da diese sonst zu feucht wird. Als Einstreumaterial werden Sägespäne verwendet. Zu Beginn wurden diese, wie empfohlen, zweimal täglich während der Melkzeit gegrubbert. Das Resultat war nicht zufriedenstellend. Daher wird die Liegefläche jetzt mit einer Ackerfräse bearbeitet. So wird tiefer durchgemischt und die Rotte schneller in Schwung gebracht. Um den Verrottungsprozess zu optimieren, wird zusätzlich Mischkalk unter die Sägespäne gemischt. Zweimal jährlich wird ausgemistet. Dabei werden die ca. 500 m³ anfallender Kompost direkt auf die Felder und Wiesen ausgebracht. Die Kosten für die Einstreu mit Sägespänen belaufen sich auf ca. € 180/Kuh.

Vorteile eines Kompoststalles
• Natürliches Liegeverhalten möglich (am Morgen liegen alle Tiere)
• Keine offenen Gelenke mehr
• Klauengesundheit hat sich verbessert
• Weniger Klauenwachstum (hoher Tragrand, erwünschte Hohlkehlung, keine Ballenfäule)
• Ausgeprägtes Brunstverhalten
• Keine engen Gänge mehr
• Klauenpflege nur 1,5-mal pro Jahr notwendig
• Nachstreuen von Sägespänen nur alle 2-3 Wochen nötig

Nachteile eines Kompoststalles
• Hohe Einstreukosten (9 bis 14 € pro m³ Sägespäne)
• Schlechte Verfügbarkeit der Sägespäne (17 m³ pro Kuh und Jahr)
• Wärmeentwicklung durch Verrottungsprozess im Sommer

Das Ziel, den Kühen einen größtmöglichen Kuhkomfort zu bieten, sei mit der Errichtung eines Kompoststalles gelungen, berichtet der Betriebsleiter. Daher würde er sich wieder für dieses Stallsystem entscheiden. Der einzig große Nachteil ist der hohe Preis für die Einstreu, der die laufenden Betriebskosten immens erhöht.

Fütterung

Im Jahr 2008 wurde ein Futtermischwagen (Vertikalmischer mit 8 m³) angeschafft. 2012 stellte der Betriebsführer auf einen Paddelmischer (Fremdbefüller mit 12 m³) um. Der Paddelmischer ist niedrig und kann ohne Probleme auch in das alte bestehende Stallgebäude einfahren. Der Mischvorgang erfolgt schonend im „freien Fall“ und verhindert so eine unnötige Vermusung des Futters.

Die Kälber werden bis zu einem Alter von vier Wochen in Iglus gehalten und kommen anschließend bis zum vierten Lebensmonat in eine Entwöhnungsbucht. Die Entwöhnung erfolgt bis zur zehnten Lebenswoche. Gefüttert wird ad libitum eine Kälber-TMR. Ab dem vierten Lebensmonat werden die Jungkalbinnen im Jungviehstall gehalten. Vorgelegt wird Grassilage mit einem Kilo Stroh pro Tier bis zwei Monate vor der Abkalbung.

Die Milchkühe werden in drei Gruppen (frischmelkend, altmelkend, trockenstehend) gefüttert. Die TMR besteht aus 1/3 Maissilage und 2/3 Grassilage. Zusätzlich kommen 0,75 kg Stroh und ca. 4 kg Biertreber pro Kuh dazu. Das Kraftfutter setzt sich wie folgt zusammen: 3,0 kg Gerste und Triticale gemischt; 0,5 kg Körnermais; 0,5 kg Trockenschnitte; 1,75 kg 45%iges Eiweißfutter. Auch die altmelkenden Kühe erhalten diese TMR. Für die frischmelkenden wird die TMR mit einem Kilo Körnermais und einem Kilo Trockenschnitte noch aufgewertet. Für die Fütterung der Trockensteher werden 20 kg TMR pro Kuh im Futtermischwagen zurückgehalten und mit 4 kg Stroh pro Kuh und Mineralstoff vermischt.

Futterlager

Die drei Traunsteinsilos des Betriebes umfassen jeweils 350 m³. Es wird Sandwich-Silage produziert (unten Gras-, oben Maissilage). Seit 2008 wird mit einem Feldhäcksler in einer Siliergemeinschaft geerntet. Der Einsatz eines Feldhäckslers bringt eine hohe Schlagkraft mit sich. Die exakte Schnittqualität ist ebenfalls ein großer Vorteil. Beim Futtermischen mittels Mischwagen wurde so der Zeitaufwand minimiert.

Vermarktung

Die Stierkälber werden im Alter von zwei Wochen an einen Fresserproduzenten verkauft und die Kuhkälber am Betrieb aufgezogen. Die Tiere, die nicht zur Bestandsergänzung dienen, werden als Jungkühe über die Versteigerung in Freistadt vermarktet.

Besamung und Embryotransfer

Der Betriebsleiter Stefan und sein Vater August sind beide Eigenbestandsbesamer. Eingesetzt werden Samen der OÖ. Besamungsstation. Derzeit wird zu 50 Prozent mit genomischen Jungstieren besamt.
Die Kuh LONKA (V: Vanstein), Mutter vom Teststier ENZI, wurde 2012 erfolgreich gespült. Die ersten wertvollen Zuchtkälber sind bereits auf der Welt und werden am Betrieb aufgezogen. Der Embryotransfer soll auch in Zukunft verstärkt genutzt werden.

Züchterische Erfolge

Der erste große Zuchterfolg war der Wiedereinsatz von Stier RAPID (Ralbo x Magnet). Die jahrelange konsequente Zuchtarbeit hat damit ihre ersten Früchte getragen. Derzeit blickt der Rinderzuchtverband OÖ erwartungsvoll auf den genomisch interessanten Jungstier ENZI (Ettal x Vanstein), der 2011 von der OÖ. Besamungsstation angekauft wurde.

Der Betrieb Enzenhofer ist für den RZO seit den letzten Jahrzehnten ein unverzichtbarer Ausstellungsbetrieb. Bei der Bundesfleckviehschau 2009 in Greinbach nahm der Betrieb mit der HADES-Tochter LENKI teil. Bei der Welser Messe 2012 errang die MALINT-Tochter CALYPSO den Gruppensieg bei den Jungkühen.

Resümee

Betriebsführer Stefan hat schon oft sein Können mit Tieren unter Beweis gestellt. Sei es, dass er selbst bei zahlreichen Jungzüchterbewerben erfolgreich teilgenommen, dass er die Kühe des eigenen Betriebes bei den Schauen bestens präsentiert oder dass er bei Messen als Betreuer der Ausstellungstiere oft mitgearbeitet hat. Für den Rinderzuchtverband OÖ. hat Stefan Enzenhofer den Jungzüchterclub Urfahr sechs Jahre mit großem Engagement als Obmann geleitet.
Stefan ist ein innovativer Jungübernehmer. Viele seiner hochgesteckten Ziele hat er durch sein Selbstbewusstsein und seinen Mut erreicht. Für die Zukunft wünscht sich der Betriebsleiter, die Leistung der Kühe noch zu steigern und dabei seine gesunde Milchviehherde zu erhalten. Auch in der Fütterungstechnik wird noch an Veränderungen gedacht.

Betriebsdaten

Stefan Enzenhofer vulgo „Gartner“, Weinzierl 14, 4190 Bad Leonfelden

Lage: 720 m Seehöhe
Niederschlag: 790 mm
Arbeitskräfte: Betriebsleiter Stefan (26 Jahre) und Vater August (59)
Hofübergabe: 1. Jänner 2012; vorher bereits 7 Jahre Betriebspachtung durch Stefan; Ausstieg aus dem Biolandbau mit 1. Jänner 2012
Fläche: 40 ha LN (davon 13 ha gepachtet) und 10 ha Wald
Flächenbewirtschaftung: 22 ha Grünland, 18 ha Acker (1/3 Getreide, 1/3 Silomais, 1/3 Kleegras)
Viehbestand: 40 Milchkühe, 50 Stück weibliche und 3 bis 4 Stück männliche Nachzucht
Leistungsentwicklung:
2006    24,1    7.689 - 4,45 - 3,43 - 606
2010    25,6    8.283 - 4,53 - 3,51 - 666
2012    34,3    7.819 - 4,42 - 3,54 - 622
2013    37,6    8.571 - 4,54 - 3,57 - 695   gleitender Stalldurchschnitt
Kennzahlen: ZZ 164.000   BI 1,6   ZKZ 397
Melktechnik: 2 x 5er-Fischgrät-System Happl mit Abnahmeautomatik, Ausmelkarm kombiniert mit Melkzeugen der Firma Siliconform

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Autor: Günther Holzer, RZO