Betriebsreportage Fam. Ammann, Vlbg.

Das ist die 4. Betriebsreportage innerhalb eines Jahres, für die die Familie Ammann aus Röns zur Verfügung steht: Nach dem Bayerischen Wochenblatt, der Alpengenetik Zeitung und Rinderzucht Braunvieh ist nun FLECKVIEH AUSTRIA zu Gast bei den leidenschaftlichen Züchtern aus Vorarlberg. Der Anlass ist ein sehr erfreulicher: Ihr Zuchtstier JOCKL geht in den Besamungseinsatz.

Vater Michael und Sohn Tobias mit WINNIs zweiter Tochter GS PANDORA WILMAVater Michael und Sohn Tobias mit GS PANDORA WILMA

Vorarlberger Zuchtstrategie generell anders
Bei Braunvieh und Holstein sind es stark zunehmende Gebrauchskreuzungen, die ein erhöhtes Maß an Sicherheit bei den restlichen reinrassigen Anpaarungen erfordern. Damit nimmt man sich die Möglichkeit zur Selektion und die restlichen Kalbinnen müssen „hinhauen". Bei Fleckvieh ist man in Vorarlberg von der einfachsten Selektionsmöglichkeit, dem Drittlandexport, praktisch ausgeschlossen, da die generelle Jungvieh-Alpung schwer mit den Export-Anforderungen vereinbar ist. Bei Fleckvieh gibt es momentan in Vorarlberg einen Aufwärtstrend, der zu einem guten regionalen Markt beiträgt. Dafür sind aber sichere Vererber, speziell im Exterieur, besser geeignet. Der berühmte goldene Mittelweg bietet sich förmlich als Ideal an. Wenn also „mittel" das Beste ist, kann man die Vorarlberger Weise zu züchten zusammenfassen mit:

Mit Sicherheit extrem mittel!
Die Ammanns halten es auch so. Sie schafften es, mit Fleiß und konsequenter Linie als erfolgreicher bodenständiger Durchschnittsbetrieb das Interesse der Agrarmedien zu wecken. Aktiv engagiert sich die Familie in Kirche, Gemeinde, Feuerwehr, Sennerei, Zuchtorganisationen und der Gemeinschaftsalpe. Möglich macht das ein guter Zusammenhalt in der Familie. Die rüstige Oma Hilde verrichtet oft die Melkarbeit, während Frau Margit hauptverantwortlich für den Haushalt und die Büroarbeit ist.
Die gemischtrassige Herde auf der Weide.Bis 1922 lässt sich die Braunviehzucht am Betrieb zurückverfolgen. Fragt man nach einer Lieblingsrasse, bekäme man von jedem Familienmitglied einzeln vielleicht eine Antwort. Insgesamt schätzt man die Vorteile hüben wie drüben und ist einfach zufrieden. Gar nicht mag man diesbezüglich hetzerische Aussagen und Berichte!

Zucht- und Betriebsphilosophie
Da die genomische Selektion nach wie vor mit einer gewissen Unschärfe unterwegs ist, setzt man eher auf geprüfte Vererber. Selbst dann genügen den Ammanns fünf Trächtigkeiten von einem Stier. Neben Milchleistung und noch wichtiger den Inhaltsstoffen müssen Euter, Typ, Rahmen und die Becken entsprechen, um auch gerade nicht gebrauchte Jungkühe gut vermarkten zu können. Aktuell werden bei Fleckvieh WISCONA, JANDA, REMMEL, GS VILSBERG und GS EQUADOR XX eingesetzt.
Mit Heumilch mindestens 8.000 kg pro Kuh in die Sennerei Schlins abzuliefern, ist ein wichtiges, längst erreichtes Ziel. Hohe Pacht- und Baukosten legen nahe, das Vorhandene zu optimieren und nicht um jeden Preis zu wachsen. Z. B. sieht man bei der Lebensleistung noch Möglichkeit, die Wirtschaftlichkeit des Betriebes weiter zu erhöhen.
Stickstoff-Ergänzungsdüngung und eine Warmbelüftung liefern sehr gute Grundfutterqualität und machen einen Stalldurchschnitt von 9.000 kg Milch bei guten Inhaltsstoffen auch im Heubetrieb mit Ganzjahresweide möglich.

W-Linie   
Dem aufgeweckten Jungzüchter Tobias, zuletzt absolvierte er die Preisrichterschulung der Rinderzucht Austria, ist es zu verdanken, dass sich eine Fleckviehkalbin auf den Betrieb verirrte. Sie brachte alles mit, was dem Vater-Sohn-Gespann gefiel. Neben Exterieur und Abstammung entsprach auch das zu erwartende Erstkalbealter von nur gut 24 Monaten der Betriebsphilosophie. „Junge unfertige Jungkühe mit Entwicklungspotential sparen Aufzuchtkosten und sind eher problemlos“, sind sich Vater und Sohn einig.

GS WALDSTEIN-Tochter WINNISo startete WINNI, eine GS WALDSTEIN-Tochter (MV.: GS Rau), ihren Siegeszug. Schleifen von zwei Gesamtsiegen bei der Gebietsausstellung in Schnifis und der Gesamtsieg bei der ersten Vorarlberger Rassenschau bereichern nun den ohnehin schon übervollen Trophäenschrank.
WINNIs Tochter WICKY (V.: GS Versetto)GS VERSETTO WICKY, ihre erste Tochter, ist mittlerweile wiederum eine beeindruckende Gesamterscheinung.
WICKYs Sohn JOCKL (V.: Janda)Ihr erster Nachkomme ist JANDA JOCKL. „Schade", dachte man zuerst, war es doch ein super Kalb, aber eben „nur" ein Stier. Betrachtet man den Stammbaum, erscheint eine Überprüfung auf Erbfehler durchaus sinnvoll. Dazu machte man einen Genomtest, der nicht nur diesbezüglich sehr Erfreuliches hervorbrachte, sondern auch ein ausgeglichenes Zuchtwertprofil mit hohen Abweichungen, da, wo sie auch zu erwarten waren: nämlich beim Rahmen und vor allem beim Euter. Das machte ihn plötzlich zum genetisch höchst interessanten Gesamtpaket. Das Beste aus JANDA, GS VERSETTO und GS WALDSTEIN - da lacht das Züchterherz. Eine tolle Kuhfamilie, ein guter Phänotyp als gut bemuskelter langer Fleckviehstier mit feinem Knochenbau und die immer beliebter werdende Eiweißvariante A2A2 machen ihn alles in allem einfach „extrem mittel“, das dafür mit hoher Sicherheit!

Als hätte es noch weitere Beweise für die Stärke der Kuhfamilie gebraucht, gebar WICKY das Neujahrskalb 2019: WISCONA WELI. WELI wurde ebenfalls genomisch untersucht und untermauert eindrucksvoll die Stärken der Kuhfamilie. Mit GZW 133, der nicht weniger als 10 Punkte über dem Ahnenindex  liegt, ist WELI aktuell die Nummer 3 von 108 weiblichen WISCONA-Nachkommen. Ein makelloses Zuchtwertprofil quer über alle Merkmale hat einen ÖZW von 136 zur Folge, womit sie sogar die Nummer 1 der WISCONA-Töchter ist! Dann kommen die für die W-Familie üblichen Stärken im Exterieur noch dazu: Rahmen 114 und ein Euterzuchtwert Marke „Championsleague“ von 131 schlagen in dieselbe Kerbe wie ihr Halbbruder JOCKL. Er lässt rahmige typstarke Kühe erwarten, die hervorragend beeutert sind. Wie JOCKL hat auch WELI nur geprüfte Vererber im Pedigree und kann daher auch mit hohen Sicherheiten aufwarten.

Mit gGZW 127 befindet sich noch ein interessantes Jungrind aus der G-Linie des Betriebs in Aufzucht. GUGGI ist eine GS VEST-Tochter aus einer exterieurstarken Kuh der Kombination HURLY x WILLE x GS RAU.

JOCKL, die Koseform von Jakob
Der Weg vorbei am Stall der Ammanns ist eine Möglichkeit, den Jakobsweg zu gehen. Er führt von Bludenz kommend über Röns und Satteins weiter nach Rankweil. Die lange Trockenheit, die dem Walgau schwer zu schaffen machte, veranlasste die Ammanns, bereits im Juli des vergangenen Jahres den Viehstand abzubauen. So begann JOCKLs Pilgerfahrt.
JOCKL am AufzuchtbetriebEr musste auf einen Aufzuchtbetrieb überstellt werden. Über die Versteigerung in Dornbirn gelangte er dann an die Besamungsstation Memmingen, einer Stadt, die sich auf der Allgäuer Route des Jakobsweges befindet. Ob er tatsächlich bis nach Santiago de Compostela weiterpilgern muss, damit er die Sinnfrage seines Daseins beantworten kann, werden die Ergebnisse aus dem Prüfeinsatz zeigen.

Betriebsdaten

Familie Ammann, Dorfstraße 12, 6822 Röns

Lage: Der Betrieb liegt in der Gemeinde Röns auf der Sonnenseite der Region Walgau/Vorarlberg.
Fläche: 32 ha, davon 2 ha Magerwiesen und 2 ha Streue
Viehbestand: 25 Milchkühe mit Jungviehaufzucht – zirka 40 Stück Jungvieh
Abgelieferte Milch/Jahr: 190.000 kg
Bewirtschaftungserschwernis: 100 Punkte nach dem Berghöfekataster (BHK)
Arbeitskräfte: Michael Ammann als Betriebsführer, Frau Margit, Sohn Tobias und Mutter Hilde
Herdenleistung FV 2018: 9.108 kg Milch mit 4,17 % Fett und 3,50 % Eiweiß; 700,7 F+E-kg
Aufzucht: Kälberaufzucht im eigens angebauten Kälberstall in zwei Gruppen
Fütterung: reine Heufütterung aus eigener Produktion und Kraftfutter
Alpung: Das gesamte Jungvieh und zirka 6 Kühe verbringen den Sommer auf der Alpe.
Heimbetrieb: Weidehaltung den ganzen Sommer mit Gras-Zufütterung im Stall

Autor: Mag. Gerhard Fruhauf, vorarlbergRIND