Betriebsreportage Fam. Bauer, Spital/Pyhrn, OÖ

Der Rinderzuchtbetrieb Bauer, vulgo „Grössing“ befindet sich in der südlichsten Gemeinde von Oberösterreich, und zwar im wunderschönen Oberweng in Spital/Pyhrn. Auf 700 m Seehöhe bewirtschaftet Familie Bauer erfolgreich einen 25 Hektar-Betrieb mit Milchproduktion und Jungkuhvermarktung im Haupterwerb.

Irmtraud und Herbert Bauer mit den drei Kindern und den ElternDas Betriebsleiterehepaar hat im Jahr 1999 den Betrieb von den Eltern übernommen. Zum dortigen Zeitpunkt gingen noch beide einer außerlandwirtschaftlichen Tätigkeit nach. Aus arbeitswirtschaftlichen Gründen entschied sich die Familie im Jahr 2000, den Stall auf einen Liegeboxenlaufstall umzubauen. Schon damals wurde großer Wert auf viel Platz und Kuhkomfort gelegt. Die Laufgänge sind mit Gussasphalt und Schieberentmistung ausgestattet und alle Liegeboxen mit einer Strohmistmatratze ausgeführt. Für optimalen Liegekomfort werden die Liegeboxen täglich gereinigt und mit Kalk und Stroh nachgestreut. Gemolken wird in einem 5er-Side-by-Side Melkstand. Ab dem Einzug in den neuen Laufstall wurde bei der Züchtung großes Augenmerk auf festes Fundament und gute Euteranlagen gelegt.

Grünlandwirtschaft

Der Großteil des Grünlandes wird viermal gemäht und in Form von Rundballen siliert. Bei der Silagegewinnung besteht eine nachbarschaftliche Zusammenarbeit, wobei der Betrieb mit Front- und Heckmähwerk und einer Rundballenpresse ausgestattet ist. Die Wiesen der Steilflächen werden zur Heugewinnung genutzt und zwei bis drei Mal gemäht. Das Heu wird mittels Altbaukran auf die Heubelüftung verbracht.

Fütterung vom Kalb bis zur Milchkuh

Bis zu einem Lebensalter von neun Wochen erhalten die Kälber maximal 6 Liter Milch, Wasser, eiweißreiches Kraftfutter und bestes Heu. Anschließend erhalten sie Kraftfutter, beste Silage und Heu zur freien Entnahme, damit sich der Pansen gut entwickeln kann. Ab einem Alter von einem Jahr erfolgt die Fütterung im Winter nur mehr mit Heu und Silage. Von Frühling bis Herbst kommen die Jungtiere auf die Weide, wobei die älteren den Sommer auf der Alm, die gepachtet ist, verbringen. Die Kühe erhalten zwei Mal täglich frische Silage, wobei immer ein erster, zweiter und dritter Schnitt vorgelegt wird. Bestes Heu (2. Schnitt) wird ad libidum angeboten. Das Kraftfutter wird über den Transponder je nach Bedarf (bis 10 kg) zugeteilt. Zusätzlich bekommen die Frischlaktierenden im Sommer geschroteten Mais und im Winter Maiskornsilage.

Zuchtziel

Oberstes Ziel ist eine unkomplizierte Kuh, die viel Grundfutter aufnimmt, fit ist und sich durch eine lange Lebensdauer auszeichnet. Bei den Jungkühen wird großer Wert auf gutes Fundament und eine gute Euteranlage gelegt, was auch wichtig für die Vermarktung ist, die über die Versteigerungen in Wels erfolgt.
Vorherrschende Kuhstämme sind die O- und die L-Linie. Um die Melkbarkeit und Euterveranlagung zu verbessern, wurde in den 90er-Jahren mit Rotbuntstieren (FABER, JOKER RED, FINAL, ORIGON und DARWIN) eingekreuzt. Nach dem erreichten Ziel wird wieder Fleckvieh in Reinzucht angestrebt. Erwartet werden zurzeit Kälber von den Stieren WESTERN, ROMARIO, WEBURG, GS RUMGO, MERTIN und MALHAXL. Mit den Vererbern WILLE, MERTIN, ROMARIO und weiteren genomisch interessanten Stieren wird derzeit besamt.

Engagierte Familie

Als im Jahr 2007 das Wohnhaus neu gebaut wurde und der Sturm „Kyrill“ seine verheerenden Spuren im Wald hinterließ, entschied sich der Betriebsleiter, seine außerlandwirtschaftliche Tätigkeit aufzugeben, um sich gänzlich auf den Betrieb konzentrieren zu können. Seit 2002 wird auch aktiv am „Arbeitskreis Milchvieh“ teilgenommen, um sich so weiterzubilden. Der Wissenserweiterung folgen auch Taten – so ist man ständig bestrebt, Verbesserungsmaßnahmen im Betrieb umzusetzen. Die zwei älteren Söhne Johannes und Florian nehmen schon aktiv beim Jungzüchterclub teil und treten so in die Fußstapfen der Eltern, die schon mehrmals ihre Kühe bei Tierschauen präsentierten.
Der Betriebsleiter ist als Ortsbauernobmann und aktives Feuerwehrmitglied tätig, die Betriebsleiterin engagiert sich im Bäuerinnenvorstand und bei zwei Singgruppen. Trotz allem nehmen der Zusammenhalt in der Familie und die Zeit für gemeinsame Unternehmungen einen hohen Stellenwert ein. Erholung findet die Familie vor allem beim Wandern und Bergsteigen sowie im Winter beim Schifahren. Für die Zukunft wünscht sich die Familie Bauer viel Gesundheit und weiterhin viel Freude und Kraft, ihren Betrieb weiterzuentwickeln.

Betriebsdaten

Irmtraud und Herbert Bauer, vulgo „Grössing“, Oberweng 164, Spital/Pyhrn

Seehöhe: 700 m
Niederschlagsmenge: 1.200 mm
Eigenbestandsbesamer: seit 1997
Mitglied beim AK–Milch: seit 2002
Flächenausstattung: 25 ha Dauergrünland (zum Teil zugepachtet),  davon 18 ha 4-schnittig zur Rundballensilage, Steilflächen zur Heugewinnung mit Belüftung; 2 ha Wald; 25 ha Almfläche (gepachtet)
Betriebsschwerpunkt: Milchproduktion, Jungkuhvermarktung
Viehbestand: 20 Milchkühe mit weiblicher Nachzucht
Leistungsentwicklung:
Jahr    Anzahl    M-kg      F %    E %    F+E-kg
2011      21,0      10.705    4,03    3,32      786
2010      19,6      10.611    4,01    3,40      786
2009      18,7      10.311    3,89    3,40      752
2008      19,3        9.345    4,04    3,46      701
2007      18,3        8.932    4,07    3,37      664
Die durchschnittliche Lebensleistung der Kühe liegt bei 35.000 kg Milch.
Mitglied beim Rinderzuchtverband und bei der Leistungskontrolle seit dem Jahr 1967.
Bauliche Entwicklung:
2000    Umbau und Stallerweiterung auf einen Liegeboxenlaufstall mit Tiefboxen und Schrapperentmistung, 5er-Side-by-Side Melkstand
2007     Neuerrichtung des Wohnhauses
2009     Errichtung einer Heukrananlage

Autor: Johannes Penz, RZO

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