Betriebsreportage Fam. Farnleitner, Steiermark

Auf 540 m Seehöhe in der oststeirischen Gemeinde Naas bewirtschaften Gabriele und Rudolf Farnleitner einen Fleckviehzuchtbetrieb mit Direktvermarktung. Aufgrund ihrer Leidenschaft und Freude an der Zuchtarbeit hat sich die Familie in sehr kurzer Zeit eine leistungsstarke Fleckviehherde aufgebaut.

Im Frühjahr 1998 fand die Übergabe des Betriebes an den gelernten Tischler Rudolf Farnleitner statt. Zu dieser Zeit wurden am Betrieb 12 Milchkühe mit eigener Nachzucht gehalten. Da der frisch gebackene Hofübernehmer seinen Hauptberuf in der Milchwirtschaft sah, wurde gemeinsam mit der Familie an einem Offenfrontstall in Holzbauweise geplant. Gebaut wurde der Stall für 30 Milchkühe und die eigene Nachzucht. Das bestehende Gebäude wurde in den neuen Stall integriert, sodass nun durch die offene Front viel Licht in den Stall gelangt. Im Liegeboxenlaufstall wurden Tiefboxen und ein Spaltenboden eingebaut. Bei der Melktechnik entschied sich die Familie für einen 2 x 2 Fischgräten-Melkstand. Die Abkalbebox beträgt 16 m². Zu den Liegeboxen wurde eine 30 cm hohe Stufe gebaut, die laut Betriebsführer die Kühe fit hält. 2009 wurden Gummimatten auf die Spalten verlegt.

Die Milch wird größtenteils an die Berglandmilch geliefert. 28.000 Kilo können als Rohmilch direkt vermarktet werden. Abnehmer sind ein Pensionistenheim und das Weizer Bundesschulzentrum in der Umgebung.  5.000 bis 6.000 kg Milch werden an Schafbauern zur Lämmeraufzucht verkauft.   

Fütterung mit Mischwagen
Ziel des Betriebsführers ist es, einen Großteil des Kraftfutters mit der Mischration zu füttern. Um eine bestmögliche Pansenaktivität zu erhalten, wird die Gras- und Maissilage mit Kraftfutter für 30 kg Milch aufgewertet. Die leistungsstärkeren Kühe holen ihr restliches Kraftfutter über den Transponder ab, somit wird die Wartezeit vor dem Transponder verringert. Maximal werden 9 kg Kraftfutter pro hochlaktierende Kuh gefüttert.
Vorgelegt wird möglichst energiereiches Grundfutter. Besonders auf den Schnittzeitpunkt wird geachtet. Jährlich wird fünf Mal gemäht. Die Düngung mit Gülle erfolgt nach jedem Schnitt. Durch die Investition in eine Heubelüftungsanlage konnte die Heuqualität gesteigert werden. Heu wird über eine Heuraufe ad libitum angeboten.

Zuchtziel: ausgeglichene, unauffällige Kühe
Familie Farnleitner setzt auf wirtschaftliche Kühe mit einer hohen Grundfutteraufnahme. Ihr Zuchtziel definiert eine mittelrahmige Fleckvieh-Kuh im eleganten Doppelnutzungstyp. So wird auch bei der Anpaarung auf trockene, stabile Fundamente, ausgeglichene Euter mit einer guten Textur sowie auf Persistenz und Zuchtwert geachtet. Um dieses Ziel zu erreichen, werden Stiere wie GS WILHELM, WAL, GS RUMGO, GS RUM, GS RAU, IMPOSIUM, MANITOBA,… eingesetzt. Ein Anliegen des Betriebsführers ist auch der Teststiereinsatz auf seine Zweitkalbskühe. Bei Kalbinnen werden nicht hohe Leistungen, sondern eine Einsatzleistung von ca. 30 kg verbunden mit einer guten Persistenz und Steigerung der Leistung in den Folgelaktationen bevorzugt. Der durchschnittliche Gesamtzuchtwert der Kühe ist auf einem sehr hohen Niveau von 116.

Zellzahlgehalt super
Trotz des hohen Leistungsniveaus von 10.385 kg Stalldurchschnitt und früherer Einkreuzung von Red Holstein achtet Familie Farnleitner stets darauf, mit dem Zellzahlgehalt unter 100.000 zu bleiben. Im letzten Jahr lag der durchschnittliche Zellzahlgehalt bei 95.000. Solche Werte werden unter anderem durch strikte Melk- und Boxenhygiene erreicht. Die Tiefboxen werden zwei Mal täglich gesäubert und nachgestreut. Beim Trockenstellen werden jene Kühe, die einen Zellgehalt über 100.000 aufweisen, mit Trockenstellern behandelt.

Kuhkälber sind die Kühe von morgen
Die Kuhkälber werden zwei Monate mit Vollmilch getränkt und dann konsequent abgespänt, damit sich der Pansen optimal entwickeln kann. Daher wird ab der zweiten Lebenswoche  Heu, Kälberstarter und Wasser ad libitum angeboten. Den Kalbinnen bis zum ersten Lebensjahr wird die Mischration der Kühe mit etwas Heu und Kraftfutter verabreicht. Kalbinnen ab dem ersten Lebensjahr erhalten eine Grassilage-Stroh-Ration. Weiters wird Heu von zweimähdigen Wiesen angeboten. Im Sommer genießen die Kalbinnen eine nahe liegende Weide.

Zukunftsperspektiven
Die Familie Farnleitner legt großen Wert auf Weiterbildung und konnte vom Arbeitskreis Milchvieh viele praxistaugliche Empfehlungen umsetzen, um so die Wirtschaftlichkeit zu optimieren. Ziel des Betriebsleiterehepaares ist es, weiterhin als Vollerwerbsbetrieb ein gutes Einkommen in der Milchproduktion zu erzielen.
Mit dem Betrieb Farnleitner findet sich ein weiterer Spitzenzüchter im Bezirk Weiz, der auf fitnessstarke, wirtschaftliche Kühe setzt, die man auf so mancher Schau bewundern kann.

Betriebsdaten

Familie Farnleitner, vlg. Hofstattfloach, Sturmberg 26, 8160 Naas

Seehöhe, Niederschläge: 540 m, 800 – 1.000 mm
Familie:
Ehepaar Gabriele und Rudolf Farnleitner, Töchter Veronika (22), Theresa (12), Sohn David (20), Eltern Rosa und Rudolf
Betriebsgröße: 36 ha (davon 26,5 ha Pacht), davon 24 ha Dauergrünland, 9 ha Acker (5 ha Feldfutter, 4 ha Silomais), 3 ha Hutweide, 12 ha Wald
Viehbestand:
62 Stück, davon 26 Milchkühe
Herdendurchschnitt:
2009  27,3-10.385-4,11-3,49-789

Autor: Martina Wagner, Rinderzucht Steiermark

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