Betriebsreportage Fam. Friedl, Unterlamm, Steiermark

Seit Anfang April 2009 stehen die österreichischen Jungzüchter unter neuer Führung durch den 23-jährigen Christian Friedl aus Unterlamm. Beim Besuch auf seinem Heimatbetrieb stößt man auf so manche ungewöhnliche Geschichte und entdeckt eine wahre Schatzkiste voll züchterischer Leckerbissen.

Im Jahr 2000 stand man am Betrieb Friedl vor der Entscheidung die Bewirtschaftung aufzugeben oder den Betrieb in eine neue Richtung zu lenken. Nicht zuletzt die Begeisterung des damals 14-jährigen Christian für die Jungzüchterarbeit und die daraus resultierenden Erfolge ließen das Interesse an der Fleckviehzucht in der Großfamilie Friedl wachsen. Man entschloss sich, in die Rinderzucht einzusteigen und mit der Leistungskontrolle zu beginnen. 2004 war ein Stallneubau trotz exponierter Hanglage des Baugrundes, aber auch der bewirtschafteten Fläche, beschlossene Sache. Gemeinsam mit dem Stallneubau, bei dem die Grundsätze des Kuhkomforts (Licht, Luft, Liegen) eine zentrale Rolle spielten, wurden auch erhebliche Mengen an Quote zugekauft. Innerhalb von 9 Jahren stieg die Kuhzahl am Betrieb von 2 auf über 35, wodurch die Errichtung von Außenliegeboxen sowie die aktuell fertiggestellte Adaptierung der Melkanlage auf einen 8-Fischgrät notwendig wurden.

Fütterung mit Mischwagen
Vor kurzem wurde die Futtervorlage und Rationsgestaltung auf Mischwagen und AMR umgestellt. Gründe der Arbeitserleichterung und der besseren Stoffwechselstabilität bei hohen Leistungen gaben für diese Investition den Ausschlag.

Investition in Genetik
Wichtigster Antriebsmotor für die außergewöhnlichen Entwicklungen am Betrieb Friedl ist mit Sicherheit die züchterische Begeisterung und die Bereitschaft, in beste Genetik aus den bekanntesten Familien der Fleckviehzucht zu investieren, die von Christian und seinen Brüdern Gilbert und Josef gleichermaßen geteilt werden. Versuchte man in den Anfangsjahren Tiere und Embryonen aus den bekanntesten Kuhstämmen der Steiermark zu erwerben, so findet sich heute Genetik aus verschiedensten Zuchtgebieten Österreichs und Bayerns im Stall der Friedls.

Tier - NachzuchtKuhstamm
NUSSI (V.: Radon), 8 Nachkommen
WENUS (V.: Ruap),  9 Nachkommen
DELINA (V.: Waterberg), Dornrose (Vanstein)
BERLIN (V.: Winnipeg), 5 Nachkommen
ROYAL (V.: Vanstein), 11 Nachkommen
WELONA (V.: Herich), 1 Nachkomme
BARCELONA (V.: Hutmann), 5 Nachkommen
LAS VEGAS (V.: Don Juan), 17 Embryonen
BELLAFLORA (V.: Rurex)
BRITNEY (V.: Zahner), BAWARIA (V.: Zahner)
INDIA (V.: Raub), INDIANAPOLIS (V.: Raub)
N-Linie (NULLERL),  Brunnhofer Johann, Gasen, Stmk.
W-Linie (WARIANA), Götz Markus, Bayern (MYHTOS, MANTUA)
D-Linie (DORIS), LFS Hatzendorf, Stmk.
B-Linie (BOVA), Bürger Dieter, Bayern (MADERA, MALHAXL)
R-Linie (RESL), Bürger Dieter, Bayern (RAFFAEL)
W-Linie (WONE), Derler J., Birkfeld (RUM, HORITO, HOCHKOGL), Stmk.
B-Linie (BAVARIA), Schmidt Gerhard, Bayern
L-Linie (LIRO), Fischer Paul, Bayern (DIDEROT, DYONISOS)
B-Linie (BELLA), Ratzberger Johann, NÖ
B-Linie (BIBI), Assigal, Eibiswald, Stmk.
I-Linie (INGRID), Oblinger Alois, Bayern (ROTTMANN)



Zuchtfortschritt über ET
Besondere Beachtung muss im Zusammenhang mit der Entwicklung der Zucht am Betrieb dem Bereich Embryotransfer geschenkt werden. Seit Jahren wird versucht, die erworbene Genetik erfolgreich über ET zu vermehren. Gemeinsam mit dem ET-Team von Dr. Wilhelm, Anger konnten hier bewundernswerte Ergebnisse erreicht werden. Insgesamt wurden an die 150 erstklassige Embryonen gewonnen. Aktuell stehen 52 Tiere aus ET am Betrieb.

Zuchtstrategie
Angesprochen auf sein Zuchtziel, nennt Christian Friedl die gut mittelrahmige Kuh mit sicherem Fundament und drüsigem Euterkörper. Erwartet wird auch eine gewisse Leistungssicherheit und Frühreife, da die Zuchtrindervermarktung trotz Aufstockungsphase eine Rolle spielt. Über der absoluten Leistung stehen allerdings das züchterische Potential (Zuchtwert) sowie die Wertigkeit des Pedigrees. Dieselben Maßstäbe werden in der Auswahl der Besamungsgenetik angewandt. Zuchtwert- und milchmengenstarke Vererber mit ansprechendem Fundament und Eutervererbung machen meist das Rennen. Vor allem bei der Auswahl zum ET und der Gezielten Paarung der Stiermütter wird auch auf die Aktualität des Vererbers Wert gelegt. Zweitkalbskühe werden ausnahmslos mit Teststieren besamt. Die konsequente Verfolgung dieser Ziele beweisen die Zuchtwerte der jüngeren Genetik am Betrieb: GZW 142 - DORNROSE (V.: Vanstein), GZW 142 - BERLIN (V.: Winnipeg), GZW 141 - NADIA (V.: Winnpeg), GZW 133 - DELINA (V.: Waterberg). Der durchschnittliche GZW der Herde liegt bei beachtlichen 115 Punkten.

Zucht- und Schauerfolge
Christian Friedl hat mit seinen 23 Jahren bereits alles gewonnen, was man in Österreich als Jungzüchter gewinnen kann. (Bundeschampion Vorführung, Landeschampion in Typ und Vorführung). Im Vorjahr schob sich der Betrieb erstmals unter die Top 10 der leistungsstärksten Betriebe Österreichs und konnte mit DELINA (V.: Waterberg) die leistungsstärkste Jungkuh bundesweit stellen. Als Aussteller ist der Betrieb Friedl seit einigen Jahren fixer Bestandteil der steirischen Landesschau. Im Juni dieses Jahres konnte der Gewinn des Titels „Champion Jung“ auf der Gebietsrinderschau Südost mit der Kuh BERLIN (V.: Winnipeg) gefeiert werden. Insgesamt 16 ausgestellte Tiere (9 Kühe, 7 Jungzüchtertiere) beweisen die hohe Qualität der Herde aber auch das Engagement der gesamten Familie. Mit Spannung wird das Ergebnis der fünf an Besamungsstationen verkauften Teststiere erwartet.

Alle halten zusammen
Mit Sicherheit ein weiteres Novum am Betrieb Friedl ist die Verteilung der anfallenden Arbeit und der damit verbundene Zusammenhalt in der Familie. Christian ist hauptberuflich  in der LFS Hatzendorf beschäftigt und managt somit neben seinem Heimatbetrieb eine weitere Herde mit über 11.000 kg Leistungsvermögen. Der Vater sowie zwei Brüder erledigen die Hauptarbeiten in der Landwirtschaft und Rinderhaltung. Dem Betrieb ist ein Pflegeheim angeschlossen, welches hauptsächlich von Mutter und Schwiegertochter betreut wird.

Für Zukunft rüsten
Statt sich auf bereits erreichten Lorbeeren auszuruhen, will man am Betrieb Friedl mit voller Konsequenz weiter an den immer wieder neu gesteckten Zielen arbeiten. Ziele, wie eine leistungssichere, vitale Herde aufzubauen, gute Kuhstämme zu züchten und diese intensiv zu vermehren. Trotz 200 % Einstellung ist zu hoffen, dass die Rahmenbedingungen für Milch und Zuchtvieh es ermöglichen, diese Ziele wirtschaftlich zu erreichen. Von Seiten der Familie wird nach dem Motto „Jetzt erst recht“ versucht, durch kontinuierliche Verbesserung von Genetik und Umwelt die schwierige Phase zu übertauchen und für kommende Zeiten bestens gerüstet zu sein.

Betriebs-Daten

Familie Friedl, Oberlamm 68, 8352 Unterlamm,Telefon: 03155-8492

Lage: 330 m Seehöhe
Betriebsgröße: 60 ha landwirtschaftliche Nutzfläche (40 ha gepachtet) davon 28 ha Dauergrünland und 30 ha Acker (10 ha Silomais, 5 ha Getreide, 15 ha Feldfutter) sowie 2 ha Wald                       
Viehbestand: 105 Stück davon 35 Milchkühe, 20 Stiere zur Zucht, 50 Stück weibliches Jungvieh   
Leistungsentwicklung:
2000          2 –   9.384 – 3,45 – 3,46 – 647
2002          5 –   7.596 – 4,11 – 3,52 – 579
2004        10 –   7.514 – 4,24 – 3,71 – 597
2006        10 – 10.184 – 4,11 – 3,66 – 790
2008        27 – 11.648 – 4,02 – 3,60 – 887
gltd. 09    30 – 11.489 – 4,39 – 3,58 – 916

zu den Fotos

Autor: Ing. Reinhard Pfleger,  Rinderzucht Steiermark