Betriebsreportage Fam. Görlitzer, Gresten-Land, NÖ

Der Betrieb Görlitzer kann durchaus als Spätstarter in der Rinderzucht bezeichnet werden. So hat man erst 2003 beschlossen, dem Zuchtverband beizutreten. Durch das große Interesse des Betriebsleiterehepaares wurde in den letzten Jahren nicht ein Einstieg, sondern ein Aufstieg zur Spitze in Sachen Zucht und Vermarktung hingelegt.

Familie Görlitzer; stehend v. l.: Michael, Josef, Elisabeth und Christine; vorne sitzend: Franziska und HeleneFamilie Görlitzer; stehend v. l.: Michael, Josef, Elisabeth und Christine; vorne sitzend: Franziska und Helene

Die gut 20 Kühe umfassende Herde des Zuchtbetriebes wird in einem adaptierten Tiefboxenlaufstall mit Spaltenboden und einem Auslauf gehalten. Die weibliche Nachzucht wird auf Hochliegeboxen auf Gummimatten aufgezogen.
Die Tiere bekommen 2-mal täglich mittels Muskelkraft das Grundfutter vorgelegt. Bei den laktierenden Kühen besteht die Ration aus Grassilage, Maissilage, Biertrebern und Heu. Die Kraftfuttergabe erfolgt leistungsspezifisch über den Transponder.
Betrieb Görlitzer vulgo Marberg, Gresten-Land, NiederösterreichBetrieb Görlitzer vulgo Marberg, Gresten-Land, Niederösterreich

Starker Jungkuh-Vermarkter
Aufgrund der großen Begeisterung für die Rinderzucht hat man sich vor einigen Jahren dazu entschieden, die gesamte Nachzucht am Betrieb abkalben zu lassen. Jungkühe, welche nicht für die Bestandesergänzung gebraucht werden, bietet man in Bergland bei der Zuchtviehversteigerung an. Mit nahezu 20 verkauften Jungkühen jährlich zählt man zu den stärksten Vermarktern in Niederösterreich.
MINT-Tochter GUNDULA, 100 Tage: 3.229-3,61-3,23MINT-Tochter GUNDULA, 100 Tage: 3.229-3,61-3,23

MINT-Tochter VALENTINA, 270 Tage: 8.783-3,44-3,43MINT-Tochter VALENTINA, 270 Tage: 8.783-3,44-3,43

Züchten bedeutet jedoch auch immer selektieren. Durch die überragende Qualität der Erstlingskühe im letzten Jahr brachte man es nicht übers Herz, die besten zu verkaufen. Dies führte zu einer schärferen Selektion bei den älteren Kühen und somit zu einer Verjüngung im Bestand. Man braucht sich jedoch auch in den nächsten Jahren keine Sorgen um die Qualität der Nachzucht am Betrieb Görlitzer zu machen. Mit der typstarken und hochgenomischen HERZSCHLAG-Tochter LADYBIRD kalbt im August der erste große Hoffnungsträger. Kurze Zeit später folgt eine der höchsten MONUMENTAL-Töchter: GOERLI überzeugt neben den sehr guten Exterieurwerten auch mit einem sehr ausgeglichenen Zuchtwertprofil auf höchstem Niveau. Ihre um fast genau ein Jahr jüngere Halbschwester GERLI ist bei den typisierten MIAMI-Töchtern aktuell die Nummer 3.

Besamungsstiere – kein Kompromiss beim Exterieur
Beim Stiereinsatz setzt man sehr stark auf genomische Jungvererber. Auf eine breite Streuung sowie gute Kuhfamilien wird hier besonders hoher Wert gelegt. NK-geprüfte Vererber werden nur sehr gezielt eingesetzt und puncto Exterieur gibt es keine Kompromisse.

Schön und leistungsstark
Auftrumpfen konnte man in den letzten Jahren auch auf den Rinderschauen in Niederösterreich. Beim NÖ Almwandertag 2017 war Familie Görlitzer mit den Kühen HILDA (V.: GS Mounteverest) und VERENA (V.: GS Vital) vertreten. HILDA holte nicht nur am Almwandertag den Gesamtsieg bei den Jungkühen, sondern überzeugte auch bei der NÖ Landesschau 2018 den Preisrichter. Mit ihrem enorm langen und drüsigen Euter konnte sie sich den Gruppeneutersieg sichern. Besonders stolz sind die Betriebsführer auch darauf, dass die beiden „Damen“ nicht nur zu den schönsten, sondern auch zu den leistungsstärksten Tieren im Stall zählen.
GS MOUNTEVEREST-Tochter HILDA wurde beim niederösterreichischen Almwandertag 2017 JungkuhsiegerinGS MOUNTEVEREST-Tochter HILDA wurde beim niederösterreichischen Almwandertag 2017 Jungkuhsiegerin

Das nächste Projekt
Das nächste Projekt steht im Hause „Marberg“ bereits in den Startlöchern: Betriebsnahe, zusätzliche Pachtflächen ermöglichen es, einen neuen Stall für ca. 40 Milchkühe zu errichten. Für das Jungvieh bietet danach der „alte“ Milchviehstall genügend Platz. Wichtig ist dem Ehepaar, den Viehbestand an die Fläche anzupassen und nicht umgekehrt.
Der Betrieb Görlitzer will in Zukunft auch mithilfe des Embryotransfers seine hochtypisierten Jungrinder nutzen und hofft dadurch, auch auf der männlichen Seite erfolgreich zu sein. Es sind jedoch die Freude und der Umgang mit den Tieren, welche die Herzen der Züchterfamilie höher schlagen lassen.

Betriebsdaten

Lage: südwestliches Niederösterreich, Gemeinde Gresten-Land , Hoflage auf 442 m Seehöhe, NS ca. 1.100 mm
Familie: Betriebsleiterehepaar Elisabeth und Josef, Kinder Michael (20), Christine (18), Franziska (15) und Helene (6), Großmutter Maria
Flächenausstattung: 41 ha Grünland, 3,4 ha Wald
Betriebsschwerpunkte: Milchproduktion, Zuchtrindervermarktung
Tierbestand: ca. 24 Kühe, ca. 65 Stück weibliche Nachzucht, ca. 15 Stiere
Kennzahlen 2018:
Erstkalbealter: 26,4
Besamungsindex: 1,7
Ø Lebensleistung: 32.338
Leistung:    
Milchleistungsentwicklung

Autor: Josef Himmelsberger, NOE Genetik