Betriebsreportage Fam. Kleemair, Seckau, Stmk.

Auf 890 m Seehöhe am Südabhang der Niederen Tauern im steirischen Murtal liegt der Milchviehzuchtbetrieb der Familie Kleemair vulgo Aich. Die Hauptproduktionszweige sind die Milchproduktion sowie der Zuchtviehverkauf. Einige Tage im Jahr wird der Betrieb auch zur „Schule am Bauernhof“, dabei hilft die ganze Familie mit und vermittelt Schülern Wissenswertes rund um die Milchviehhaltung.

Familie Kleemair: Ingrid und Siegfried Kleemair, Siegfrieds Mutter Maria Kleemair, Söhne: Lukas (Kontrollorgan beim LKV) mit Melanie, Dominik (Landmaschinenmechaniker) mit Christina, Michael (Landmaschinenmechaniker) und Daniel (Maschinenbautechniker)Familie Kleemair: Ingrid und Siegfried Kleemair, Siegfrieds Mutter Maria Kleemair, Söhne: Lukas (Kontrollorgan beim LKV) mit Melanie, Dominik (Landmaschinenmechaniker) mit Christina, Michael (Landmaschinenmechaniker) und Daniel (Maschinenbautechniker)

Aufgrund der geographischen Lage und knapp 1.000 mm Niederschlag wird das Grünland als Dauerwiese genutzt. Eine ordentliche Grasnarbe wird mit einer bedarfsgerechten Düngung und einer jährlichen Nachsaatmischung (Klee) erreicht.  Die gesamten Grünflächen werden in der Regel viermal gemäht. Das Grundfutter wird in Form von Ballensilage bzw. Heu verarbeitet, der Mais hingegen kommt in den Fahrsilo, wobei gut 3 ha Mais zugekauft werden.

Kühe auf der Weide
Die Futterration der Milchkühe besteht aus 65 Prozent Grassilage und 35 Prozent Maissilage.  Aufgewertet wird diese Fütterung durch Heu und Kraftfuttergabe. Über den Transponder bekommen die Kühe bis zu 7,5 kg Kraftfutter, je nach Leistung und Laktationstag. Eine Mineralstoffmischung sowie Salzlecksteine befinden sich zur freien Aufnahme im Stall verteilt. Ab dem dritten Aufwuchs werden die Milchkühe geweidet, Trockensteller befinden sich  auf der Weide bzw. im Tieflaufstall.

Gebäude und Maschinen
Bei der Hofanlage wurden in den vergangenen Jahren laufend Erneuerungen durchgeführt, erbaut wurde er 1927.  Im Jahr 2005 kam es zum Um- bzw. Neubau des Stallgebäudes. Der Kuhbereich wurde als Laufstall mit komfortablen Tiefboxen, planbefestigten Laufgängen und einem Schrapper für den Mist errichtet. Gemolken wird im alten Stallgebäude mittels Rohrmelkanlage. Der Kälber- und Nachzuchtbereich ist im alten Gebäude untergebracht. Der Betrieb ist komplett selbst mit Maschinen ausgestattet.

Betrieb Kleemair vulgo AichBetrieb Kleemair vulgo Aich

Viehbestand und Aufzucht
Am Betrieb Kleemair werden rund 44 Milchkühe sowie ein Teil der weiblichen Nachzucht gehalten. Der restliche Teil der Nachzucht ist für einen Tagespreis auf einen Partnerbetrieb ausgelagert, auf dem die Tiere eine volle Weide- und Almsaison verbringen. Gut zwei Monate vor der ersten Abkalbung kommen die Kalbinnen wieder retour auf den Hof. Die Kleemairs sind überzeugt, dass der züchterische Erfolg bereits im Kälberstadium beginnt. Damit sich die Kälber gut entwickeln können, entschied sich das Betriebsführerehepaar, die Tiere mit angesäuerter Vollmilch zu versorgen. Zusätzlich wird ein Kälberstarter und Heu zur freien Aufnahme angeboten.

Durch beste Aufzucht, breiteingesetzte Genetik und ausgeglichenen Umgang mit den Tieren  wird versucht, eine handsame, produktive Milchkuh für die Vermarktung zu züchten. Im abgelaufenen Jahr 2017 konnten 15 Jungkühe über den Vermarktungsstandort Traboch zu guten Erlösen vermarktet werden. Weiters werden Zuchtkälber und Jungkalbinnen über Zuchtrinderversteigerungen und Exporte gut verkauft. Die Stierkälber werden zur Gänze mit sechs Wochen über den  Zentralviehmarkt Traboch vermarktet.

Besamung und Zuchtphilosophie
Siegfried und Sohn Lukas sind beide engagierte Züchter und Eigenbestandsbesamer. So wird viel Augenmerk auf die Stierauswahl und auf die Zucht gelegt. Die wichtigsten Merkmale, nach denen ausselektiert wird, sind: Leistung, Fitness, Fundament, Euter und Eutergesundheit. Als Unterstützung nützt die Familie den Anpaarungsplaner GS AIO (Genostar All in One). Die Stärken und Schwächen der einzelnen Kuh können dabei verändert werden. Inzuchtanpaarungen und Erbfehlerrisiken können so gut vermieden werden. Welcher Stier schlussendlich zum Zug kommt, entscheidet oftmals das züchterische Gefühl. Derzeit werden vor allem die  Stiere GS MAWILL Pp, GS MAHATMA Pp, MALINT, GS VIGOR, HOOLIGAN, ZAZU, GS ZICKZACK, GS VATERLAND und GS HERZTAKT eingesetzt.

Zuchterfolg GS MAWILL Pp
In den vergangenen Jahren setzte Familie Kleemair gezielt hornlose Jungvererber ein. So stand dem züchterischen Erfolg nichts mehr im Wege.  Besonders stolz ist man über den Zuchterfolg des mischerbig hornlosen Jungstieres GS MAWILL Pp (Mahango Pp x Wille x Vanstein x GS Hof). Er gehört zu den interessanten MAHANGO-Söhnen.

GS MAWILL Pp*GS MAWILL Pp*

GS MAWILL Pp stammt aus der leistungsstarken, rahmigen WILLE-Tochter STELLA ab. STELLA war schon als Jungkuh in Greinbach erfolgreich vertreten. Leistungsbereitschaft, Doppelnutzung, gutes Exterieur sowie optimale Fitnesseigenschaften stimmen für den Jungvererber GS MAWILL Pp  und versprechen einen breiten Einsatz im Zuchtgeschehen.

WILLE-Tochter STELLA, Mutter von GS MAWILL; 4/3 9.285-4.04-3.63-712, HL 3. 10.470-3.91-3.54-779WILLE-Tochter STELLA, die Mutter von GS MAWILL; 4/3  9.285-4.04-3.63-712, HL 3. 10.470-3.91-3.54-779

Top in den Fitnesseigenschaften
Besonders erfreut ist man, dass am Betrieb bereits drei Kühe die 100.000-kg-Milch-Marke überschritten haben: Die erste Lebensleistungskuh, HALLI-Tochter  GLOCKE mit einer Lebensleistung von 102.036 kg, GS HOF-Tochter SALI mit 100.283 kg sowie aktuell im Stall GS ROMAF-Tochter GELLI mit ausbaufähigen 110.195 kg. Die fitnessstarke Kuh GELLI kalbt heuer im Sommer zum 13. Mal.
Bei etwaigen Krankheiten oder Verletzungen der Tiere setzt Ingrid Kleemair homöopathische Arzneimittel ein. Die Kleemairs legen großes Augenmerk darauf, dass die Nutzungsdauer möglichst hoch ist. Derzeit befinden sich 12 Kühe mit über 55.000 kg Milch am Betrieb.

Die beiden 100.000-kg-Kühe GELLI (V.: GS Romaf) und SALI (V.: GS Hof)Die beiden 100.000-kg-Kühe GELLI (V.: GS Romaf) und SALI (V.: GS Hof)

Schon vier Mal konnte Familie Kleemair die begehrte Auszeichnung TOP HERDE STEIERMARK für sich gewinnen. Wie man aus den Betriebsdaten erkennen kann, ist die Fleckviehherde in puncto Fitnessmerkmalen sehr stark aufgestellt. Die Familie Kleemair hat sich zukunftsorientiert organisiert und kann den kommenden Jahren optimistisch entgegensehen.

Ein guter Ausgleich zur Landwirtschaft stellt für die Betriebsleiter die aktive Mitgliedschaft bei zahlreichen Vereinen dar.

Betriebsdaten

Ingrid und Siegfried Kleemair, vulgo Aich, Seckau, Steiermark
Personen am Betrieb:
Ingrid und Siegfried Kleemair, Siegfrieds Mutter Maria Kleemair, Söhne: Lukas (Kontrollorgan beim LKV) mit Melanie, Dominik (Landmaschinenmechaniker) mit Christina, Michael (Landmaschinenmechaniker) und Daniel (Maschinenbautechniker)
Bewirtschaftete Fläche: 17 ha Eigenfläche, 7 ha Pachtfläche ausschließlich Dauergrünland, 1 ha Mais, 2 ha Wald und Anteile an der Genossenschaft
Niederschlag: ca. 1000 mm
Tierbestand: 44 Milchkühe, 55 Stück weibliche Nachzucht (davon gut 30 Stück am Aufzuchtbetrieb), 1 Sprungstier (JACK x WILLE; ein Halbbruder von GS MAWILL Pp)
Gülleraum: 700 m³
Mechanisierung: Eigenmechanisierung
Kennzahlen der Herde:
   
Zellzahl: 93.000
Zwischenkalbezeit: 362 Tage
Besamungsindex: 1,5
LL Abgangskühe: 36.825 kg
Abkalbequote: 90,9 Prozent
Durchschnittsalter der Kühe: 6,0 Jahre
Leistungsentwicklung:
Leistungsentwicklung am Betrieb Kleemair

Autor: Stephan Rottensteiner, MSc, Rinderzucht Steiermark