Betriebsreportage Fam. Koch, Markt Allhau, Bgld.

Bis vor kurzem führte Familie Koch ihren Fleckviehzuchtbetrieb noch im Nebenerwerb. Durch das große Interesse der beiden Söhne an der Landwirtschaft entschloss man sich zum Bau eines neuen Milchviehstalles für 40 Kühe, um den Betrieb im Vollerwerb führen zu können.

Der mit 22 ha Eigenfläche, davon 3 ha Wald, ausgestattete Betrieb Koch liegt in der südburgenländischen Gemeinde Markt Allhau im Bezirk Oberwart. Mit 31 Hektar zugepachteter Fläche werden 50 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche bewirtschaftet, fast die Hälfte als Ackerflächen für Mais, Getreide und Kürbis.



Die Familie

Der Großvater, Hans Koch senior, arbeitete beim damaligen Fleckviehzuchtverband und war Obmann der Molkerei Oberwart. Sein Sohn, Hans Koch junior, ist beim Wasserverband Stögersbachtal beschäftigt, seine Gattin Irene ist derzeit Betriebsführerin und leitet zusätzlich den Verein „Lafnitztaler Bauernspezialitäten“. In diesem Verein schlossen sich 11 Landwirte zusammen, um die Direktvermarktung ihrer Produkte selbst in die Hand zu nehmen. Die Angebotspalette reicht von den herkömmlichen Produkten bis hin zu Caterings, Buffets für Feiern und einem Partyservice. Der Betrieb Koch vermarktet über diesen Verein Milch- und Käseprodukte sowie Kernöl und Schnäpse.

Familie Koch hat vier Kinder. Der älteste Sohn Martin, Absolvent der HBLFA Wieselburg arbeitet als Hofnachfolger am Betrieb, Tochter Christa ist bei der LK – Österreich beschäftigt und derzeit in Karenz, die zweite Tochter Elisabeth ist Kindergartenhelferin und der jüngere Sohn Stefan studiert an der Universität für Bodenkultur. Für die Arbeiten im Betrieb sind rund zweieinhalb Vollarbeitskräfte nötig. Hauptverantwortlich sind Martin und Irene, je nach Bedarf helfen allerdings alle Kinder und Schwiegerkinder mit.

Neuer Außenklimastall
2006 wurde der Entschluss gefasst, einen neuen Milchviehstall zu bauen, um in Zukunft im Vollerwerb arbeiten zu können. Ein Jahr später wurde ein Außenklimastall mit Tiefboxen und Schrapperentmistung für 40 Kühe sowie 30 Stück Jungvieh errichtet. Gemolken wird mit einem 2 x 4 Fischgrätmelkstand. In rund eineinhalb Jahren wurde die Herde von 20 auf 40 Kühe aufgestockt. 7 Tiere wurden zugekauft, die anderen aus der eigenen Nachzucht nachgestellt. Früher wurde wegen Platzmangel manchmal das eine oder andere interessante Kalb verkauft. Mit dem Stallbau können nun alle weiblichen Tiere am Betrieb aufgezogen und erst nach der Abkalbung selektiert werden.


TMR für 22 kg Milch

Die Kühe erhalten eine aufgewertete Mischration aus Mais- und Grassilage, Heu, Stroh und Biertreber. Ebenfalls ist ein Teil des Kraftfutters, bestehend aus einer Getreidemischung sowie einer Eiweißergänzung, in die TMR eingemischt, so dass die Ration für 22 kg Milch ausgelegt ist. Die restliche Kraftfuttergabe erfolgt nach Laktationsstadium und Leistung über den Transponder. Die Kalbinnen und die trockenstehenden Kühe erhalten die gleiche TMR, die allerdings mit Stroh oder mit Grassilage gestreckt wird. Kühe werden 3 Wochen vor der Abkalbung angefüttert, Kalbinnen rund 2 Monate vor der Laktation.

Ab nun  zählt die Leistung!
Für Martin Koch hat vor allem in Zeiten des miserablen Milchpreises die Rasse Fleckvieh entscheidende Vorteile. Selektierte Kühe, die ausgemästet werden, bringen einen relativ guten Schlachterlös, die Stierkälber lassen sich problemlos zur Mast verkaufen. Auch die Zellzahlen, die seit Jahren konstant bei nur rund 100.000 liegen, garantieren das Erreichen der S-Klasse bei der Milch.
Im November 2008 absolvierten Martin und auch Stefan den Eigenbestandsbesamerkurs. Seither wird viel mehr Wert auf die Auswahl der Stiere gelegt. Derzeit werden Stiere wie HUPSOL, DEXTRO, VANDOR oder RENWART eingesetzt. Bei den Kalbinnen dominieren die Väter VANSTEIN, WEINOLD oder DIONIS. Vereinzelt werden auch Kühe mit Red-Holstein-Stieren angepaart. Züchterisch soll vor allem die Leistung der Herde verbessert werden. In der Phase der Aufstockung wurden wegen schwächerer Leistung keine Kühe ausselektiert. Da nun die erwünschte Kuhzahl erreicht ist, wird in Zukunft darauf stärker Wert gelegt.

Zukunftsvision
Martin Koch hat seinen Beruf aufgegeben und arbeitet am Betrieb, Bruder Stefan möchte ebenfalls den gleichen Schritt gehen, deshalb wurde der Stall für 80 Kühe geplant und genehmigt. Die derzeit schwierige Situation am Milchmarkt hat diesen Ausbau bisher verzögert. Weiters hatten die ehemaligen Lieferanten der Molkerei Oberwart das Problem, keinen Abnehmer für ihre Milch zu haben. In der äußerst angespannten Lage war dann die MGN bereit, die Milch zu übernehmen. Allerdings sind bei der Genossenschaft Anteile zu zeichnen und der ausbezahlte Milchpreis ist bis zur Vollmitgliedschaft im Oktober 2010 auch einige Cent unter dem Preis der NÖM-Lieferanten. Für Familie Koch, aber auch für alle anderen Milchbauern, ist es notwendig, einen besseren Preis für die Milch zu bekommen, damit der Betrieb der Zukunft im Vollerwerb optimistisch entgegen sehen kann.

Betriebs-Daten

Familie Hans und Irene Koch, 7411 Markt Allhau 195

Seehöhe: 400 m
Niederschlag:     600 - 700 mm
Fläche: 50 ha landwirtschaftliche Nutzfläche,  davon 13 ha Dauergrünland,  10 ha Wechselwiesen, 24 ha Acker (9 ha Mais, 11 ha Getreide, 4 ha Kürbis) und 3 ha Wald.
19 ha Eigenfläche, 31 ha Pachtfläche
Viehbestand: ca. 90 Stück, davon 40 Milchkühe, 35 Stück weibliche Nachzucht, 15 Kälber
Quote: 211.000 kg A-Quote, 7.000 kg D-Quote
Stall: Liegeboxenlaufstall mit Tiefboxen und Schrapperentmistung, 2 x 4 Fischgrätmelkstand
Siloraum: 3 Traunsteinsilos für rund 1200 m³
Güllelager: Güllegrube mit 1.000 m³
Leistung:    
2002    17,1    5.973    5,34    3,43    524
2004    17,7    6.438    4,51    3,62    523
2006    19,4    6.808    5,12    3,51    588
2008    30,8    7.653    4,27    3,58    601
gleit.    39,3    7.635    4,09    3,57    585

Autor: Ing. Hannes Lang, Burgenländischer Rinderzuchtverband