Betriebsreportage Fam. Kriechhammer, Slbg.

Seit eh und je zählt der Plaknerbauer zu den größeren Betrieben im Salzburger Flachgau. Ziel von Johann Kriechhammer ist es, ein zufriedenstellendes Einkommen für zwei Familien zu erwirtschaften. Wichtig ist ihm, mit Hoferben Hanspeter gemeinsam den Betrieb zu führen und zu planen, damit einer betrieblichen Weiterentwicklung nichts im Wege steht.

Anna und Johann Kriechhammer mit Söhnen und TöchternDer Betrieb Kriechhammer, Plaknerbauer in Schleedorf ist seit 1715 im Familienbesitz und wurde durch ein Dekret von der Salzburger Landesregierung zum „Erbhof“ erhoben. Die Gemeinde Schleedorf liegt im Salzburger Flachgau. Die hohen Niederschlagsmengen (1.400 bis 1.600 mm), verteilt über das ganze Jahr, bringen beste Voraussetzungen für eine ertragreiche Grundfuttererzeugung. Die sandigen bis moorigen Böden haben als Grundlage Moränenschotter und werden fast ausschließlich als Dauergrünland bewirtschaftet. Die natürlichen Bedingungen waren Voraussetzung, dass sich in dieser Region die bäuerlichen Familienbetriebe auf die Milchproduktion spezialisierten. Die produzierte Milch wurde ursprünglich in kleinen örtlichen, genossenschaftlich organisierten Molkereien zu Hartkäse (Emmentaler) verarbeitet. Durch den Strukturwandel auf dem Milchsektor sind heute nur noch wenige Produktionsstätten übriggeblieben. Die Liefergenossenschaften bestehen noch und bringen die Milch zur Verarbeitung in verschiedene Molkereien in Salzburg, Bayern und Oberösterreich. In der Milchproduktion spielt die Heumilch nach wie vor eine sehr bedeutende Rolle.

Heumilchproduktion ist Betriebsstandbein

Der auf Milchproduktion eingestellte Betrieb Kriechhammer wuchs von ursprünglich 30 Kühen (1995) auf mittlerweile ca. 110 Milchkühe. Die biologische Heumilchproduktion ist das Standbein dieses Betriebes. Die Schlachtkühe und Stierkälber (75 bis 90 kg) werden über die Erzeugergemeinschaft bzw. örtliche Händler abgesetzt. Die Kuhkälber werden im Partnerbetrieb aufgezogen oder über die Versteigerung in Maishofen verkauft. Bei der Vermarktung der weilblichen Kälber pflegt der Betriebsleiter einen guten Kontakt zu den Kälberkäufern und dem Rinderzuchtverband Salzburg, was die Auswahl von Besamungsstieren betrifft. Bereits zahlreiche Spitzentiere in Milch mit Ursprung Plaknerhof wurden über Versteigerungen in Maishofen vermarktet.

Futterproduktion und Fütterung

Das Dauergrünland wird normalerweise drei Mal für die Heuproduktion mit Nachweidung oder Eingrasung von Mitte April bis November genutzt. Nach jedem Aufwuchs wird Gülle gedüngt. Im Frühjahr und Herbst kommt alter Mist zum Einsatz. Ein guter Pflanzenbestand ist Grundvoraussetzung für bestes Grundfutter. Jährliche Ampferbekämpfung (ausstechen) und Nachsaat bei günstiger Witterung ist bei der großen Flächenausstattung sehr arbeitsintensiv, lohnt sich aber.
Im Winter dient ausschließlich bestes Belüftungsheu als Grundfutter, wobei die verschiedenen Schnitte zusammengemischt werden. Als Ergänzungsfutter kommen zwei Sorten zum Einsatz, wobei maximal 8 kg pro Kuh und Tag verabreicht werden. Zwei Drittel des Ergänzungsfutters sind eine Eigenmischung (Mais, Gerste, Rapskuchen und Trockenschnitte), welche in der eigenen Mischanlage erzeugt werden, der restliche Teil ist Fertigfutter. Im Schnitt kommen 1.000 kg Kraftfutter pro Kuh und Jahr zum Einsatz. Die Sommerfutterration (je nach Witterung von Mitte April bis November) setzt sich zum Großteil aus frischem Gras zusammen - bestes Belüftungsheu dient zur Strukturergänzung.

Technik und Gebäude

Die entsprechende Flächenausstattung und die vorhandenen Arbeitskräfte lassen eine Eigenmechanisierung für die Heuernte und Düngung zu.  Eine moderne Heubelüftungsanlage mit 2.000 m² Dachabsaugung, Kondenstrockner (Luftentfeuchter) und Heizlüfter (Hackschnitzelheizung) bei Schlechtwetter (18,5 KW Lüfter und 12,5 KW Luftentfeuchter) sind das Herzstück für eine schlagkräftige und qualitativ hochwertige Heuproduktion. Bis zu 25 ha können je nach Aufwuchs und Ertragsmenge eingefahren werden. Bei sorgfältiger Verteilung des Grundfutters in der Heubox werden dort in 5 bis 6 Tagen beste Heuqualitäten lagerfertig belüftet.
1998 entschlossen sich die Betriebsleiter zum Bau eines Laufstalles. Um den Tieren den bestmöglichen Liegekomfort zu bieten, wurde damals schon auf Tiefboxen mit Strohmatratzen gesetzt. Der planbefestigte Boden mit Gussasphalt und Pendelschieber sorgt für einen sicheren Tritt.
Im Jahr 2007 zerstörte ein Großbrand die gesamten Wirtschaftsgebäude. Neben dem hohen materiellen Schaden kamen auch sehr gute Milchkühe ums Leben bzw. mussten notgeschlachtet werden. Mit viel Fleiß erfolgte ein neuerlicher Aufbau des Wirtschaftsgebäudes mit Erweiterung (Laufhof und Liegeboxenhalle). Gemolken wird  in einem 2 x 6-Fischgrätenmelkstand. Die Düngerstätte umfasst 2.400 m³ Gülleraum und 150 m² Mistlager.

Zucht

Der Biobetrieb melkt im Schnitt 110 Milchkühe mit einer Leistung von ca. 8.700 kg Milch bei 4,01 % Fett und 3,56 % Eiweiß. Diese sehr hohe Produktion ist nur mit leistungsbereiten, gesunden Tieren, welche in der Lage sind, genügend Grundfutter zu verzehren, zu erzielen. Eine gute Tierbeobachtung im Stall und der Einsatz von hochwertiger Genetik bilden den Grundstock des Erfolgs. Für die Besamung kommen nachkommengeprüfte Stiere mit hoher Leistungsbereitschaft, stabilen Fundamenten und gut melkbaren Eutern, wie RESOLUT, WALDBRAND, INDER und GS DIADORA sowie auch interessante genomische Stiere wie GS MG, GS RAVE oder IKEBANA zum Einsatz. Alte Montbeliarde-Stiere wie MICMAC, RAI und MASOLINO, welche eine sehr gute Nachzucht zeigen, werden genauso verwendet wie der RH-Stier ELAYO.
Im 5 km entfernten Partnerbetrieb werden 18 Kalbinnen bis 2 Monate vor dem Abkalben aufgezogen. Ein rechtzeitiges Eingewöhnen in die Produktionsherde ist Grundvoraussetzung für einen stressfreien Start in die Laktation. Alle Jungtiere werden im Sommer geweidet oder teilweise gealpt.

Betriebsdaten

Fam. Anna und Johann Kriechhammer, Plaknerbauer, Plakner 1, 5205 Schleedorf,
E-Mail: familie.kriechhammer@aon.at


Arbeitskräfte: Betriebsführerehepaar, Sohn Hanspeter (19), Eltern  

Betriebsweise:
Vollerwerbsbetrieb, Heumilchproduzent, biologische Bewirtschaftung

Fläche:
70 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, 13 ha Wald

Futterproduktion:
3-schnittiges Dauergrünland mit Nachweidung oder Eingrasung von Mitte April bis November

Fütterung:
Im Winter Heu verschiedener Schnitte, im Sommer Eingrasung und Beifütterung von Heu; max. 7 kg Ergänzungsfutter pro Tag und Kuh, davon 2/3 Eigenmischung aus Mais, Gerste, Rapskuchen und Trockenschnitte und 1/3 Fertigfutter   

Technik:
Eigenmechanisierung für Heuernte und Düngung, Heubelüftung mit Kondenstrockner (Luftentfeuchter) und Hackschnitzelheizung (Heizlüfter) bei Schlechtwetter (18,5 KW Lüfter und 12,5 KW Luftentfeuchter), 5 bis 6 Tage Trocknungszeit

Gebäude:
1998 Umbau in Laufstall (Liegeboxen mit Tiefstreu - Stroh), planbefestigter Boden mit Gussasphalt und Pendelschieber;  2007 nach Brand Neubau des Heubergeraumes mit 2.000 m² Dachabsaugung

Melktechnik:
2 x 6-Fischgräten

Gülleraum:
2.400 m³

Viehbestand:
ca. 110 Milchkühe, 1 Zuchtstier

Milchleistungsergebnisse:

Jahr    Anzahl    M-kg      F-%    F-kg    E-%   E-kg
2011     103,6      8.146      3,81    310    3,59   293
gleit.     110,6      8.678      4,01    348    3,56   309

Autor: Ing. Christian Preßlaber, RZV Salzburg

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