Betriebsreportage Fam. Luschnig, Steiermark

Hoch oben in Kleinprethal in der Gemeinde Amering (Obdach) auf einer Seehöhe von 1.160 m liegt das Anwesen von Erna und Norbert Luschnig. Es ist nicht ein Betrieb wie jeder andere, sondern - nicht nur wegen der Höhenlage - ein in jeder Hinsicht bemerkenswerter Betrieb.

Norbert und Ern-Mria Luschnig mit Tochter Laura und Sohn Lukas2002 hat Norbert Luschnig aus dem Kärntner Jauntal in den Betrieb eingeheiratet. Norbert ist Absolvent der HTL für Hoch- und Tiefbau und hat als Zimmerermeister gearbeitet. 2003 haben Erna und Norbert den Betrieb übernommen und ihn auf intensive Milchwirtschaft umgestellt. Die Kinder Lukas und Laura sind 13 bzw. 7 Jahre alt.
Es werden 38 ha arrondiertes intensives Grünland und 80 ha Wald bewirtschaftet. Zudem ist man zu einem Viertel Anteilsbesitzer der 340 ha großen Hofalm unter dem Ameringkogel. Trotz der Höhenlage und 196 BHK-Punkten ermöglicht das günstige Kleinklima vier bis fünf Ernten im Jahr.

2006 wurde der Zu- und Umbau des Stalles in einen modernen Liegeboxenlaufstall durchgeführt, 2008 ein neuer Laufstall für das Jungvieh errichtet. Den Neubau des Wohnhauses bewerkstelligten die Luschnigs im Jahr 2011 in einer Bauzeit von nur 3 Monaten.

Genetische Leckerbissen

Derzeit stehen 33 Fleckvieh- und 3 Holsteinkühe am Betrieb. Dazu kommen 39 Stück weibliches Jungvieh und 28 männliche Rinder. Die Milchquote wurde im Lauf der Jahre von 60.000 kg auf 310.000 kg aufgestockt. Im vergangenen Milchwirtschaftsjahr wurden 384.000 kg Milch produziert und 356.000 kg abgeliefert.
Ein wahrer Leckerbissen ist die Genetik im Stall der Luschnigs. So ist man im Besitz der HUMPERT-Töchter BUTTERCUP und FRENJA. Diese beiden Kalbinnen rangieren mit Gesamtzuchtwerten von 142 und 138 steiermarkweit auf den Rängen 1 und 3. BUTTERCUP ist sogar bundesweit unter den Top 3 und das beste genomisch geprüfte Jungtier in Österreich. Zudem kann BUTTERCUP einen genomischen Euterzuchtwert von 125 aufweisen. Diese Kalbin wurde im Alter von 10 ½ Monaten zum ersten Mal für den Embryotransfer genutzt. Mittlerweile gibt es bereits die erste Tochter aus dieser Spülung am Betrieb. BUTTERCUP selbst ist inzwischen mit WATT trächtig und wird im Jänner mit einem Alter von 24 Monaten kalben.
Der Embryotransfer steckt bei den Luschnigs noch in den Kinderschuhen, soll aber in Zukunft vermehrt zum Einsatz kommen. Großen Anteil am Betriebserfolg hat Dr. Walter Peinhopf mit seinem Team. Dr. Peinhopf führt seit zehn Jahren die Bestandsbetreuung durch. Die Tierarztkosten betragen inklusive vorbeugender Maßnahmen unter 1 Cent/kg Milch.

Erstkalbealter liegt bei 26 Monaten

Das durchschnittliche Erstkalbealter der letzten fünf Jahre liegt am Betrieb Luschnig bei unglaublichen 26 Monaten. Es gibt aber auch Kühe, welche mit 21 Monaten zum ersten Mal gekalbt haben. Dabei müssen (dürfen) die meisten Kalbinnen im Sommer auf die Hofalm, welche auf 1.800 m Seehöhe liegt. Genetisch besonders wertvolle Tiere werden am Heimbetrieb geweidet. Trotz des niedrigen Abkalbealters liegt die durchschnittliche erste Laktation der letzten fünf Jahre bei 8.235 kg Milch.

Weitere Highlights in der Herde

Neben den beiden HUMPERT-Töchtern stechen im Jungviehstall noch die WALCH-Tochter BABYGIRL mit einem GZW von 127, die GS VOGT-Tochter LISETTE mit einem GZW von 120, sowie die GS WOHLTAT- und WILDWUCHS-Töchter SPAM JAM und FUNKENMARIECHEN hervor und bereiten den Besitzern große Freude.
Alle weiblichen Zuchtkälber ab einem Ahnenindex von 125 werden genomisch getestet. Dies ermöglicht später eine gezielte Paarung und man kann die Besten bereits frühzeitig über Embryotransfer nutzen.
Im Milchviehstall gibt es viele Highlights. BILLABONG, eine mittelrahmige GS RUMGO-Tochter mit einem exzellenten Euter, ist die Mutter von GS PICK UP, welcher sich in der aktuellen Ausgabe von GENOSTAR befindet. Mit einem GZW von 136 gehört GS PICK UP zu den besten genomisch geprüften POLARBÄR-Söhnen. Eine weitere GS RUMGO-Tochter ist die großrahmige BLUEBELL. Mit 10.094 kg Milch und 866 Fett- und Eiweißkilo gehört sie zu den besten Erstlingskühen in der Steiermark und hat in der zweiten Laktation mit 50 kg eingesetzt.
Stolz sind die Besitzer auch auf FRANNY FINE. Die VANSTEIN-Tochter besticht ebenfalls mit einem hervorragenden Euter, ist mit ihren sieben Lebensjahren zum sechsten Kalb trächtig und kommt bereits auf 46.000 kg Lebensleistung. Ein Enkelsohn von FRANNY FINE (Everest x GS MG) steht in der Eigenleistungsprüfanstalt Kalsdorf zur Aufzucht. SPACE COW (Classic Red x GS Hagan) hat eine Höchstleistung von 13.337 kg mit besten Inhaltsstoffen vorzuweisen und eine aktuelle Tagesleistung von 67 kg. AUBREY (GS Rave x Ilion) mit ausgezeichnetem Euter und genug Rahmen besitzt absolute Schauqualität und wurde kürzlich erfolgreich auf der Steiermarkschau in der Greinbachhalle ausgestellt.
Diese Liste würde sich noch lange fortsetzen lassen. Erwähnt werden hier nur die Lieblinge von Erna und Norbert.

Leistungssteigerung ist erklärtes Ziel

Zurzeit liegt man bei 11.000 kg gleitender Durchschnittsleistung. Das ist Norbert Luschnig aber zu wenig. Eine Steigerung in der Milchproduktion ist vorrangiges Ziel. „13.000 kg Milch sind mittelfristig realistisch“, meint der ehrgeizige Züchter. Dazu möchte er die durchschnittliche Lebensleistung in Richtung 40.000 kg steigern. Die Euterqualität hat am Betrieb einen hohen Stellenwert, dazu wird großes Augenmerk auf die Persistenz gelegt. „Mir ist die Leistung beim Trockenstellen wichtiger als die Einsatzleistung!“, erklärt der Betriebsleiter. Das Leistungslimit erreichen die Erstlingskühe meistens drei bis fünf Monate nach der Abkalbung.

Top-Management

Das Erreichen der Auszeichnung TOP-HERDE-STEIERMARK ist absolut Pflicht. Trotz der enormen Milchmenge kommt man auf eine Zwischenkalbezeit von 361 Tagen und das im 5-jährigen Durchschnitt. Ebenfalls ab 2009 kommt man auf durchschnittlich 82.000 Zellgehalt. „Produktion kommt vor Aussehen“, meint Norbert Luschnig und ist trotzdem Stammgast bei diversen Rinderschauen.
Diese Devise ist auch das Kriterium bei der Stierauswahl. Stiere unter +700 kg in der Milch werden kaum eingesetzt. Die Anpaarung erfolgt mit dem Programm „All in one“. Der interessanteste unter den fünf Vorschlägen kommt zur Anwendung. Bei der Besamung von züchterisch besonders wertvollen Tieren wird direkt mit dem Zuchtverband Kontakt aufgenommen.

Breite Streuung beim Stiereinsatz

„Genomisch geprüfte Jungstiere sind die Zukunft“ lautet der Kernsatz des Züchters. GS PANDORA ist der einzige geprüfte Stier, welcher zum Einsatz kommt. So erwartet er sich einen schnelleren Zuchtfortschritt. Auch die Hornloszucht soll weiter forciert werden. Man achtet auch auf eine breite Streuung beim Stiereinsatz. Die 43 trächtigen Tiere sind mit 19 verschiedenen Stieren belegt. WEB mit sechs bzw. GS WOHLTAT und WATT mit je vier Trächtigkeiten führen die Liste an.
Durch die Tatsache, dass das Risiko auf viele verschiedene Stiere verteilt wird, gibt es auch keine klare Tendenz zu einem Stier bei den Vätern. Bei der weiblichen Nachzucht kommen GS VOGT mit fünf und GS MG und JANDA mit je drei Nachkommen am häufigsten vor. Bei den Kühen scheinen GS RAU, GS RUMGO, CLASSIC RED sowie VANSTEIN mit jeweils drei Töchtern mehrfach auf.

So wird gefüttert

Großes Augenmerk wird auf die Aufzucht der weiblichen Jungrinder gelegt. Kälber werden ab dem zweiten Lebenstag mit angesäuerter Milch gefüttert. Zeitgleich wird selbst gemischte Kälber-Heu-TMR angeboten. Ab dem dritten Lebensmonat wird auf die AMR der Milchkühe umgestellt. Je nach Entwicklung werden die Jungkalbinnen zwischen dem 12. und 16. Lebensmonat belegt.
Die Milchkühe werden mit einer aufgewerteten (24 kg) Mischration gefüttert. Der Anteil der (zugekauften) Maissilage beträgt im Durchschnitt 25 Prozent. Trockensteher werden getrennt gehalten und aus arbeitstechnischen Überlegungen einphasig gefüttert.

Durch das frühe Belegalter ist auch ein rascher Umtrieb gewährleistet. Alle Stierkälber werden bis zur Endmast (Almo) am Betrieb gehalten. Trächtige Kalbinnen werden kaum verkauft. 10 bis 15 Kühe werden nach der ersten oder zweiten Abkalbung auf Zuchtviehversteigerungen oder ab Hof zum Verkauf angeboten.

Trotz intensiver Bewirtschaftung des Sturmer-Hofes gönnt sich die Familie einige Urlaubstage. Perfekte Vertretung ermöglicht eine sorgenfreie Erholung.

Betriebsdaten  

Erna Maria und Norbert Luschnig, Kleinprethal 8, 8742 Amering, E-Mail: turbokuh@gmx.at

Arbeitskräfte: Betriebsleiterehepaar Erna und Norbert Luschnig, tatkräftige Mithilfe von Oma Erna bei der Kinderbetreuung
Kinder: Lukas (13 Jahre), Laura (7 Jahre)
Betriebsgröße: 29 ha arrondiertes 4-5-schnittiges Grünland, 9 ha Weide, 80 ha Wald, Almanteile
Seehöhe: 1.160 m
Niederschlag: 1.200 mm
Tierbestand: 36 Milchkühe, 39 Stück weibliches Jungvieh, 28 Stück männliches Jungvieh
Fütterung: AMR für 24 kg Milch, 25 % Maissilage
Leistungsdaten:    
Jahr    Kühe    Alter    Milch-kg    F%    E%    F+E-kg
2009     28,5       4,4        9.314      3,94    3,53      696
2010     34,5       4,6      10.102      4,08    3,52      768
2011     35,9       4,7      10.308      4,10    3,52      786
2012     35,3       5,0        9.992      4,08    3,57      765
2013     34,1       4,9      10.495      4,09    3,47      793


Autor: Willi Edlinger, Rinderzucht Steiermark

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