Betriebsreportage Fam. Oberkofler, Salzburg

Der Betrieb Oberkofler kann sich durch ständige Weiterentwicklung in einer Region mit sehr begrenzter landwirtschaftlicher Nutzfläche gut behaupten: Mit Milchproduktion und Zuchtviehverkauf wird die Fläche optimal genutzt. Die Alm ermöglicht eine Kombination der Milchkuhhaltung mit touristischer Nutzung. Ein Miethaus und eine eigene Photovoltaikanlage sind Investitionen für die Zukunft.

Julia und Franz Oberkofler mit den beiden Kindern und den ElternDer Betrieb der Familie Oberkofler, Zimmerberg, liegt im Salzburger Pongau auf einer leichten Anhöhe oberhalb von Bischofshofen. In den 40er-Jahren wurde der Heimbetrieb von den Mitterberger Bergwerken gekauft. Diese Region ist durch die günstige Verkehrslage (Autobahnanschluss und Bahnknotenpunkt) sehr stark durch die Industrie geprägt. Gute Grünlandflächen in den Tallagen sind sehr begrenzt. Auch der Betrieb der Familie Oberkofler muss für die Bewirtschaftung des Grünlandes teilweise große Entfernungen in Kauf nehmen. (Heimbetrieb 5,5 ha arrondierte ebene Flächen, 4 ha Steilfläche am 14 km entfernten Zulehen in St. Johann und 5 ha Pachtfläche im 17 km entfernten Tenneck). Die knapp 700 ha große Alm im 50 km entfernten Forstau wurde 1974 gekauft und ist zu zwei Drittel im Besitz der Familie Oberkofler und zu einem Drittel im Besitz des Cousins. Zusätzlich zur Landwirtschaft wurde im Jahr 2012 eine eigene Photovoltaikanlage mit 17 KW errichtet. Ein Miethaus mit sechs Wohneinheiten ist auch im Besitz der Familie.

Gebäude und Geräte

Im Jahr 2007 entschloss man sich zum Um- und Zubau des Wirtschaftsgebäudes. Der neue Stall brachte vor allem eine Arbeitserleichterung und den Tieren viel Komfort. Ein zentral angelegter Futtertisch ermöglicht eine einfache Fütterung des gesamten Rinderbestandes mit dem Mischwagen. Die Kälber sind in der Nähe des Melkstandes untergebracht, wo sie zuerst einzeln und später in Gruppen auf Stroh gehalten werden. Die Gruppenboxen können maschinell entmistet werden. Der Jungviehstall ist mit Spaltenboden und Hochboxen mit Gummimatten errichtet worden. Der Kuhbereich ist je zur Hälfte mit Tiefboxen sowie mit Hochboxen und Kuhmatratzen ausgestattet. Gemolken wird in einem 3er-Tandem-Melkstand mit Abnahmeautomatik und Milchmengenmessung. Das Grundfutter setzt sich aus zwei Drittel Grassilage und einem Drittel Heu zusammen. Zwei Hochsilos mit 100 m³ bzw. 80 m³ und Rundballensilage dienen zur Futterkonservierung. Der Gülleraum umfasst 700 m³ und bietet ausreichend Platz über die Wintermonate. Der Betrieb ist mit den üblichen Geräten für das Grünland mechanisiert. Für den Wald steht ein Rückewagen zur Verfügung.

Wirtschaftsweise

Der Betrieb wird nach den Richtlinien des ÖPULs bewirtschaftet, wobei die Nutzung des Grünlandes je nach Lage der Flächen erfolgt. Die Heimflächen und das Pachtland, insgesamt 10,5 Hektar, werden intensiv bewirtschaftet und vier Mal pro Jahr gemäht. Um einen sehr guten Grasbestand zu erzielen, wird seit drei Jahren im Frühjahr nachgesät und nach jeder Nutzung mit Gülle gedüngt. Die Silage der arrondierten Heimfläche wird in Hochsilos untergebracht. Das Mähgut der Pachtfläche wird zur Gänze in Ballen siliert. Das extensiv genützte Zulehen wird zwei Mal im Jahr gemäht. Die Fütterung der Großrinder erfolgt seit 2012 mit dem Futtermischwagen. Grund für die Anschaffung des Mischwagens ist die bessere Vermischung des Grundfutters (Grassilage und Heu) und eine erhebliche Erleichterung der Fütterung. Die Mischration setzt sich aus Grassilagen der verschiedenen Schnitte, Heu und Mineralstoffen zusammen. Bei den Kalbinnen wird Stroh beigemengt. Kraftfutter wird den Kühen über den Transponder (Energie und Eiweißmischung) je nach Milchleistung, Laktationsstadium und Tierbeobachtung, bis maximal 9 kg gefüttert. Die Kälber werden mit Frischmilch getränkt. Ab der zweiten Lebenswoche wird den Kälbern ein eigenes Kälberfutter angeboten.

Almwirtschaft

Die Almwirtschaft spielt am Betrieb der Familie Oberkofler eine große Rolle. Der gesamte Rinderbestand wird gealpt. Das Jungvieh kommt Ende Mai auf die 1.350 m hoch gelegene Niederalm. Mitte Juni, nachdem der erste Schnitt eingefahren ist, kommen die Kühe nach. Von Anfang Juli bis Mitte September kommt das gesamte Vieh auf die Hochalm auf 1.860 m. Die dort produzierte Milch wird teilweise direkt verarbeitet oder jeden zweiten Tag abgeliefert. Die Tiere finden dort eine relativ große ebene Weidefläche in rauer Lage. Die Zimmerberger bewirtschaften dort über die Sommermonate die Oberhütte mit Übernachtungsmöglichkeit für 30 Personen und Ausschank von eigenen Produkten (Milchprodukte, Fleisch und Wild aus eigener Jagd), im Grenzgebiet zwischen Forstau, Lungau und der Steiermark. Ein eigenes Kraftwerk sorgt für die Stromversorgung auf der Alm. In den Wintermonaten wird auf dem Almgebiet, welches an das Schigebiet von Obertauern grenzt, eine Schirmbar betrieben.

Rinderzucht

Durch die gesamte Alpung des Viehbestandes erfolgt die Abkalbung der Tiere zum großen Teil im Spätherbst. Der Besamungszeitpunkt des Jungviehs richtet sich nach der Entwicklung der Kalbinnen, daraus ergibt sich ein Abkalbealter zwischen 26 und 30 Monaten. Bei der Auswahl der Besamungsstiere wird großer Wert auf Euter, Fundamente, Fitness und eine ordentliche Leistungsbereitschaft gelegt. Zum Besamungseinsatz wurden die Stiere WILLE, WALDBRAND, WILDWUCHS, GS VENEZIANO, IKEBANA, GS RAVE und die Montbeliarde-Stiere TRIOMPHE, CURTIL und BRINK verwendet. Einer der größten züchterischen Erfolge war sicher die Teilnahme an der Bundesfleckviehschau 2011 in Ried mit zwei Kühen: Die RUMBA-Tochter SILBER war erfolgreich in der Altkuhgruppe vertreten. Deren WATERBERG-Tochter SILVIA erreichte in ihrer Stiermuttergruppe den hervorragenden zweiten Platz.

Jährlich werden rund acht Kühe und Jungkühe über die Versteigerungen des Rinderzuchtverbandes in Maishofen vermarktet. Die Schlachtrinder und männlichen Kälber werden mit ca. 80 kg Lebendgewicht über die Erzeugergemeinschaft Salzburger Rind GmbH abgesetzt. Aus der RUMBA-Tochter SILBER wurden erfolgreich Sprungstiere mit den Vätern VANSTEIN und MALHAXL aufgezogen.

Betriebsdaten

Fleckviehzuchtbetrieb Franz Oberkofler, Zimmerberg, Götschenweg 8, 5500 Bischofshofen
 
Produktionsgebiet: Bischofshofen, Bezirk Pongau, auf 560 m Seehöhe
Ø-Niederschlag: 1.100 mm bis 1.200 mm
BHK-Punkte: 61
Familie: Julia und Franz Oberkofler, Kinder Antonia und Franz, Eltern Gudrun und Franz
Flächenausstattung:
     Heimbetrieb: 14,86 ha Grünland (davon 5 ha Pachtfläche), davon 10,50 ha vierschnittig und 4,36 ha zweischnittig; 13 ha Waldfläche, Servitute zur Holznutzung bei den Bundesforsten
     Almbetrieb: 698 ha Gesamtfläche (2/3 im Eigentum), 100 ha Schutzwald, 193 ha Weidefläche
Arbeitskräfte: Betriebsleiterehepaar, Eltern
Betriebsform: Konventioneller Betrieb nach Richtlinien des ÖPUL im Vollerwerb – Schwerpunkt Milchproduktion, Zuchtviehverkauf, Almwirtschaft mit Ausschank
Viehbestand: rund 50 Stück, davon 18 Kühe, Rest weibliche Nachzucht
Tierverkauf: jährlich ca. acht Kühe und Jungkühe in Milch über die Versteigerung; männliche Kälber werden mit ca. 80 kg über Erzeugergemeinschaft Salzburger Rind GmbH verkauft
Fütterung: Mischration aus 2/3 Grassilage und 1/3 Heu; leistungsbezogene Kraftfuttergabe über Transponder (zwei Futtersorten)
Stall: Laufstallhaltung – Tiefboxen mit Einstreu und Hochboxen mit Kuhmatratze, Spaltenboden
Stalldurchschnitt: 2013 16,9 Kühe 8.027 – 3,98 – 3,38 – 591
Milchkontingent (inkl. Alm und D-Quote): ca. 120.000 kg Alpenmilch Salzburg

Autor: Ing. Christian Preßlaber, RZS

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