Betriebsreportage Fam. Reiter, Donnersbach, Stmk.

Das Gebiet Donnersbach im steirischen Ennstal ist für seine kleinstrukturierte, bergbäuerliche Landwirtschaft bekannt. Der Hof der Familie Reiter ist dementsprechend mit einem großen Anteil an extremen Steilflächen ausgestattet. Ein Wachsen des Betriebes war nur bedingt möglich.

Der Betrieb Reiter in Donnersbach, SteiermarkZiel war es daher, aus der vorhandenen Struktur das Bestmögliche zu machen und ohne große Investition die Milchwirtschaft zu optimieren. Der Hof der Familie Reiter, vlg. Kirg ist ein gutes Beispiel dafür, dass man auch unter  begrenzten Wachstumsmöglichkeiten und im Nebenerwerb erfolgreich  Milch produzieren und  Rinderzucht betreiben kann.
Der extreme Bergbauernbetrieb wird als Milchviehbetrieb mit Nebenerwerb – der Betriebsführer arbeitet im Winter im Skigebiet der Riesneralm als Betriebsleiter – geführt. Zurzeit werden 15 Fleckvieh-Kühe und 10 Stück Jungvieh in einem Anbindestall gehalten. Während des Sommers befinden sich alle Rinder auf einer 11 ha großen, gepachteten Alm.  Auf dieser Niederalm (ca. 1.130 m) in Donnersbachwald wird von Mai bis September Almmilch produziert. Acht Hektar des Grünlandes sind Steilflächen, die nur mit aufwändigem Maschineneinsatz oder überhaupt nur händisch bewirtschaftet werden können, wobei der Einsatz aller Familienmitglieder erforderlich ist. Während die Heuernte zur Gänze selbst erledigt wird, lässt man sich beim Silieren vom Maschinenring unterstützen.

Zucht

Beim „Kirg am Bach“ wird seit 1956 Fleckvieh gezüchtet. Die Tiere müssen nicht unbedingt Höchstleistungen erbringen.  Ziel ist es, 8.000 bis 9.000 kg Milch zu produzieren. Diese Leistung muss mit einem nicht so hohen Arbeitseinsatz im Stall möglich sein. Fitness, Zellgehalt und Klauengesundheit werden in der Zucht berücksichtigt. Besonderen Wert legt man auf ruhige, ausgeglichene Tiere. Nervöse Kühe werden ausselektiert.
Bei den Erstlingskühen werden die angebotenen GENOSTAR-Teststiere eingesetzt. Die Kühe werden mit folgenden Stieren besamt: GS HERSTEIN, MYTHOS, ETTAL, HUPSOL, DOMINGO, WAL und GS RAU. Die Stiere werden gezielt ausgesucht und auf die entsprechenden Kühe angepaart.
Bei der letzten Rinderschau in Irdning wurden ein Reservesieg und ein 3. Platz erreicht. Bei den Steiermarkschauen 2000, 2005 und 2007 waren ebenfalls Tiere des Betriebes vertreten. 2007 konnte mit der Kuh MISTI ein 3. Platz erreicht werden.

Fütterung

Zusätzlich zur Weide auf der Alm bekommen die Kühe im Sommer Heu und maximal 5 kg energiereiches Kraftfutter  angeboten. Im Winter werden ihnen Silage und Heu vorgelegt. Darüberhinaus erhalten sie Quetschgetreide aus Gerste und Mais sowie Milchviehfutter mit 19 % Rohprotein. Die Kraftfutterzuteilung erfolgt händisch – bei den Neumelkenden sechs bis sieben Mal täglich. Das Grundfutter wird auch zu Mittag frisch vorgelegt. Die Trockensteher werden von den Neumelkenden getrennt und extra gefüttert. Durch die Barrenteiler ist gezielte Grundfuttervorlage der neu- und altmelkenden Kühe möglich.

Optimierte Anbindehaltung

Der Betrieb war von 1997 bis 2001 Mitglied beim Arbeitskreis Milch. In dieser Zeit wurde die Anbindehaltung optimiert. Bei den Liegeflächen wurden im hinteren Bereich Pfosten angebracht, die Liegefläche dick eingestreut und somit der Liegekomfort der Tiere wesentlich verbessert. Weiters wurden Barrenteiler, Kraftfutterschalen und ordentliche Tränken eingebaut. Die Stallluft wurde durch Aushängen der Fenster ebenfalls wesentlich verbessert. Durch diese Maßnahmen konnte sich die Leistung positiv entwickeln. Der Arbeitskreis habe mit den Fachseminaren und der Möglichkeit des Erfahrungsaustausches mit anderen Betrieben wesentlich zur Betriebsentwicklung beigetragen, ist sich Magdalena Reiter sicher.
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Am Betrieb Reiter hat jeder seine konkreten Aufgaben zu erledigen. Die Betriebsleiterin Magdalena betreibt sehr zielstrebig und mit großer Begeisterung  die Milchproduktion. Das Melken und Füttern fällt hauptsächlich in ihr Aufgabengebiet. Betriebsleiter Hubert übernimmt im Sommer
Mulcharbeiten mit dem Mähtrac für den Maschinenring und Hofnachfolger Thomas ist ganzjährig außerlandwirtschaftlich tätig und hilft in seiner freien Zeit am Betrieb mit.

Zukunftsperspektiven

- den Betrieb in den bestehenden Strukturen weiterhin optimieren
- auf die zukünftigen Rahmenbedingungen flexibel reagieren
- Zucht auf problemlose Kühe mit ausgeglichenem Temperament

Betriebsspiegel

Reiter Magdalena und Hubert, vlg. Kirg a. Bach, Erlsberg 45, 8953 Donnersbach

Familie: Magdalena und Hubert, Töchter Monika und Bernadette, Hofnachfolger Thomas, weiters am Betrieb die Eltern und eine Schwester
Arbeitskräfte: Betriebsleiterehepaar und Sohn
Betriebsschwerpunkte: Milchproduktion, Zuchtrindervermarktung, Forstwirtschaft und Almwirtschaft
Seehöhe:700 m
Flächenausstattung:42 ha insgesamt, davon12 ha eigenes Grünland, 12 ha Wald, 11,5 ha Alm gepachtet und 6,5 ha Grünland gepachtet
Tierbestand: 15 Milchkühe. 10 Stück Jungvieh
Quotenausstattung: 113.000 kg Quote (inkl. Almquote)
Stallgebäude: Altes Stallgebäude mit optimierter Anbindehaltung
Stalldurchschnitt:      
2000    15,1    7.891 - 4,38 - 3,42 - 616
2005    12,6    9.220 - 4,18 - 3,46 - 705
2010    13,6    8.561 - 4,01 - 3,45 - 639

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Autor: Ing. Fritz Baumann, Rinderzucht Steiermark