Betriebsreportage Fam. Schilling, Steiermark

Auf 760 m Seehöhe in Edelschrott, in der hügeligen Weststeiermark, steht der Fleckviehzuchtbetrieb der Familie Michael und Erna Schilling. Die Schillings bewirtschaften einen kombinierten Betrieb mit Land- und Forstwirtschaft. Für Zuchtangelegenheiten ist Junior Michael zuständig, der ein klares Ziel verfolgt.

Michael jun., Michael sen. und Erna SchillingMichael jun. ist obendrein mit dreißig Wochenstunden beim „Fortschrittlichen Landwirt" als Redakteur angestellt. Dort ist er zuständig für den Bereich „Rinder und Grünland". Michael sen. hat einen Fuß in der Politik und ist in Edelschrott als Vizebürgermeister tätig.
Die 69 ha Eigengrund der Schillings und 3 ha Pachtgrund verteilen sich auf 14 ha Dauergrünland, 4 ha Feldfutter, 5 ha Dauerweide und 49 ha Wald. Der Mischwald, mit sehr guter Bonität, und die Weide befinden sich 20 km entfernt in 1.000 m Seehöhe und werden zum Großteil selbst bewirtschaftet.

Stallsanierung mit Gummimatten

Ansicht auf das Stallgebäude und den LaufhofVor zehn Jahren wurde ein neues Stallgebäude mit 34 Kuhplätzen errichtet. Ausgestattet ist der Stall mit einer Schrapperentmistung und Hochboxen. Zwischen dem alten und dem neuen Gebäude befindet sich der Laufhof, welcher auch als Vorbereitungsraum für den Melkstand genutzt wird. Gemolken wird in einem 1 x 5er-Fischgrät-Melkstand. Im alten Stall sind das Jungvieh, die Kälberboxen und die Abkalbebox untergebracht. Nach zehn Jahren waren die Betonböden verbraucht. Alle gemeinsam entschieden sich für eine Sanierung mit Gummimatten. Eine Entscheidung, die bisher nicht bereut wurde. Die Matten sind zwar nicht ganz billig, jedoch merkt man den Kühen deutlich an, dass sie besser laufen und sich auch öfter und lieber zum Fressen bewegen. Der Weiße-Linien-Defekt tritt nicht mehr auf. Auch Sohlengeschwüre konnten auf ein Minimum reduziert werden. Nur Kühe mit Altlasten zeigen gelegentlich Probleme. Ziel der Gummimatten soll es auch sein, keine Neuerkrankungen mehr aufkommen zu lassen. Auch in der Melkgrube liegt jetzt eine Gummimatte. So steht es sich auch beim Melken wesentlich angenehmer.

„Die Kuh muss älter werden"

Zurzeit stehen 30 Fleckviehkühe und 25 Stück weibliches Jungvieh im Stall. Zudem sind 15 Kalbinnen bei einem Partnerbetrieb untergebracht. Die Leistung hat sich in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gesteigert. Von 6.500 kg Milch im Jahr 2001 hat man mittlerweile einen Stalldurchschnitt von 8.500 kg Milch erreicht. Laut Michael Schilling jun., der aber nicht nur die Leistung forcieren will, ist eine Marktlieferleistung von 9.000 kg Milch keine Utopie. Vorrangig ist aber, die Nutzungsdauer am Betrieb deutlich zu erhöhen. „Die Kuh muss älter werden“, sagt Michael jun. Dazu braucht man auch beste Fundamente und gesunde Euter. Diese Werte sind bei der Stierauswahl vorrangig. „Ein Plus bei den Milch-kg hat jeder Stier auszuweisen – bei den Fundamenten ist das nicht der Fall“, meint der Junior.
Auch der Gesamtzuchtwert findet bei der Stierauswahl kaum Beachtung, dafür schaut man, dass die Striche nicht zu kurz und dünn werden. Die genomisch geprüften Jungstiere werden nur zu 30 Prozent eingesetzt. Hier ist man konservativ und setzt auf die Sicherheit der nachkommengeprüften Stiere. „Meiner Meinung nach kann ich die gewünschte Herde so gezielter aufbauen. Ich will und kann mir wenige Experimente leisten. Dazu ist mir jedes einzelne Vieh viel zu wertvoll“, schildert Michael. Wichtig für die Schillings ist auch eine breite Streuung der Besamungsstiere. Im Container lagert zurzeit Sperma von 40 verschiedenen Stieren. Bei den 30 Kühen im Stall sind 24 verschiedene Väter anzutreffen. Nur GS RAU, ILION, ROUND UP und GS RÖMER sind zweimal vertreten. Ebenso verhält es sich im Jungviehstall - zwei Kalbinnen mit demselben Vater sind schon das Maximum. „Wenn ich Kühe bei mir am Betrieb habe, die ins Konzept passen und von den Zuchtwerten her stabil sind, dann schau ich mir die Väter immer genauer an. Hat der Stier dann nach vielen Jahren noch immer stabile Zuchtwerte und die Töchterleistungen sind in Ordnung, besorge ich mir, falls noch vorhanden, weitere Samenportionen“, erzählt der Jungbauer. So hat er es in letzter Zeit mit den Stieren ROTAX, MANITOBA, ROUND UP, ILION und GS RUM gemacht. „Warum soll ich auf die bewährte Genetik verzichten und sie nicht wieder einsetzen, wenn wir am Betrieb selber die Bestätigung haben, dass die Kühe einfach nur funktionieren, wie zum Beispiel die ROTAX -Tochter NONNE, die jetzt das siebente Kalb bringt und das Euter sowie das Fundament top sind“, fügt der Züchter hinzu. Die Milchleistung muss trotz allem in Ordnung sein. Davon stammt ja schließlich das Einkommen.

„Triple B" als Zuchtziel

Brust, Bauch, Becken – diese drei Merkmale muss eine Kuh vorweisen. Darauf wird die Zucht ausgerichtet. Stark in der Brust, tief im Rumpf und breit im Becken – so soll eine Fleckviehkuh im Stall der Schillings aussehen und dazu möglichst unkompliziert sein. Die Kuh, die das ganze Jahr kaum auffällt, ist ihnen die liebste, eben eine so genannte „Easy-Handling-Cow“. Eine Kuh, die diese Vorzüge voll ausspielt, ist die ROUND UP-Tochter LAURA. In der ersten Laktation hat sie mit 8.500 kg abgeschlossen. In der zweiten Laktation hat sie mit knapp 50 kg eingesetzt und sie macht dabei keinerlei Probleme. Sehr zufrieden ist man auch mit GS RAU-Tochter INGE. Auch sie schließt in der ersten Laktation mit 8.000 kg ab und kann ein hervorragendes Euter mit bester Melkbarkeit aufweisen. Ihre Mutter entstammt dem bekannten I-Stamm der Familie Eckhart aus Maria Lankowitz.
Seit sieben Jahren wird mit einem Mischwagen gefüttert. Die aufgewertete Mischration ist auf 22 kg Milch eingestellt. Die Mischkomponenten sind 80 Prozent Gras- und 20 Prozent Maissilage. Dazu kommen Stroh, Melasse, das Kraftfutter sowie Mineralstoff und Viehsalz. Das restliche Kraftfutter, welches ausschließlich als Fertigfutter zugekauft wird, wird über die Abruffütterung zugeteilt. Heu bekommen die Kühe seit einigen Jahren nicht mehr. Im Frühjahr kommen die Kühe auf die Weide, ebenso im Herbst zur Nachweide. Viel Wert wird auch auf die Klauenpflege gelegt. Zwei Mal im Jahr werden alle Kühe von einem Fachmann durchgeschnitten.
Mit der Fruchtbarkeit seiner Fleckviehkühe ist Michael jun. zufrieden, es gibt aber sicher noch Verbesserungspotential. Im Schnitt kommt man auf eine Zwischenkalbezeit von 388 Tagen. Stolz sind die Schillings auch auf die Qualität ihrer produzierten Milch: Die durchschnittliche Zellzahl im Jahr 2012 beträgt 76.000. Über viele Jahre liegt die Zellzahl schon unter 100.000. Auch die S-Qualität erreichen die Schillings seit über zehn Jahren ohne Unterbrechung. Das ist auch weiterhin die Vorgabe bzw. das Ziel für die Produktion. Trotz fortwährendem Zukauf von Milchquote musste man im Vorjahr 45.000 kg überliefern. Von einer Ausgangsbasis im Jahr 1980 von 27.000 kg wurde die Quote auf 196.000 kg aufgestockt. Geliefert wird an die Molkerei „Bergland“. Momentan wird noch ein wenig zugewartet. Wie viel nach dem Ende der Quote als Jahresziel festgesetzt wird, ist auch noch ein wenig unklar. Es soll keinesfalls weniger werden, hängt natürlich auch von der Flächensituation bzw. von der vorhandenen Arbeitskapazität ab. Es ist das gemeinsame Ziel, vorerst noch besser zu werden und nicht auf „Teufel komm raus“ zu wachsen.
Die typischen Schaufahrer sind die Schillings nicht, sie sind aber auch nicht abgeneigt. So freuen sie sich bereits auf die Weststeiermarkschau am 24. Mai 2014 in Dobl.

Betriebsdaten

Michael Schilling, Schulstraße 93, 8583 Edelschrott, Steiermark

Arbeitskräfte: Betriebsführer Michael mit Gattin Erna und Sohn Michael jun.
Lage: Weststeiermark, Seehöhe 760 m, Niederschlag 1.200 mm
Fläche: 20 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, 49 ha Wald, 3 ha Pachtgrund
Viehbestand: 30 Milchkühe, 40 Stück weibliches Jungvieh
Fütterung: 80 % Grassilage, 20 % Maissilage, Fertigfutter über Transponder
Quotenausstattung: 196.000 kg; 240.000 kg Jahresproduktion
Leistungsentwicklung:
2013  28,6  8.317  4,35  3,59  661 (gleitend)
2010  26,4  7.118  4,44  3,59  572
2007  23,7  6.933  4,12  3,58  533
2004  18,8  6.683  4,25  3,64  527
2001  15,4  6.566  4,03  3,56  498

Autor: Willi Edlinger, Rinderzucht Steiermark

Stallgebäude und Wohnhaus der Familie Schilling in Edelschrott, Steiermark