Betriebsreportage Fam. Schmidinger, Eidenberg, OÖ

Durch große Leidenschaft und Freude an der täglichen (Zucht)-Arbeit hat sich die Familie Schmidinger aus dem oberösterreichischen Eidenberg in kurzer Zeit einen tollen Milchvieh-Betrieb mit viel Potenzial für die Zukunft aufgebaut. Die Begeisterung hat sich auch schon auf die Kinder Julia und Michael übertragen, die sich erfolgreich als Jungzüchter betätigen.

Als im Jahr 1996 der Vater von Manfred Schmidinger starb, stand er vor der großen Entscheidung, wie es mit dem elterlichen Betrieb weitergehen soll. Nach kurzer Überlegung entschloss sich der gelernte Tischler bei der „Milchkuh“ zu bleiben und übernahm den elterlichen Betrieb mit ca. 15 Milchkühen. Er beendete seine Tätigkeit bei der Tischlerei und konzentrierte sich voll und ganz auf die Landwirtschaft. Um sich ein fundiertes Wissen anzueignen, legte Manfred Schmidinger im Jahr 1997 die landwirtschaftliche Facharbeiterprüfung ab. Im selben Jahr entschloss sich die Familie Schmidinger dem Rinderzuchtverband Oberösterreich (RZO) und dem Landesverband für Leistungsprüfung und Qualitätssicherung (LfL) beizutreten.

Entscheidung zum Vollerwerb
Da die vorhandene Struktur des Betriebes zum Vollerwerb nicht ausreichte, begann Familie Schmidinger im Jahr 1998 mit der Planung eines Laufstalls mit Tiefbuchten und Schrapper für ca. 40 Kühe. Für die weibliche Nachzucht haben die Betriebsführer Hochboxen mit Gummimatten und Spaltenboden vorgesehen und für die entwöhnten Kälber wurde ein Tieflaufstall eingeplant. Im Jahr 1999 wurde mit dem Bau begonnen und eine 20 m x 30 m große Halle vorwiegend in Eigenleistung errichtet. Ein 2 x 4-Fischgrätmelkstand, die Milchkammer und ein Teil der Liegeboxen wurden in das bestehende Stallgebäude integriert, um somit eine optimale Nutzung der bestehenden Substanz zu erreichen.
Seit der Übernahme und speziell seit Fertigstellung des neuen Stalls bemüht sich Familie Schmidinger, die Qualität und Milchleistung der Herde zu steigern. Und das sehr erfolgreich, wenn man bedenkt, dass in 10 Jahren die Kuhzahl aus eigener Nachzucht mehr als verdoppelt wurde und die Tiergesundheit, die Qualität im Exterieur bzw. die Milchleistung stark gestiegen sind. In den letzten Jahren werden vermehrt die weiblichen Tiere über die Vermarktungsschiene des Zuchtverbands abgesetzt. Die männlichen Mastkälber werden über die Österreichische Rinderbörse vermarktet.

Erste Schauerfolge stellen sich ein!
Durch die Leidenschaft und Konsequenz in der täglichen Zuchtarbeit hat es Familie Schmidinger in kurzer Zeit zu beachtlichen Schauteilnahmen und Schauerfolgen gebracht. Diese Begeisterung spiegelt sich auch bei den Kindern wider. Nicht nur am Betrieb, wo sie jede freie Minute mit den Eltern gemeinsam die Tiere betreuen und z. B. die Kälber mit dem Strickhalfter auf die Weide bringen, sondern auch bei der erstmaligen Teilnahme am JungzüchterVorführcup dieses Jahres anlässlich des Grün.Land.Vieh.Festes in Freistadt. Beide Kinder konnten beachtliche Erfolge verzeichnen. Tochter Julia wurde mit der Kalbin NISCHE Gruppensiegerin und Sohn Michael belegte mit Kalbin HILDE den ausgezeichneten 3. Platz in seiner Gruppe.

Einsatz aktueller Vererber
Es wurden und werden immer die aktuellsten Vererber eingesetzt. In den letzten Jahren waren das WEBAL, RESS, WEINOLD, MADERA, MAIKÖNIG, HUTMANN, MANITOBA und gezielt auch RF-Stiere wie zum Beispiel CADON RED. Derzeit werden Stiere wie HADES, RECHBERG, HUPSOL, MALHAXL, VANDOR und ETTAL eingesetzt.

Fütterung
Das Grundfutter setzt sich aus 2/3 Grassilage und 1/3 Maissilage und Heu zusammen. Kraftfutter wird mittels Kraftfutterstation zugeteilt. Trockenstehende Kühe werden getrennt mit den hochträchtigen Kalbinnen im Außenklimastall mit Grassilage und Heu gefüttert. Die Kälber werden ca. 8 – 10 Wochen mit Milch getränkt und bekommen ab der 4. Woche Heu und Kälberstarter.

Zielvorstellungen für die  Zukunft
Die Vermarktung weiblicher Zuchttiere über die Versteigerungen des RZO soll nach abgeschlossener Aufstockung der Kuhzahl  ausgebaut werden. Familie Schmidinger hofft, auch in Zukunft ihren Betrieb im Vollerwerb führen zu können, wofür aber vernünftige und klare Rahmenbedingungen wie zum Beispiel ein angemessener Milchpreis und die Quotenregelung  notwendig sind.

Betriebs-Daten

Familie Emilie und Manfred Schmidinger, vulgo Ertl, Lichtenberger Straße 69, 4201 Eidenberg

Arbeitskräfte: Betriebsführerehepaar Emilie und Manfred Schmidinger mit Kindern Michael (12), Julia (11)
Seehöhe: 720 m
Betriebsgröße: 29,5 ha landwirtschaftliche Nutzfläche (10 ha Pacht inkl.), davon 5,75 ha Acker (Getreide, Silomais); 5,5 ha Wald
Viehbestand: 40 Milchkühe, 35 Stück weibliche Nachzucht
Stallform: Kühe im Tiefboxenlaufstall mit Schrapper;     Jungvieh in Hochboxen mit Gummimatten und Spaltenboden; Kälber nach der Entwöhnung im Tieflaufstall
Melktechnik: 2 x 4-Fischgrät-Melkstand
Siloraum: 800 m³
Gülleraum: 1.216 m³
Leistungsentwicklung   
Jahr    Anzahl   Milch-kg     Fett%      EW%   F/E-kg        
1998     15,1      5.200           4,05        3,49       392
2001     18,8      6.162           4,25        3,65       487
2004     21,7      6.232           4,17        3,46       475
2007     29,6      7.545           3,95        3,55       566
2008     35,0      7.117           3,96        3,59       537
Seit der Laufstallhaltung ist die (Euter-)Gesundheit wesentlich gestiegen.

zu den Fotos

Autor: Wolfgang Grillberger, RZO