Betriebsreportage Fam. Schmidt, Zettling, Stmk.

In Zeiten, in denen jährlich zig Betriebe ihre Stalltüren schließen, ist es besonders erfreulich, wenn sich ein Betrieb zu Gegenteiligem entschließt, nämlich in die Milchproduktion einzusteigen – so wie Familie Schmidt aus Zettling in der Steiermark – noch dazu in einem Gebiet, in dem die Rinderhaltung eine Rarität ist.

Familie Franz und Monika SchmidtDer Betrieb der Familie Schmidt befindet sich südlich von Graz im so genannten Grazerfeld. Dieses Gebiet ist gekennzeichnet durch intensiven Ackerbau, wobei Feldgemüse- und Kartoffelanbau eine wesentliche Rolle spielen. Bei den Böden handelt es sich überwiegend um Schotterböden, die als Wasserschongebiet ausgewiesen sind. Die vorhandenen seichtgründigen Böden erfordern in Trockenphasen einerseits eine Bewässerung, andererseits ist wegen des Wasserschongebietes und der intensiven Verbauung die Düngung, insbesonders die Gülleausbringung, an strikte Auflagen gebunden. Natürlich sind die Pacht- und Grundpreise in diesem Gebiet, welches auf etwa 320 m Seehöhe liegt, sehr hoch. Die Rinderhaltung spielte in diesem Gebiet immer eine untergeordnete Rolle, wobei die Milchviehhaltung fast zur Gänze verschwunden ist.  

Einstieg in Milchproduktion

Auch Familie Schmidt betrieb Ackerbau und Rindermast, bis der Betriebsleiter in den 80er-Jahren in die Milchproduktion einstieg und sich ein Kontingent von 70.000 kg Milch erarbeitet hat, was damals, zurzeit der Quotenregelung, möglich war. Inzwischen wurde das Kontingent durch Zuteilung bzw. Zukauf auf aktuell 210.000 kg erhöht. Im Jahr 2001 entschied man sich schließlich, mit einem Bestand von 16 Fleckviehkühen dem Milchleistungskontrollverband beizutreten und seit 2007 ist der Betrieb auch Mitglied der Rinderzucht Steiermark. Binnen neun Jahren wurde die Kuhzahl verdoppelt und die Leistung um fast 3.000 kg Milch angehoben. Der Viehbestand beträgt 31 Milchkühe, 28 Kälber und Kalbinnen zur Zucht und 12 Mastkalbinnen, welche über Frischfleischverkauf direkt vermarktet werden. Die Durchschnittsleistung der Fleckviehkühe kann sich sehen lassen: 8.902 kg Milch mit 4,31 Fettprozent und 3,59 Eiweißprozent.

Kaltstall 2005 erbaut

Die Kühe werden in einem Kaltstall, welcher 2005 errichtet wurde, in Tiefboxen mit Schrapper-Entmistung gehalten und in einem Dreiertandem-Melkstand mit Milchmengenmessung und Abnahmeautomatik gemolken. Das Jungvieh zur Zucht ist im Altgebäude auf Hochboxen ebenfalls mit Schrapper-Entmistung untergebracht. Bis dahin verbringen die Kälber etwa 8 Wochen in Iglus und danach in Gruppenhaltung auf Tiefstroh. Die Abkalbungen erfolgen grundsätzlich in einer großzügig angelegten Abkalbebox. Die Mastkalbinnen werden in Boxen auf Vollspalten gehalten. Für die Gülle stehen 670 m³ Grubenraum zur Verfügung.  

Fütterung

Für die Futterkonservierung und Lagerung stehen 850 m³ Fahrsilo bzw. Siloballen zur Verfügung. Gefüttert wird mit einer aufgewerteten Mischration bestehend aus Gras- und Maissilage im Verhältnis 1:1, Mineralfutter, Viehsalz, Kürbiskuchen und Gerstenstroh. Kraftfutter wird den Kühen leistungsbezogen über Transponder verabreicht.  

Zucht

Die Entwicklung des Betriebes auf dem Gebiet der Fleckviehzüchtung ist im Hinblick auf die relativ kurze Zeit, seit der sich der Betrieb mit Rinderzucht beschäftigt, als sehr gut zu bezeichnen. Natürlich bedarf es noch einer entsprechenden Selektion, wodurch die Marktleistung, insbesondere von wertvollem Zuchtvieh, noch nicht im künftig erwünschten Ausmaß gegeben ist. Obwohl der Betrieb erst seit vier Jahren als Zuchtbetrieb geführt wird, wurden schon etliche Zuchtkalbinnen über die Rinderzucht Steiermark vermarktet. Züchterisch orientiert sich der Betriebsführer am kombinierten Fleckviehtyp und selektiert streng nach erbrachter Leistung. Als Parameter für die Selektion gelten vor allem gute Fundamente, Fitness, Zellzahl und Persistenz. Der Einsatz der Stiere ist sehr breit gestreut und richtet sich im Wesentlichen nach den fachlichen Vorgaben der Rinderzucht Steiermark.

Neben der Rinderhaltung …

Die Rinderhaltung, welche naturgemäß auch sehr arbeitsintensiv ist, umfasst im Gesamtbetrieb der Familie Schmidt um die 40 % der Produktionsleistung. Daneben werden 27 ha Ackerfläche mit zum Teil sehr handarbeitsintensiven Feldfrüchten bearbeitet. Der Kartoffelanbau, welcher 7 ha umfasst, setzt sich aus Frühkartoffel unter Vlies, Industriekartoffel für Vertragsanbau und Herbst- und Lagerkartoffel zusammen. Weiß- und Rotkraut werden für den Frischmarkt für die Verarbeitung zu Sauerkraut im Vertragsanbau für einen örtlich ansässigen Verarbeitungs- und Vermarktungsbetrieb produziert. Ein Teil wird auch als Lagerkraut für den Winter eingelagert. Kürbis wird für die Vermarktung von Kernöl ab Hof angebaut.

Mechanisierung  

Die Arbeiten auf der etwa 8 ha großen Maisfläche, wovon ca. 3 ha als Körnermais geerntet werden, und der Kürbisanbau erfolgen über den Maschinenring. Für alle übrigen technischen Erfordernisse ist der Betrieb eigenmechanisiert.

Die umfassenden Produktionssparten des Betriebes der Familie Schmidt lassen wohl erahnen, dass von allen Familienmitgliedern voller Einsatz erforderlich ist, zumal keine Fremdarbeitskräfte aufgenommen werden. Außerdem beteiligt sich die gesamte Familie sehr aktiv am Vereins- und Gemeindeleben bei der Landjugend, Feuerwehr, Bauernbund, Jagdgesellschaft und bei Gemeindeveranstaltungen.

Betriebsdaten

Familie Franz und Monika Schmidt, 8141 Zettling 37

Lage:
Grazerfeld auf ca. 320 m Seehöhe
Arbeitskräfte:
Betriebsleiter mit Gattin sowie Sohn Stefan und die Eltern. Sohn Markus - er arbeitet als Industriekaufmann und absolviert ein BWL-Studium - hilft in seiner Freizeit ebenfalls zuhause mit.
Flächenausstattung:
55 ha, davon 22 ha Eigengrund und 33 ha Pacht- bzw. Nutzflächen
Flächenbewirtschaftung:
9 ha Wald, 15 ha vier- bis fünfschnittige und 4 ha zweischnittige Dauerwiese, 27 ha Ackerland aufgeteilt in 7 ha Kartoffeln, 6 ha Kraut und Endiviensalat, 3 ha Kürbis, 3 ha Wintergerste und 8 ha Mais
Viehbestand:
31 Milchkühe, 28 Kälber und Kalbinnen zur Zucht sowie 12 Mastkalbinnen
Leistungsentwicklung
2002   16,1 Kühe  6.133 – 3,77 – 3,51 – 446
2007   25,2 Kühe  7.198 – 4,33 – 3,51 – 564
Gleit.   30,7 Kühe  8.902 – 4,31 – 3,59 – 703

Autor: Ing. Sepp Hartner, Rinderzucht Steiermark

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