Betriebsreportage Fam. Schweighofer, Pöllau, Stmk.

Dieser Bericht wirft einen Blick in einen Betrieb im steirischen Pöllauertal, der sowohl hinsichtlich züchterischer Qualität als auch grundsätzlicher Betrachtungen zum Thema Mensch und Tier Besonderes birgt. 1991 übernahmen Johann und Elisabeth Schweighofer den Betrieb mit 12 Kühen und einer Quote von 24.000 kg.

Familie Schweighofer aus PöllauEs folgte eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung in Tierqualität, Kuhbestand und Quote. Erst die Möglichkeit einer größeren Flächenzupacht ebnete den Weg für den nächsten Entwicklungsschritt. 2003 wurde ein dreireihiger Liegeboxenlaufstall mit Schieberentmistung, Tiefboxen und Auslauf als Neubau finalisiert. Damals wurden 25 Kühe mit rund 7.500 kg Durchschnittsleistung gehalten. Heute stehen 53 Kühe mit einem gleitenden Herdenniveau von 9.300 kg am Betrieb.

Wie geht es meiner Kuh?

Als Besonderheit des Betriebes Schweighofer sind die hervorragende Herdenbeobachtung und der außergewöhnliche Tierumgang zu nennen. Das Motto der Familie „Wer von den Kühen leben will, muss mit den Kühen leben“ ist keine leere Floskel, sondern wird in der täglichen Arbeit umgesetzt. „Für uns ist es wichtig, dass die Tiere gesund sind und sich wohl fühlen, die Leistung ist nicht erstrangig. Wichtig ist trotz eingesetzter Technik ein gutes Auge und Gespür für die Kühe, um zu sehen, was die Kuh will, was sie braucht. Dazu ist es unerlässlich, möglichst viel Zeit im Stall zu verbringen, um Auge und Aufmerksamkeit bei den Tieren zu haben“, erzählt Johann Schweighofer von seinem Verständnis Züchter und Milchproduzent zu sein. „Geht´s der Kuh gut, geht´s auch dem Bauern gut“. Dieses Auge und Gespür wurde bereits mit Erfolg auch Sohn Hannes vermittelt. Als messbarer Erfolg dieser konsequent guten Tierbetreuung konnte heuer erstmals am Betrieb eine Kuh die 100.000 kg-Lebensleistungsmarke überschreiten.

Füttern, Melken, Wellness

Um das Wohlbefinden der Tiere am Betrieb möglichst hoch zu halten, wird in den Bereichen Fütterung, Melken und Kuhkomfort nichts dem Zufall überlassen. Vorrangig aus arbeitswirtschaftlichen Gründen wurde vor einigen Jahren ein Futtermischwagen angeschafft und seither eine AMR mit Gras- und Maissilage im Verhältnis 70:30, gemischt mit Biertreber und Getreideschrot, vorgelegt. Mischfutter wird nach Leistung zugeteilt. Die Jungviehration besteht nur aus Grundfutter, bis zu einem Alter von einem Jahr wird Kraftfutter per Hand ergänzt. Bei sehr hohen Einsatzleistungen wird gezielt über einen Flüssigdosierer Energie zugeführt. Weiters wird die Ration mit effektiven Mikroorganismen (EM) versetzt, welche positive Auswirkungen auf Verdauung und Stoffwechsel zeigen.

Gemolken wird in einem 2 x 4-Fischgrätmelkstand. Elisabeth Schweighofer legt hier großen Wert auf Zitzenpflege und Zwischendesinfektion. Selbst bei mehrjähriger Betrachtung liegt der Zellgehalt unter 100.000, was bei 50 Kühen und Herdenleistungen jenseits der 9.000 kg beeindruckendes Ergebnis dieser Konsequenz ist.
Wellness genießen Schweighofers Kühe täglich. Der Stall ist hell und mit genügend Luftraum ausgestattet. Dem Futtermittel Wasser wird große Sorgfalt zugemessen. Die Tränkewannen werden mindestens 2-mal täglich entleert und gereinigt. 3-mal täglich werden die Laufgänge mit dem Schrapper entmistet. Die Boxen werden laufend gereinigt und der Bettenaufbau mit ausreichend Stroh verbessert. Ventilatoren, elektrische Kuhbürste, Kuhbrause, Auslauf mit Außenliegeboxen und ein großzügig dimensionierter Vorwarteplatz runden das Wellnessangebot ab.

Zucht und Genetik

Wichtigster Antriebsmotor für die erfolgreiche züchterische Entwicklung am Betrieb Schweighofer ist mit Sicherheit die Begeisterung für Rinderzucht, welche über Generationen weitergegeben wurde und wird. Gefragt nach der idealen Kuh, antwortet der Züchter: „Problemlos und gesund aber auch schön soll sie sein. Ich mag Kühe in gutem Rahmen mit breiter Auslage im Becken. Ausgewachsen bzw. im altmelken Stadium soll die Kuh Fleisch zeigen. Kühe sollen flott und flink am Fuß sein und ein möglichst kleinvolumiges, drüsiges Euter haben, bei dem die Zitzen nicht zu kurz und gut platziert sind.“ Dieser Idealvorstellung von Kuh versucht man seit Jahren mit konsequenter Zuchtstrategie nahe zu kommen. In Anpaarung und Genetikauswahl wird die Beratung der Rinderzucht Steiermark rege in Anspruch genommen. Jede Besamung ist gezielt und durchdacht.

Aktuell stehen WALDBRAND, WILHELM, GS RAU, WILLE und VANEL am Besamungsplan. Rund ein Drittel der Besamungen wird bereits mit genomisch selektierten Jungstieren durchgeführt.
Ein weiteres Novum am Betrieb ist die relativ starke Nutzung des Natursprungstieres, der als Ringstier für die VZG Pöllau gehalten wird. Aktuell steht mit dem VANSTEIN-Sohn VASTIC (M.: Hemma) ein eigenes Zuchtprodukt für den Deckeinsatz zur Verfügung.

Kuhstämme und genomische Selektion

Im Wesentlichen bilden 5 Stämme die Herde, wobei züchterisch 3 Stämme herausragen. Die H-Linie geht auf die HAXZEUS-Tochter HEMMA zurück. Diese Kuh bezeichnet Johann Schweighofer als seine absolute Lieblingskuh. 7 Abkalbungen, über 10.000 kg Milch, Doppelnutzungscharakter bei toller Euterqualität zeichnen diese Altkuh aus, die insgesamt 5 Töchter in der Herde platzieren konnte.

Die Z-Linie basiert auf ROMEL-Tochter ZITA und geht über ihre GS MALHAX-Mutter aus einem Kalbinnenzukauf hervor. ZITA war das erste Kalb, das im neuen Laufstall geboren wurde. Die Fünftkalbskuh zeigt ihre Stärken in Unverbrauchtheit und einem Spitzeneuter. ZITA wurde über ET genutzt und weist über 10 Nachkommen auf.
Zwei Töchter (V.: Vanstein, V.: Rau) zeigen ebenfalls herausragende Eigenschaften in Euter und Typ. Männliche Nachkommen aus dieser Linie wurden ebenfalls mit Erfolg genotypisiert.

Die S-Linie geht auf die RESS-Tochter SUMME zurück, welche die erste Ausstellungskuh am Betrieb Schweighofer war. Aus dem Testeinsatz entstand die GS WEINBERG -Tochter SIEGERIN, welche wiederum im verzögerten Testeinsatz mit WALDBRAND belegt wurde. Der daraus resultierende Sohn zählt mit Vorliegen des Genomergebnisses zu den interessantesten Kandidaten der Steiermark und kommt demnächst zur Vermarktung. Ein großes Ziel ist es, einen positiven Vererber für den breiten Besamungseinsatz zu züchten.
Dem Instrument Genomselektion steht der Betriebsführer grundsätzlich offen gegenüber, wenngleich er die Bestätigung erster Ergebnisse in den nächsten Monaten genau beobachten will. Für den Herbst ist die Typisierung mehrerer weiblicher Tiere als Selektion für den ET geplant.

Thema Rinderschauen

Beim Thema Schau bekommen die Züchteraugen von Johann Schweighofer stets ein besonderes Funkeln. Mit ROMEL-Tochter ZITA war er auf der BFVS 2009 in Greinbach vertreten und konnte einen 3. Rang belegen. Für die heurige BFVS in Ried ist ZIERDE (V.: GS Rau, MV.: Romel) zur Ausstellung vorgesehen. Als bisherigen Höhepunkt seiner Züchterlaufbahn bezeichnet Johann aber definitiv die Wechsellandschau 2008. Man war mit 6 Kühen vertreten, stellte mit HEMMA (V.: Haxzeus) und ZITA (V.: Romel), 2 von 3 Gesamtsiegerinnen, holte 2 Gruppensiege und 4 Reservesiege. „Den Moment, als ich gemeinsam mit Hannes mit 2 Kühen im Finalring stand und wir schließlich Platz 1 und 2 belegten, werd' ich nie vergessen“, schildert der leidenschaftliche Züchter diesen emotionalen Motivationsschub für Vater und Sohn.

Vermarktung

Der Verkauf von Zuchtrindern wird als interessantes Zubrot zur Milchproduktion gesehen. Auffallend war, dass der Betrieb auch in der Aufstockungsphase immer in der Lage war, Zuchtrinder zu verkaufen. Aktuell sind es Jungkühe in Milch und Zuchtkälber, welche über den Standort Greinbach zentral vermarktet werden. Im Willen zur Selektion liegt die Grundlage für die Verbesserung der eigenen Herde. Als Selbstverständlichkeit sieht der Züchter Rückfragen bei jedem Käufer bezüglich Zufriedenheit mit dem Tier. „Der Käufer ist mein Berufskollege. Nur wer zufriedene Käufer hinterlässt, wird sich langfristig am Zuchtviehmarkt behaupten können.“ Egal ob es der Umgang mit den Tieren oder der Kontakt zum Berufskollegen ist, eines ist für Johann Schweighofer sicher: „Wer Gutes aussendet, wird Gutes zurückbekommen.“

Ziele und Zukunft

Auf die Frage nach Zielen und Zukunft antwortet der Züchter nicht mit Kuh- und Leistungszahlen, sondern mit Gesundheit, Zufriedenheit und Zusammenhalt innerhalb der Familie. Diese Werte sind nicht mit betrieblichen oder züchterischen Erfolgen aufzuwiegen. An erster Stelle stehen der Mensch und der Familienverband. „Wir wollen natürlich weiterhin versuchen, unsere Herde in Problemlosigkeit, Langlebigkeit und Exterieur zu verbessern. Dazu braucht es neben Willen und Fleiß, aber auch die nötige Portion Glück“, so Johann Schweighofer.

Betriebsdaten

Johann und Elisabeth Schweighofer, Rabenwald 102, 8225 Pöllau

Lage:
600 m Seehöhe
Betriebsgröße: 61 ha (davon 22 ha Pacht)
Flächenbewirtschaftung: 27 ha Dauergrünland, 13 ha Acker (5 ha Silomais, 4 ha Getreide ,4 ha Feldfutter), 21 ha Wald
Viehbestand: 110 Stück, davon 50 Milchkühe, 40 Kalbinnen, 20 Kälber, 1 Genossenschaftsstier
Herdendaten:
ǿ Lebensleistung    22.107 kg
ǿ Erstlingsleistung 8.567 kg
ǿ Zellzahl 90.000
ǿ.ZKZ 380 Tage
ǿ GZW Herde 110
ǿ GZW Kalbväter 127
Leistungsentwicklung:
            2000 – 21 – 6.738 – 4,42 – 3,57 – 537
            2005 – 35 – 8.039 – 4,14 – 3,65 – 626
            2011 – 53 – 9.392 – 4,04 – 3,58 – 716   gleitend


zu den Fotos

Autor: Ing. Reinhard Pfleger,  Rinderzucht Steiermark