Betriebsreportage Fam. Seiwald, Golling, Salzburg

Das Gebiet südlich von Salzburg entlang des Flusses Salzach ist stark von der Industrie geprägt, die kleinstrukturierten Landwirtschaften werden vor allem im Nebenerwerb geführt. Eine Ausnahme stellt der Fleckviehzuchtbetrieb der Familie Seiwald dar - ein Biobetrieb im Vollerwerb mit bestem Herdenmanagement.

In Golling an der Salzach auf einer Seehöhe von 470 m liegt der Milchviehbetrieb der Familie Seiwald, Lindnerbauer, welcher von Martha und Nikolaus im Vollerwerb bewirtschaftet wird und der seit 1974 Fleckviehzuchtbetrieb ist.
Der Betrieb umfasst eine Gesamtfläche von 36 ha, wobei 9 ha Grünland zugepachtet werden, davon sind 22 ha mehrmähdiges Grünland und 14 ha Wald. Bei 16 ha der Felder werden meistens fünf Schnitte pro Jahr zur Silageerzeugung genutzt. Die restlichen 6 ha werden dreimal gemäht und es wird Heu erzeugt. Nur ca. 3 ha der Fläche sind ums Haus arrondiert. Die restlichen Flächen liegen im Umkreis von 1 bis 2 km. Beim Wald hat man einen jährlichen Holzeinschlag von 50 fm, welcher für Schnitt- und Brennholz genutzt wird. Der Tierbestand umfasst rund 24 Milchkühe und Kälber bis zu einem Alter von 9 Wochen.
 
Auf Milchvieh spezialisiert
Bis zum Jahr 1995 wurden neben Rindern auch Zuchtsauen am Betrieb gehalten. Drei Jahre später wurde auch die Kalbinnenaufzucht an einen Partnerbetrieb  ausgelagert. Im Jahr 1999 wurde der doppelreihige Anbindestall in einen Laufstall umgebaut. Beim Umbau wurde auf Arbeitserleichterung und Kuhkomfort besondere Rücksicht genommen. Tiefliegeboxen mit Strohmatratzen, planbefestigter Laufgang mit Gummimatten, Auslauf und ein Tandemmelkstand (1x3) erfüllen diese Anforderungen. Die Entmistung erfolgt mit zwei Pendelschiebern in eine Querbahn, die im Winter auf den Misthaufen und im Sommer in die Güllegrube fördert. Die drei Güllegruben beinhalten zusammen rund 500 m³.  Die Kälber werden schon seit 1991 im Einzel- dann im Gruppeniglu gehalten.
 
Wirtschaftsweise
Der Lindnerhof wird seit 1995 biologisch bewirtschaftet (Bio Austria). Im Herbst wird das Grünland mit Festmist gedüngt. Um eine gute Nährstoffversorgung sicherzustellen, wird nach jedem Schnitt mit Gülle für ein gutes Wachstum gesorgt. Die Flächen für die Silagenutzung werden alle drei Jahre mit einer Gemeinschaftsmaschine bei erfolgsversprechenden Wetterbedingungen nachgesät und gewalzt. Der Betriebsführer bevorzugt die Rundballensilage wegen der recht unterschiedlichen Aufwüchse in den Parzellen. Er kann mit dieser Silagetechnik den optimalen Schnittzeitpunkt besser erreichen. Eine eigene Rundballenpresse, welche auch überbetrieblich im Einsatz steht, dient zur Erzeugung von junger Silage.

Hohe Grundfutteraufnahme
Im Winter werden die Milchkühe zu ¾ mit  Grassilage und zu ¼ mit Heu gefüttert. Da sehr junge Grassilagen im Einsatz sind, werden in den Wintermonaten Maissilagerundballen als Energielieferant zugefüttert. Die Silagen werden zweimal täglich frisch vorgelegt. Ziel ist es, eine möglichst hohe Grundfutteraufnahme zu erreichen. Den ersten Schnitt der Silage erhalten ausschließlich frischmelkende und leistungsstärkere Kühe.  Das Kraftfutter wird über den Transponder leistungsbezogen zugeteilt. Im Durchschnitt werden 1.300 kg Kraftfutter pro Kuh und Jahr verfüttert. Die Menge schwankt zwischen 300 und 1.800 kg pro Kuh (Einzeltiere mit über 10.500 kg Milch). Drei Wochen vor dem Abkalben wird mit der Anfütterung begonnen, sodass man beim Abkalben auf 2,5 kg Kraftfutter ist. Anschließend wird auf 6 kg Kraftfutter bis zum 16. Tag nach der Abkalbung gefüttert, danach erfolgt die Fütterung nach Milchmenge, Inhaltsstoffen und äußerem Zustand der Tiere. In den Wintermonaten wird ein 18 %iges Eiweißfutter mit der Energiestufe IV verfüttert. Die Sommerfütterung erfolgt in den Monaten Juli und August mit Gras, das zweimal täglich frisch vorgelegt wird. Im September und Oktober findet Weidegang mit Zufütterung von Grassilage statt. In den Sommermonaten wir Kraftfutter mit 15 % Eiweiß eingesetzt. Heu wird das ganze Jahr vorgelegt.

Optimales Management
Auf laufende Tierbeobachtung legt das Betriebsleiterehepaar sehr großen Wert. Die zweimal jährlich durchgeführte Klauenpflege („Klauen tragen die Milch“) gehört zum Standard. Beim Melken im Melkstand sieht man beginnende Klauenbeschwerden gut und man kann sie frühzeitig korrigieren und behandeln. Durch das Herdenmanagementprogramm hat man auch im Melkstand viele Informationen und Meldungen (Brunst, Futterrest, Milchleitwert, Milchmangel,  Melkverbot wegen Behandlung, Trockenstellen, usw). Durch die sehr gute Tierbeobachtung konnte in den letzten Jahren eine durchschnittliche Lebensleistung von über 35.000 kg, eine Zwischenkalbezeit von 365 Tagen und eine durchschnittliche Zellzahl von unter 100.000 bei einer Herdenleistung von knapp 9.000 kg erreicht werden. Ein Drittel der Tiere haben bereits über 50.000 kg Lebensleistung!
Da die Kalbinnenaufzucht ausgelagert ist, werden gut einen Monat vor der Abkalbung die Tiere in die Herde eingewöhnt.
 
Zuchtziel
Bei der Auswahl der Besamungsstiere wird besonderer Wert auf Vitalität, langlebige Kuhfamilien und bewährte Vererber gelegt. Da der Betriebsführer Eigenbestandsbesamer ist, kann er die gewünschten Stiere entsprechend aussuchen und einlagern. Neue Topstiere mit hohen Zuchtwerten kommen im Betrieb nur begrenzt zum Einsatz. Lieber werden zur Besamung alt-bewährte Stiere mit hohen Sicherheiten hergenommen. „Nicht jeder aktuelle Topvererber passt in jeden Stall“, so die Meinung der Seiwalds. Sie wünschen sich langlebige Tiere mit viel Entwicklungspotenzial, wobei allzu hohe Einsatzleistungen nicht sein müssen. 
 
Große und edle Kühe
Im Betrieb ist eine Kuhlinie sehr dominierend. Aus dem N-Kuhstamm stammt die Hälfte der Rinder vom Betrieb ab. Das Muttertier war sehr fruchtbar, langlebig und brachte 12 Kälber zur Welt bei einer Lebensleistung von über 80.000 kg. Die Tiere haben meist eine schwächere Einsatzleistung, steigern sich aber bis spätestens zur dritten Laktation enorm. Vom Tiertyp finden wir in der Herde sehr große, edle Tiere mit gut melkbaren Eutern und stabilen Fundamenten. Ungefähr die Hälfte der Herde hat einen RH–Anteil von 20 bis 60 %. Nach einmaliger Einkreuzung mit Red Holstein wird mit bewährten Fleckviehstieren besamt.
 

Betriebs-Daten

Fam. Seiwald Martha und Nikolaus, Lindnerbauer, Moartalstrasse 12, 5440 Golling an der Salzach
 
Seehöhe: 470 m
Niederschlag: 1.600 mm
Betriebsform: Biobetrieb (Bio Austria) mit Schwerpunkt Milchproduktion
Betriebsfläche: 36 ha Gesamtfläche davon 22 ha Grünland, 16 ha fünf Schnitte  (Grassilage) und 6 ha drei Schnitte (Heu) sowie 14 ha Wald
Gebäude: Liegeboxenlaufstall mit Tiefboxen und Pendelschieber
Melktechnik: Tandemmelkstand 1x3 mit Milchmengenmessung
Arbeitskräfte:  Betriebsleiterehepaar
Milchquote: 198.000 kg A-Quote.

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Autor: Ing. Christian Preßlaber, RZV Salzburg