Betriebsreportage Fam. Weber, Kärnten

Einen Milchviehbetrieb in kurzer Zeit aufzubauen und während dieser „Aufbauphase“ züchterisch auf hohem Niveau zu wirtschaften gelingt nur wenigen Betrieben. Ein Beispiel dafür ist der Betrieb Weber Johannes in Lausing bei St. Michael im Kärntner Lavanttal.

Betriebsleiter Johannes Weber mit Partnerin Evelyn und den drei SöhnenDas Lavanttal ist weithin für intensive Milchproduktion und Fleckviehzucht bekannt. Zu den leistungsstärksten Betrieben zählt auf alle Fälle der Zuchtbetrieb von Johannes Weber aus St. Michael.

Betriebsaufbau

Der Betrieb wurde im Jahr 1995 vom Betriebsführer gekauft und im Jahr 2000 mit der Neuerrichtung eines Wohnhauses zur fertigen Betriebsstätte ausgebaut. Mit der Errichtung des Milchkuhstalles im Jahr 2002 wurde der Grundstein für den Aufbau der Milchviehherde gelegt. Schon bald konnten die ersten Fleckviehkühe auf verschiedenen Versteigerungen im In- und Ausland angekauft werden.
Am laufenden Band wurden damals wie heute interessante weibliche Kälber zugekauft und aufgezogen. Nur die besten dieser aufgezogenen Kalbinnen schaffen es in die eigene Milchviehherde. Der Großteil wird wieder als trächtige Kalbin oder als Jungkuh weitervermarktet. Die Kalbinnenaufzucht kann also durchaus als zweites Standbein des Zuchtbetriebes bezeichnet werden. Grund dafür ist die gute Ausstattung mit Weideflächen am Betrieb. Diese Flächen können mit Jungvieh optimal genutzt und verwertet werden. Der positive Nebeneffekt ist, dass der Betriebsführer extrem streng selektieren kann und sowohl zum Verkauf als auch für die eigene Nachbesetzung immer hochwertige Qualität zur Verfügung hat.
Der Betriebsführer, der damals noch als Kontrollassistent beim LKV Kärnten tätig war, erweiterte stetig den Betrieb und konnte so im Jahr 2008 in den Vollerwerb wechseln. Der Betrieb hat im Laufe der Jahre durch stetigen Quotenzukauf  eine Jahresrichtmenge von 466.000 kg Milch erreicht, wovon 85.000 kg zugepachtet sind. Folglich wird das Auslaufen der Milchquote verständlicherweise als großer wirtschaftlicher Schaden wahrgenommen.

Maschinenausstattung

Neben dem Rinderbestand hat sich auch die Maschinenausstattung des Betriebes stetig weiterentwickelt und so wird der komplette Anbau und die Futterwerbung mit Ausnahme von Silomaishäckseln und  Ballenpressen in Eigenmechanisierung erledigt.
Die Futtervorlage erfolgt ohne großen technischen Aufwand. Mit dem Frontlader werden die Grassilageballen am Futtertisch grob aufgeschüttelt und per Hand verteilt. Die Maissilage wird ebenfalls mit dem Frontlader oder der Heckkiste entnommen und händisch am Futtertisch verteilt.

Schauerfolge

Bereits im Jahr 2005 konnte bei der Gebietsrinderschau Lavanttal mit der ROMOR-Tochter EMANUELLA der Gesamtsieg der Rasse Fleckvieh erreicht werden und war der Beginn einer erfolgreichen Ausstellerkarriere. Ein weiterer Schauerfolg stellte sich im Jahr 2008 mit zwei Reservesiegen und zwei dritten Plätzen beim ersten Kärntner Milchkuhkirchtag ein.
Als großen Höhepunkt kann man aber durchaus den Gesamtreservesieg bei der Eurogenetik Kooperationsschau 2009 in Ried bezeichnen. Hier wurde die WINNIPEG-Tochter PRINZESSIN zur Gesamtreservesiegerin der Jungkühe gekürt. Sie konnte sich auch im Jahr 2010 den Klassensieg der Jungkühe bei der „Schau im Heft“ sichern.
Beim zweiten Kärntner Milchkuhkirchtag 2010 wurden zwei Gruppenreservesiege mit den Kühen KRONE (V.: Monte) und LAURA (V.: Holger) erreicht. 2011 konnte die WALDBRAND-Tochter STRELLI  bei der Bezirksrinderschau Lavanttal den Gesamtreservesieg der Jungkühe mit nach Hause nehmen und im darauffolgenden Herbst nahm sie an der Bundesfleckviehschau in Ried teil. Mit der Kuh GERMANY, einer MARGINAL-Tochter, konnte auch auf der Bundesschau in Rotholz 2013 eine hervorragende Jungkuh ausgestellt werden.
2014 wurden auf der Kärntner Landesrinderschau mit vier ausgestellten Kühen drei Reservesiege eingefahren: BARONESS (V.: Honig), BABETTE (V.: Waldbrand), PUTZI (V.: GS Rienz) und KAMILLA (V.: GS Wilhelm).
In den letzten Jahren nahmen auch immer wieder Kalbinnen an Jungzüchterwettbewerben teil und konnten bei den Typentscheidungen mitmischen.

Zuchtstrategie

Dass am Betrieb Weber die Milchleistung einer Kuh eine große Rolle spielt, kann man an den Leistungsdaten der vergangenen Jahre erkennen. Trotz dieser hohen Milchleistungen konnte im vergangenen Jahr auch eine hervorragende Zwischenkalbezeit von 363 Tagen erreicht werden.
Um Kühe zu züchten, die diese Spitzenleistungen erbringen können, achtet der Betriebsführer nicht nur auf Leistungs- und Fitnesszuchtwerte, sondern auch intensiv auf die Exterieurzuchtwerte Rahmen, Fundament und Euter.
Da in den letzten Jahren sehr stark auf genomische Jungvererber gesetzt wurde, stieg der Anteil der Jungstierbesamungen auf 79 Prozent aller Besamungen am Betrieb. Momentan werden aber wieder vermehrt nachkommengeprüfte Vererber eingesetzt. Besamt wird aktuell mit den nachkommengeprüften Stieren HUTERA, INFORMANT, HELDERBERG, GS PANDORA und GS VERSETTO. Bei den Jungstieren sind momentan GS DACHSTEIN, EVERGREEN, ROBERT, VALEUR und PAZIFIK im Einsatz.

Von VENEDIG bis DACHSTEIN

Im Jahr 2012 wurden gleich zwei Stiere von GENOSTAR zum Besamungseinsatz angekauft. GS VENEDIG (Round Up x Waterberg) und GS INKLUSIV (Inhof x Waldbrand) überzeugen mit guten Exterieurwerten und einer ausgeglichenen Leistungsvererbung. GS INKLUSIV ist der beste INHOF-Sohn, der sich aktuell im Besamungseinsatz befindet. Von diesen Stieren sind momentan auch schon sehr viele weibliche Kälber am Betrieb und lassen aufgrund ihrer Entwicklung auf kalibrige und milchbetonte Kühe hoffen.

Mit dem Stier GS DACHSTEIN (Dryland x Waldbrand) konnte 2013 wieder ein Jungstier für den Besamungseinsatz von GENOSTAR angekauft werden. GS DACHSTEIN ist mit einem Gesamtzuchtwert von 131 und einem deutlich überdurchschnittlichen Exterieur nicht nur der beste DRYLAND-Sohn, der momentan ausgegeben wird, sondern auch ein eindeutiges Spiegelbild des Zuchtzieles des Betriebes.

Ausblick

In Zukunft stehen weniger die Verbesserung der Milchleistung oder die Vergrößerung des Milchkuhbestandes im Vordergrund: vielmehr gilt es, die Genetik und die Zuchtwerte stetig zu verbessern, um weiterhin mit anderen Zuchtgebieten Schritt zu halten und so konkurrenzfähige Jungstiere für den Besamungseinsatz produzieren zu können.

Leistungsentwicklung der letzten Jahre:

20052010
zweitbeste Herdenleistung* leistungsstärkster Betrieb › 20 Kühe*
22,5 Kühe 10.118-4,67-3,62-83946,1 Kühe  11.625-4,40-3,61-931
Kuh mit höchster Einzelleistung › 25 % RH*
2006BIANKA (V.: Nikos) 17.737-4,63-3,41-1.426
leistungsstärkster Betrieb › 20 Kühe*Kuh mit höchster Erstlingsleistung › 25 % RH*
25 Kühe 10.652-4,57-3,57-867AMORE (V.: Classic Red) 12.088-3,86-3,35-872
Kuh mit höchster Einzelleistung › 25 % RH*
KARLA (V.: Jupiler Red) 15.311-5,15-3,84-1.3762011
Kuh mit höchster Erstlingsleistung ‹ 25 % RH* leistungsstärkster Betrieb › 20 Kühe*
BERGINA (V.: GS Ranten) 9.421-5,20-3,83-85046,9 Kühe  11.493-4,47-3,61-928
Kuh mit höchster Einzelleistung ‹ 25 % RH*
2007REBEKA (V.: Weinold) 13.399-5,22-3,51-1.170
leistungsstärkster Betrieb › 20 Kühe*Kuh mit höchster Einzelleistung › 25 % RH*
35,8 Kühe 10.517-4,55-3,63-860BIANKA (V.: Nikos) 17.625-4,86-3,19-1.419
Kuh mit höchster Einzelleistung › 25 % RH*
KARLA (V.: Jupiler Red) 17.278-4,40-3,48-1.3602012
Kuh mit höchster Erstlingsleistung › 25 % RH*leistungsstärkster Betrieb › 20 Kühe*
LINDA (V.: Faber Red) 13.471-4,16-3,50-1.03145,8 Kühe  11.863-4,81-3,65-1.003
Kuh mit höchster Einzelleistung ‹ 25 % RH (österreichweit)
2008LIBELLE (V.: Zahner) 14.285-5,85-3,66-1.359
leistungsstärkster Betrieb › 20 Kühe*Kuh mit höchster Erstlingsleistung ‹25 % RH (österreichweit)
44,0 Kühe 10.910-4,48-3,61-882GENIALE (V.: Rurex) 13.499-4,77-3,65-1.136
Kuh mit höchster Erstlingsleistung ‹ 25 % RH*Züchter des Jahres Platz 7
BAMBI (V.: Waterberg) 10.057-4,85-3,69-885
2013
2009Kuh mit höchster Erstlingsleistung Hauptherdebuch A*
leistungsstärkster Betrieb › 20 Kühe*BLUME (V.: GS Manchester) 12.453-4,22-3,42-951
38,3 Kühe 11.638-4,47-3,59-937Kuh mit höchster Erstlingsleistung Vorherdebuch C*
Kuh mit höchster Einzelleistung › 25 % RH*ZITTA P (V.: Leopolled RH) 11.332-4,18-3,66-889
PRINZESS (V.: Stadel Red) 13.303-4,52-3,76-1.101100.000 Liter-Kuh LORELEI (V.: Hortler) 109.091
Kuh mit höchster Erstlingsleistung › 25 % RH*
BIANKA (V.: Nikos) 12.365-3,69-3,43  8812014
Kuh mit höchster Erstlingsleistung Hauptherdebuch A*
*KärntensBLUME (V.: GS Manchester) 15.077-4,47-3,52-1.205

 

Betriebsdaten

Familie Weber, St. Michael im Lavanttal, Kärnten

Seehöhe: 500 m
Jahresniederschlag: 800 mm
Flächenausstattung: ca. 100 ha: ein Drittel Acker und Wechselwiesen (50 % Mais und 50 % Kleegras und Luzerne), ein Drittel Dauergrünland, ein Drittel Weideflächen
Viehbestand: 285 Stück, davon 50 Kühe, Rest Nachzucht (viele Zukaufskälber), interessante männliche Kälber werden genotypisiert; zwei Verbandsprämienstuten der Rasse Noriker mit den weiblichen Nachzuchten (zwei 2-Jährige und zwei 1-Jährige)
Arbeitskräfte: Betriebsleiterpaar
Maschinenausstattung: Maissetzen und Maisernte sowie Rundballenpressen ausgelagert; Rest Eigenmechanisierung
Stallform: Liegeboxenlaufstall mit Tiefbuchten und Schrapperentmistung
Melktechnik: Doppel-4er-Fischgrätenmelkstand (Swing over)

Autor: Ing. Matthias Auernig, kärntnerrind

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