Betriebsreportage Fam. Wurzinger, Lichtenau/Mkr., OÖ

Jeder Rinderzuchtverband braucht engagierte und leistungsstarke Betriebe. Erfolgreiche Rinderzucht lässt sich nicht in ein paar Jahren aufbauen, sondern ist das Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit. Genau so einen Betrieb führt die Familie Wurzinger und kann heute stolz auf dessen Entwicklung sein.

Regina und Wolfgang Wurzinger mit Sohn Markus und Kuh ERLEDer Hof der Familie Wurzinger liegt auf 600 m Seehöhe in der Gemeinde Lichtenau im Mühlkreis, im obe-ren Mühlviertel. Der Betrieb steht auf einer Anhöhe inmitten einer hügeligen Landschaft. Die Flächen sind arrondiert. Regina und Wolfgang Wurzinger haben den Betrieb 2004 von den Eltern übernommen. Die Milchkühe wurden zu der Zeit noch in einem Anbindestall (Mittellangstand) ohne mechanische Entmistung gehalten. Gemolken wurde noch mit Standeimern. Mit einem Viehbestand von 45 Tieren, davon 17 Milchkühe, war die Stallarbeit sehr beschwerlich und zeitaufwändig. Für die beiden Betriebsnachfolger stand die Umwandlung des elterlichen Betriebs in einen Nebenerwerbsbetrieb nie zur Diskussion.

Um die Landwirtschaft erfolgreich im Vollerwerb führen zu können, setzte sich das Betriebsleiterehepaar hohe betriebliche Ziele:
• Die Stallarbeit sollte auch für eine Person möglich sein
• Gute Beobachtung der Tiere auf einen Blick
• Eine möglichst einfache Stallarbeit
• Kühe mit hoher Lebensleistung und vielen Abkalbungen

Aber auch ihre persönlichen Ziele haben die beiden klar definiert:
• Die Liebe zur Landwirtschaft den Kindern weitergeben
• Auch Zeit für die Familie, für Hobbies, für Freunde und Urlaub haben

Mit der Übernahme des Betriebes wurde daher sofort mit der Planung eines neuen Rinderstalls mit angeschlossenen Bergeräumen begonnen. Die ganze Familie hat Mut bewiesen und war nicht nur in der engeren Umgebung in aller Munde.

Bauchronik

Am 28.3.2005 erfolgte der Auszug der gesamten Viehherde in einen Stall in 3 km Entfernung. Die Tiere wurden dort großteils von den Eltern Hedwig und Franz Wurzinger betreut. Es folgte der gesamte Abbruch des alten Stalls sowie des alten Wohngebäudes. Nur das neue Wohngebäude sowie die Garage blieben stehen.
Nun begann der Bau des neuen Liegeboxenlaufstalls, 2-reihig mit 70 Standplätzen. Die Liegeboxen sind als Tiefbuchten ausgeführt. Für die Entmistung wurde ein Schrapper eingebaut. Um die Tiere, wenn nötig, auch individuell betreuen zu können, entschied man sich für ein Selbstfanggitter. Eine Abkalbebox steht jetzt auch zur Verfügung. Der Melkstand ist mit einem 2 x 4er Fischgrätsystem ausgestattet. Für das Kraftfutter kam ein Transponder in den neuen Stall. Bereits am 7.12.2005 konnte die Herde in den neuen Stall einziehen. Innerhalb von acht Monaten wurde also das gesamte Stallgebäude mit angeschlossenem Bergeraum erbaut. Ein normaler Stallbetrieb war am eigenen Betrieb wieder möglich.
Durch den Zusammenhalt der gesamten Familie ging trotz arbeitsintensiver Monate alles glatt über die Bühne.

Kälberaufzucht und Jungvieh

Die Kälber werden mit acht Wochen entwöhnt und kommen dann erst eine Woche später in eine Sammelbucht mit Tiefstreu. Die Bucht ist mit keinem Selbstfanggitter ausgestattet, was aber von Vorteil wäre. Anschließend werden die Jungkalbinnen in den Liegeboxenlaufstall verlegt. Von dort aus haben die Kalbinnen im Sommer Zugang zur Weide. 10 Kalbinnen werden derzeit auf einem Partnerbetrieb aufgezogen.

Fütterung der Milchkühe

Das Grundfutter wird mit dem Silokamm vorgelegt. Über die Transponderstation werden zwei Kraftfuttersorten angeboten:
1. Schrot aus Getreide, Rübenschnitte und Soja
2. Ausgeglichenes Milchleistungsfutter
Am Futtertisch wird zusätzlich ein Eiweißfuttermittel verabreicht. Somit erhalten die leistungsstärksten Kühe täglich bis zu 10 kg Kraftfutter. Zu Mittag wird Heu vorgelegt.

Besamung und Vermarktung

Der Betriebsleiter ist Eigenbestandsbesamer. Besonderes Augenmerk legt er auf die Merkmale Rahmen, Melkbarkeit und Fitness. Die Euterqualität der Herde ist sehr zufriedenstellend. Eingesetzt werden derzeit die Vererber HADES, ROMARIO, RECHBERG und MALHAXL.
Der Betrieb beliefert schon seit vielen Jahrzehnten die Versteigerung in Freistadt mit Zuchtvieh. Bis vor einigen Jahren wurden ausschließlich trächtige Zuchtkalbinnen versteigert, derzeit sind es Jungkühe in Milch, die über die Versteigerung vermarktet werden.

Jungzüchter Markus

Die Liebe zu den Tieren hat auch schon Sohn Markus entdeckt. Er ist daheim am Betrieb live dabei und stellte sein Gespür für die Tiere schon bei Jungzüchterbewerben unter Beweis. Das erste Mal nahm Markus beim Grün.Land.Vieh.Fest 2009 in Freistadt an einem Vorführwettbewerb teil. Bereits ein Jahr später war die Teilnahme am Jungzüchter-Vorführcup anlässlich der AGRARIA in Wels 2010 für Markus ein voller Erfolg. Er erreichte mit der Jungkalbin LAUSI (V: GS Rumgo) in seiner Gruppe den 1. Rang. Markus ist ein engagierter Jungzüchter und hat die besten Voraussetzungen, die züchterische Arbeit von Vater und Großvater erfolgreich weiterzuführen.

Schauerfolge

Die Familie Wurzinger ist für den Rinderzuchtverband OÖ ein verlässlicher und erfolgreicher Aussteller. Teilgenommen wurde beim Grün.Land.Vieh.Fest 2009 in Freistadt, bei Rohrbacher Messen, bei der Böhmerwaldmesse in Ulrichsberg, bei Welser- und Rieder Messen. Einer der Höhepunkte war sicherlich der Gruppensieg mit der Kuh ERLE  bei der Welser Messe 2010. Die Kuh ERLE war auch mit einer Kollektion an ROMARIO-Töchtern bei der Euro-Tier 2010 in Hannover dabei.

Betriebsdaten

Regina und Wolfgang Wurzinger, vulgo „Bruckfranzl“, Hörleinsödt 31, 4170 Lichtenau/Mkr.

Familie: Wurzinger Regina (38) und Wolfgang (40) mit Kindern Karina (12) und Markus (10) sowie Eltern Hedwig und Franz Wurzinger
Betriebsgröße: 32 ha LN (18 ha Pachtflächen), davon 25 ha Grünland und 7 ha Acker (3 ha Getreide, 1,5 ha Kleegras, 2,5 ha Silomais); 10,5 ha Wald
Seehöhe: 600 m
Viehbestand: 30 Milchkühe, 45 Stück weibliche Nachzucht
Stallform: Liegeboxenlaufstall mit Tiefbuchten, Schrapperentmistung und 2 x 4er Fischgrätmelkstand
Fütterung: Silage mittels Silokamm, Transponder
Siloraum: Traunsteinsilos mit gesamt 1.420 m³
Heu/Stroh: in Rundballenform
Gülleraum: Gülleteich mit 1.800 m³
Außenwirtschaft: Wird großteils selbst erledigt, außer Lohndrusch und Saat. Beim Einsilieren in die Traunsteinsilos wird ein Erntewagen in Anspruch genommen.
Mitglied beim RZO seit 1982
Leistungsentwicklung   
Jahr    Anzahl      Milch-kg      F%       E%      F+E-kg            
2000    14,6            6.778        3,92      266        3,42
2005    16,6            6.950        4,28      298        3,56
2009    26,7            8.638        4,37      377        3,58

zu den Fotos

Autor: Günter Holzer, RZO