Betriebsreportage Familie Burgstaller, Niederösterreich

Der Fleckviehzuchtbetrieb Burgstaller liegt im Bezirk Amstetten im südwestlichen Niederösterreich. Zuchtvieh aus Amstetten ist seit Jahrzehnten über alle Landesgrenzen hinaus bekannt. Diesen Erfolgsgaranten hat man Zuchtstätten wie jenen der Familie Burgstaller zu verdanken, die die Leidenschaft zur Fleckviehzucht seit erster Stunde leben und lieben.

Ernestine Burgstaller mit ihren Kindern Martin und Christina sowie der Vater der Betriebsführerin Adolf HintersteinerErnestine Burgstaller mit ihren Kindern Martin und Christina sowie der Vater der Betriebsführerin Adolf Hintersteiner

„Die ständigen Neuerungen in der Rinderzucht wahrnehmen und mitwirken - von der Zentralstierkörung bis zur genomischen Selektion“, so der Vater der Betriebsführerin Adolf Hintersteiner, als er mit Stolz vom Verbandsbeitritt in den Nachkriegsjahren erzählt. Die Erfolgsgeschichte beginnt schon sehr früh im Jahr 1966 mit der Ausstellung auf der Wiener Messe. Doch dabei alleine sollte es nicht bleiben. Die Fleckviehzüchterin Ernestine Burgstaller ist laufend Beschickerin von Rinderausstellungen im In- und Ausland, egal ob Landes- oder Bundesschau, auch bei internationalen Events wie z. B. der EUROTIER in Hannover ist sie stets vertreten.

S-Kuhlinie: Aufbau des Kuhstammes
Die Begründerin der S-Kuhlinie ist die HALLING-Tochter SANTA. Diese niederösterreichische Stiermutterlinie kann ein lückenloses Pedigree bis in das Jahr 1965 aufweisen. Im Zuge der TBC-Bereinigung wurden in den 70er Jahren einige Fleckviehkalbinnen aus Ried zugekauft. Aus einer dieser Kalbinnen ging der S-Kuhstamm hervor. Über GS Benz x GS Hannes x GS Romulus x GS Hast x GS Malf kommt man in der Ahnenfolge anschließend zur HALLING-Tochter SANTA.
Mit ihr und ihren Töchtern kommt nun für die Züchterfamilie ein neues Instrument der Zuchtmethode ins Spiel: der Embryotransfer. Da sich das Züchterglück auf die Seite der weiblich dominierenden Nachzucht schlägt, folgen SANTA nun die Tochter SULENA (V.: Rolo), die Enkelin SIGLINDE (V.: Weinold), die Urenkelin SANI (V.: GS Volt) sowie die zwei Ururenkel SAYA (V.: Ikebana) und SAMIR (V.: Vikersund). Da die Hochzucht auf jeden Fall kein Lottospiel ist, sorgen nun in der sechsten Generation die Stiere RALDI und MINT, auf der männlichen Seite, für die sechs richtigen der Ahnenfolge - GS VIGOR und GS MONSIEUR.

Zukunftsorientierte Langlebigkeit und Leistung
Da die Notwendigkeit der Leistungsbereitschaft der Zuchttiere in unserer heutigen Konsumgesellschaft sehr oft hinterfragt und kritisiert wird, ist zugleich der Beleg über langlebige gesunde Tiere von höchster Bedeutung. Genau diese Stärke verkörpert der vitale Kuhstamm der Züchterfamilie. Durchschnittlich acht Abkalbungen über zehn Generationen spiegeln die Langlebigkeit seit Bestehen der bekannten S-Linie wider. Die magische Grenze von 100.000 kg Lebensleistung wurde in der Aufeinanderfolge von Stammmutter SANTA und Tochter SULENA erreicht. Die vier aneinander gereihten eingetragenen Stiermütter weisen eine durchschnittliche Lebensleistung von 83.400 kg Milch auf. Diese überragenden Lebensleistungen sind auf eine enorme Fruchtbarkeit der Tiere zurückzuführen.

Exterieur
Durchschnittlich ein Jahrzehnt stehen die S-Kühe der Burgstallers auf ihrem Milchviehbetrieb. Um das zu erreichen, ist ein überdurchschnittliches Exterieur von großer Bedeutung, welches eine weitere Stärke der Linie ist. Die gut mittelrahmigen Kühe bewegen sich auf korrekt gewinkelten, trockenen Fundamenten und können bis ins hohe Alter mit einer top Euterqualität auch immer wieder auf Tierschauen überzeugen. In Zahlen ausgedrückt wird die 6-köpfige Stiermuttergruppe im Durchschnitt mit R: 7,5 B: 7 F: 8 E: 8,25 im Herdebuch beschrieben. Dass sich dieser Fleckviehkuhtyp bei ihnen durchgesetzt hat, sind Ernestine und Adolf, die die Kühe täglich betreuen, nicht überrascht. „Die schwersten Kühe werden schließlich nicht immer die Ältesten“, so die beiden Fleckviehzüchter.

GENOSTARs der S-Linie
Nicht weniger als acht Stiere wurden bereits von Genostar aus dem S-Kuhstamm angekauft. Der aktuell stark im niederösterreichischen Zuchtprogramm eingesetzte GS VIGOR zählt sicherlich zum größten Erfolg der Züchterfamilie. Der derzeit höchste männliche RALDI-Nachkomme kann mit seiner Blutlinienführung GS Volt x Weinold mit sicher geprüfter und bestätigter Fleckviehgenetik überzeugen. Bei einem gGZW von 134 und FIT 130 mit Sicherheiten bis zu 74 Prozent wird er auch Züchter überzeugen, die der genomischen Selektion nicht immer vollstes Vertrauen schenken. Mit einem Exterieur von 103-107-114-124 spiegelt GS VIGOR perfekt seine Ahnen und die moderne, problemlose Fleckviehkuh der Zukunft wider.

SANI, abgebildet in der 7. Laktation, Mutter von GS VIGORSANI (abgebildet in der 7. Lakt.), die Mutter von GS VIGOR (Raldi x Volt)

GS MONSIEUR ist ein MINT-Sohn gezogen aus der IKEBANA-Tochter SAYA. SAYA ist die Halbschwester von GS VIGOR. Neben ihrer Leistungsbereitschaft verkörpert sie die feine, elegante Fleckviehkuh.

IKEBANA-Tochter SAYA ist die Mutter von GS MONSIEURIKEBANA-Tochter und GS VIGOR-Halbschwester SAYA ist die Mutter von GS MONSIEUR; 2/1 8.492-4,66-3,42-686

Als absolutes Highlight kann ihre Eutertextur bezeichnet werden. Das Balkendiagramm von GS MONSIEUR mit 97-102-120-126 könnte seine Mutter nicht besser beschreiben. Die eindeutige Vererbungskraft der Kuhlinie ist nicht zu übersehen.

GS MONSIEURGS MONSIEUR: MINT-Sohn aus SAYA (V: Ikebana)

Aus der Stammkuh, der HALLING-Tochter SANTA, stammen der ROBERT-Sohn GS ROLLING sowie der REPULS-Sohn GS REPAL. Der vielfach ausgestellten ROLO-Tochter SULENA entstammen der WEINOLD-Sohn GS WESLEY und der ILION-Sohn GS INDIEN.

ROLO-Tochter SULENASULENA (V.: Rolo): Gruppensiegerin auf der Welser Messe 2006; auf der BFVS Ried 2011 war sie mit ihrer Kuhfamilie ausgestellt. Sie erreichte 100.000 kg LL

Durch den Verkauf der HUPSOL-Tochter SONJA, die der Linie von SULENA entstammt, konnte durch weitere gezielte und interessierte Zuchtarbeit GS MITRAS gezogen werden.

WALDBRAND-Tochter SONJA, von GS MITRASSONJA - die WALDBRAND-Tochter ist die Mutter von GS MITRAS

Er ist ein weiterer MINT-Sohn mit Muttersvater WALDBRAND und Muttersmuttersvater HUPSOL. Mit einem Vererbungsbild von gGZW 132 FIT 123 EXT 96-98-120-116 ist der Wiedererkennungswert der Linie deutlich sichtbar.

GS MITRASGS MITRAS (Mint x Waldbrand)

Ausnahmekuh STERN
Wer STERN kennt, und das können mittlerweile sehr viele Fleckviehbegeisterte behaupten, wird sie als Ausnahmekuh bezeichnen. Sie entstammt einem Seitenast der S-Kuhlinie. Mit ihrem überragenden Exterieur präsentiert sich ihr Vater GS RAU unübersehbar wieder. STERN ist nicht nur die „Schöne“ der Burgstallers: mit 13.400 kg Milch ist sie zugleich die leistungsstärkste Kuh der Herde. Egal welches Publikum, ob auf Landes-, Bundesschau oder EUROTIER Hannover, STERN weiß zu gefallen.

GS RAU-Tochter STERNSTERN (V.: GS Rau); Ausstellungskuh auf Landes- u. Bundesschau sowie EUROTIER Hannover

Stiereinsatz
Der Stiereinsatz setzt sich aus 65 Prozent genomischer Jugend und 35 Prozent sicher bewährter Genetik zusammen. Die 65 Prozent Jungstierbesamungen beinhalten auch die Besamungen zum zweiten Kalb, da ein gleichmäßiger Prüfeinsatz in Niederösterreich weiterhin erfolgreich ist. Die Liste der genomischen Jungvererber wird von GS HENDORF, ZEPTER, PERFEKT, ETOSCHA und GS VIGOR angeführt. Die nachkommengeprüften Stiere RALDI, REMMEL, GS VERSETTO und DELL ergänzen die Möglichkeit der Stierauswahl.

Betriebsdaten

Familie Burgstaller, vulgo Edtbauer, Krahof 60, 3304 St. Georgen am Ybbsfelde
Lage: 300 m Seehöhe
Niederschlag: 800–1.000 mm
Arbeitskräfte: Betriebsleiterin Ernestine, Vater Adolf, mithilfe der Kinder Martin und Christina
Betriebsgröße: 42 ha (davon 22 gepachtet), davon 20 ha Acker (8 ha Mais, 5 ha Getreide, 7 ha Kleegras) und 22 ha Grünland (5-schnittig)
Tierbestand: 42 Milchkühe und 40 Stück weibliche Nachzucht
Fütterung:       
50 % Grassilage, 50 % Maissilage, Stroh, Mineralstoffe über Mischwagen
Grünfuttervorlage am Außenfuttertisch
Kuhkorn, Getreide und ggf. Soja über Transponder
Haltung:
Kühe in Tiefbuchten mit Auslauf
Jungvieh in Tretmistboxen mit Weidegang
2x4-Fischgrätenmelkstand    
Herdenkennzahlen 2016:     
Erstkalbealter: 27,4 Monate
Lebensleistung Abgang: 32.424 kg
Besamungsindex: 1,3
Zwischenkalbezeit: 377 Tage
Leistungsentwicklung:  Leistungsentwicklung 1997-2017  

Ausstellungen:
Bundesfleckviehschau Ried 2005: Kuhlinie SANTA
Welser Messe 2006: Gruppensieg SULENA
Bundesfleckviehschau Ried 2011: Kuhlinie SULENA

STERN:
Bundesfleckviehschau Rotholz 2013
EUROTIER Hannover 2014
Landesschau Wieselburg 2015

Autor: Ing. Josef Scharner, NOEGEN