Betriebsreportage Familie Geisler, Tirol

Fleckviehzucht am Erbhof hoch über dem Zillertal - dass Fleckviehzucht am Berg erfolgreich betrieben werden kann, beweist Familie Geisler vulgo „Stoaner“ mit den 24 Fleckviehkühen aus Brandberg in Tirol.

Familie Geisler vl.n.r: Josef, Michael jun., Evelin, Magdalena, Regina, Angelika, Anita und Michael sen.Familie Geisler vl.n.r: Josef, Michael jun., Evelin, Magdalena, Regina, Angelika, Anita und Michael sen.

Das Wohnhaus der Familie GeislerDer Hof liegt in der Gemeinde Brandberg im Zillertal, unweit von der Tourismushochburg Mayrhofen entfernt. Brandberg mit seinen 360 Einwohnern wird auch als Naturparkgemeinde seinem Namen gerecht. Unzählige Berggipfel sowie der bekannte Zillergrundspeicher werden jährlich von tausenden Besuchern und Gästen als Erholungsraum genutzt. Der jährliche Niederschlag kann mit 900 mm als normal angesehen werden. In den Wintermonaten sind es die Geislers gewohnt, dass sich auch viel Schnee am Brandberg anhäuft.

Viehzucht schon über Generationen
Der Hof der Familie Geisler liegt auf einer Seehöhe von 1.300 m in Brandberg im Zillertal Auf einem schönen Plateau auf 1.300 Meter Seehöhe gelegen, wird der Erbhof von Familie Geisler schon in der achten Generation bewirtschaftet. Der jetzige Betriebsführer Michael übernahm den Betrieb im Jahre 1987 von seinem Vater Franz. Die Söhne Josef und Michael jun. stehen bereits in den Fußstapfen und interessieren sich aktiv für die Fleckviehzucht. Der konsequente Weg, ein Doppelnutzungsrind mit guten Fundamenten und Eutern zu züchten, wird bis heute verfolgt. Alle Tiere werden die Sommermonate über auf zwei Almen verteilt aufgetrieben. In einem benachbarten Seitental im Stilluptal wird der Großteil der Milchkühe auf die „Steineraste“ aufgetrieben. Das Jungvieh genießt den Almsommer auf der „Niederalm“, die sich fünf Kilometer entfernt vom Heimbetrieb befindet.

Fütterung
Die Herde von Familie Geisler wird mit bestem Heu aus eigener Erzeugung gefüttert. Die Heukonservierung erfolgt über eine moderne Heubelüftung mit Warmluftzufuhr und Dachabsaugung. Die Kraftfuttergaben werden leistungsgerecht über den Transponder zugefüttert. Trockensteher und Jungvieh werden mit einer eigenen Ration versorgt. Im Frühjahr und Herbst werden die Tiere rund um den Hof auf den eigenen Flächen geweidet. Um die steilen Grünflächen zu schonen, wird bei schlechten Wetterbedingungen (viel Regen) nicht geweidet. Die Erntearbeiten werden mit den eigenen Geräten durchgeführt.
Die hofnahen Flächen werden im Frühjahr und Herbst beweidet.Die hofnahen Flächen werden im Frühjahr und Herbst beweidet.

Zucht
Familie Geisler legt den Fokus auf eine stabile Doppelnutzungskuh mit besten Fitnesseigenschaften für die Alpung. Besonders die Euterqualität, gute Fundamente mit abgesicherter Milchleistung bei besten Zellzahlen zählen zu den wichtigsten Merkmalen.

Beim Besamungseinsatz werden mehr als 75 Prozent genomische Jungvererber eingesetzt. Diese Vorgehensweise ist auch bei der Teilnahme am österreichischen ZAR-Projekt Fokuhs als Voraussetzung vorgegeben. 100 Prozent der gesamten Nachzucht werden über das Projekt typisiert. Es konnten dadurch auch durchaus hohe genomische Zuchtwerte ermittelt werden. Aktuell stehen am Betrieb zwei Rinder (Hammer x Evergreen und Imperativ x Shaqiri) mit über 130 gGZW. „Durch die schnelllebige Zeit in der Genomik versuchen wir, die Beratung durch den Zuchtverband mit seinen Mitarbeitern regelmäßig abzufragen“, erklärte der Betriebsführer. „Uns ist der ständige Kontakt zum Zuchtverband wichtig. So nutzen wir auch die Beratung der Mitarbeiter, um aus erster Hand die Informationen zu erhalten und eine Entscheidungsfindung zu treffen. Als Hilfsmittel wenden wir zusätzlich auch den Optibull-Anpaarungsplaner an.“
Aktuell werden am Betrieb folgende Stiere eingesetzt:
WABAN, METTMACH Pp, MIAMI, WEISSENSEE, VESUV, HERO, HOSIANNA, ZAZU, GS WORLDCUP, GS MC DRIVE, GS MÄCHTIG.
Die Auswahl der Stiere wird im Einklang von Vater Michael und den Söhnen getroffen. Sie sind sich in der Entscheidungsfindung fast immer einig.

Einen Zuchterfolg erreichte Familie Geisler 2018 mit dem VESUV-Sohn VERSUS aus der eleganten SHAQIRI-Tochter ALPINE. VERSUS ist bereits der dritte Stier in der Geschichte, seit es Fleckviehzucht am Betrieb gibt, der die Anforderungen für die Besamung erfüllte. Mit seinem gGZW von 127 und gMW von 123 und dem gutem Exterieur 96-108-109-108 lässt er kaum Wünsche offen.
VERSUS (Vesuv x Shaqiri)VERSUS (Vesuv x Shaqiri)

ALPINE – Mutter von VERSUSALPINE – Mutter von VERSUS

ARIE – Großmutter von VERSUSARIE – Großmutter von VERSUS
Auch die Großmutter ARIE besticht durch ihren Rahmen und ihre Kapazität sowie dem hervorragenden Euter.

Die A-Linie zeichnet sich seit jeher durch ihren herzlichen Charakter, mit guten Rahmen und auch Zellzahlwerten bei besten Eutern und Fundamenten aus. „Das sind Kühe, so wollen wir sie haben!“, schwärmte Betriebsleiter Michael.
ALMMADL (V.: Hubraum)ALMMADL (V.: Hubraum)
Eine besonders schöne Vertreterin der A-Linie am Betrieb ist die HUBRAUM-Tochter ALMMADL. Diese mittelrahmige, elegante Jungkuh besticht vor allem durch ihr schönes Euter.
ALMREASL – Mutter von ALMMADLALMREASL – Mutter von ALMMADL
ALMLIESL – Großmutter von ALMMADLALMLIESL – Großmutter von ALMMADL

Vermarktung und Schau
Vermarktungsfähige Jungkühe und auch Mehrkalbskühe werden fast zur Gänze am Marktort Rotholz angeboten. Einstellkälber und Schlachtvieh werden über die regionale Händlerschaft verkauft. Die Teilnahme bei Bundes-, Landes- und Gebietsschauen wurde in den letzten Jahrzehnten auch erfolgreich genutzt. Im Jahr 2017 konnten bei der Zillertaler Alpenschau anlässlich des bekannten und größten Frühjahrsfestes Österreichs, dem Gaudafest, fünf Tiere ausgestellt werden. Wie Betriebsführer Michael anführte, ist eine Teilnehme bei einer Schau ein Vergleich, ob die Zuchtarbeit auch erfolgreich war.

Schau-Teilnahmen:
Bundesschau         1987
Landesschauen    1985, 1990, 2006, 2011, 2016, Lebensleistungsschau Formel 50.000

Neubau und Sanierung
Bei einem Neu- und Umbau des Stalles im Jahr 2011 von Anbindehaltung in einen angepassten Laufstall wurde auf größtmöglichen Tierkomfort für die 24 Kühe geachtet. Für die Kühe wurden Tiefbuchten mit Stroheinstreu, eine automatische Viehbürste sowie eine Breitschieberentmistung eingebaut. Eine befestigte Auslauffläche direkt angrenzend an den Stall wurde ebenfalls vorgesehen. Als Melksystem wird ein 4-er Swing-Over verwendet.
Das gesamte Jungvieh ist einem 500 Meter entfernten Stallgebäude untergebracht. Dieser Zweitbetrieb wird von Sohn Josef geführt (Anbindestall mit Auslauf).

Zukunftsaussichten
„Unser Ziel wäre es, wenn der Betrieb im Vollerwerb durch Mithilfe aller Familienmitglieder weiterhin geführt werden kann. Bauliche Maßnahmen sind in nächster Zeit zwar nicht anstehend, aber die Investition in Kuhkomfort und die maschinelle Erleichterung für alle Außenarbeiten wird auch in den nächsten Jahren unerlässlich sein. Die gesunde und vitale Fleckviehkuh, die alpungstauglich und trotzdem leistungsbereit ist, möchten wir auch weiterhin züchten“, sind sich die Geislers einig.

Betriebsdaten

Anita und Michael Geisler, vulgo Stoaner, Brandberg i. Zillertal, Tirol
Lage

•    1.300 m Seehöhe
•    Ø 900 mm Niederschlag
•    Berghöfekatasterpunkte 330
Familienmitglieder
•    Michael und Anita (Betriebsleiterehepaar) mit den Söhnen Josef und Michael jun.
Betriebsgröße
•    18 ha Gesamtfläche (keine Pachtfläche)
•    7 ha Wald
Aufstallungsformen/Melken
•    Laufstall mit Tiefbuchten, Laufgang-Gummimatten und Breitschieberentmistung für 24 Kühe
•    4er Swing-Over
•    Trockensteher mit Tiefbuchten
•    Kalbinnen und Jungrinder im Anbindestall mit Auslauf am zweiten Betrieb
•    Durchschnittliche Lebensleistung 38.400 kg Milch
•    Durchschnittliche Zellzahl 105.000
Maschinenausstattung
•    1 Motorkarren mit 100 PS
•    1 Mähtrak mit 50 PS
•    1 Spezial Motormäher für Steilflächen
•    Heuwerbegeräte
•    Geräte zur Wirtschaftsdüngerausbringung
Fütterung Kühe
•    Heugrundration (nur eigene Produktion) 1.-2.-3. Schnitt, Stroh
•    Leistungsbezogene Kraftfutterversorgung über Transponderfütterung
Fütterung Kalbinnen
•    Heuration
•    Kraftfutter (nur bis zum Almauftrieb)
Fütterung Kälber
•    12-wöchige Tränkephase mit Vollmilch
•    Einzelboxenhaltung und Gruppenhaltung auf Stroh
•    Kälber-Kraftfutter
•    Heu frei zur Verfügung
Leistungsdaten:
Milchleistungsentwicklung

Autor: Hannes Leitner, Rinderzucht Tirol